Senger-Gruppe im Porträt

Autor / Redakteur: Ingo Jagels/Stephan Richter / Stephan Richter

Die Senger-Gruppe setzt im gesamten Unternehmen auf verstärkte Prozessorientierung, sodass Kundenzufriedenheit und Qualität für den richtigen Erfolg sorgen.

Anbieter zum Thema

Die Situation in der Automobilwirtschaft ist zurzeit gekennzeichnet von Einflussfaktoren, die gravierend auf die Ertragssituation der Autohäuser drücken. Dazu zählen unter anderem massive Marktveränderungen, hervorgerufen durch den stark rückläufigen Automarkt, noch nicht angepasste Produktionsvolumina der Hersteller und damit verbunden ein extremer Einschnitt in die Händlermarge sowie eine allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung, nicht zuletzt geschürt durch die Finanzkrise. Zudem haben sich die steuerlichen Rahmenbedingungen (Pendlerpauschale) verschlechtert und die Lebenshaltungskosten steigen laufend. Durch groß angelegte Rabattaktionen im Handel finden sich die Autohäuser laut Andreas Senger, Geschäftsführer der Senger-Gruppe, im so genannten „Zugzwang des Faktischen“. Im Klartext: Entweder mitmachen und mit stark sinkenden Margen arbeiten oder aus dem Geschäft aussteigen.

Das Überleben im Automobilhandel hängt für Andreas Senger unter anderem von der differenzierten, professionellen Prozessorientierung ab. „Optimal organisierte Kundenakquise, effektive CRM-Instrumente und perfekter Service sind wichtiger denn je.“

Wachstumskurs: Ja oder Nein?

„Die Automobillandschaft hat sich grundlegend verändert. Es gibt Konzentrationsprozesse, wie wir sie auch in anderen Branchen beobachten können. Man muss für sich die Richtungsentscheidung treffen: Geht man den Wachstumskurs mit oder nicht? Da wir nicht riskieren wollten, auf Dauer überholt zu werden, haben wir uns dafür entschieden, die unternehmerische Chance zu nutzen. Ziel sollte es ja sein, langfristig effizientes Wachstum herbeizuführen. Durch unsere 23 Autohäuser in fünf Bundesländern sind wir in der Fläche aufgestellt. Wir führen unsere Backoffice-Aktivitäten in Rheine zusammen, um Prozesse und Arbeitsabläufe effektiv und einheitlich zu koordinieren. Das operative Geschäft bleibt aber dezentral in den einzelnen Autohäusern“, so Senger.

Den Anfang für das Unternehmen machte Egon Senger im Jahr 1953, als er eine Daimler-Benz-Vertragswerkstatt gründete. Fünf Jahre später stieg er in den Automobilhandel ein. Er übernahm gleich für zwei Hersteller die Vertretung: für die Daimler-Benz AG und die Auto-Union.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 16 Bildern

Die Anfänge

Der Neubau und die Eröffnung des Mercedes-Benz-Betriebs in Rheine im Jahr 1972 sollte für die gesamte Kfz-Branche von Bedeutung sein. Egon Senger hatte sich nämlich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Vor der Einfahrt in die Werkstatt platzierte er einen so genannten Annahmebahnhof, in dem die Kundenfahrzeuge vom Servicemeister gründlich inspiziert und geprüft werden konnten. Dieses Konzept ist heute unter dem moderneren Namen „Dialogannahme“ wohl bekannt in der Branche.

Nach Jahren des kontinuierlichen, aber überschaubaren Wachstums, ging es ab den frühen neunziger Jahren in höherem Tempo voran. 1992 startete die Firma Senger ihr Engagement in Ostdeutschland. In der Kleinstadt Weißenfels im südlichen Sachsen-Anhalt übernahm die neu gegründete Tochterfirma Senger Automobile GmbH ein Mercedes-Benz-Marktgebiet.

Im Jahr 2000 fusionierte die Senger Automobile GmbH mit der Firma Neils & Kraft. Daraus hervor ging mit der Firma Senger-Kraft ein rechtlich selbstständiges Unternehmen. „Bei dem Zusammenschluss war es uns wichtig, die Mehrheitsanteile zu besitzen und damit die Geschäftsführung stellen zu können“, erläutert Andreas Senger. Seiner Ansicht nach sei es eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Fusion, sich für eine Unternehmensstrategie zu entscheiden. „Eine Mischform kann nicht funktionieren.“

Erfolgreiche Fusion

Die Expansion schritt weiter voran: Seit 2003 ergänzt die Marke Peugeot das Portfolio. In den folgenden Jahren kamen weitere Mercedes-Benz-Vertragswerkstätten in Dortmund, Werne und Leipzig sowie ein Audi-Autohaus in Lingen hinzu.

Anfang 2007 übernahm Senger dann die Mehrheitsanteile der „DAF Berlin Nutzfahrzeuge Vertrieb und Service GmbH“. Der Betrieb befindet sich in attraktiver Lage direkt in einem Güterverkehrszen-trum am südlichen Rand von Berlin. „Wir verfügen über langjährige Erfahrungen mit Nutzfahrzeugen von Mercedes-Benz und haben schon längere Zeit darüber nachgedacht, eine zweite Marke aufzunehmen“, erläutert der Unternehmer.

Der nächste Schritt zum weiteren Aufbau der Unternehmensgruppe folgte Ende 2007 mit der Übernahme einer Mercedes-Benz-Vertretung mit vier Standorten im Raum Gotha im Thüringer Wald. Das Frühjahr 2008 stand bei Senger ganz im Zeichen des 55-jährigen Jubiläums. Unter dem Motto: „55 Jahre Mobilität für das Münsterland“ wurde markenübergreifend auf der „Senger-Automeile“ in Rheine ein entsprechend großes Programm veranstaltet. Im November 2008 feierte das zur Senger-Gruppe gehörende, traditionsreiche Autohaus Hirsch GmbH in Dortmund sein 75-jähriges Bestehen. Ganz aktuell erfolgte die Übernahme des Autohauses Brinkmann mit der Marke Skoda in Rheine zum 1. Dezember 2008

Zu den Erfolgsfaktoren der enorm gewachsenen Gruppe zählt Andreas Senger die klar zugeordneten Verantwortungsstrukturen. In jedem Unternehmensbereich hat er einen eigenen Geschäftsführer eingesetzt. Über den einzelnen Gesellschaften steht die Senger-Holding. Daran angeknüpft ist die Abteilung „Zentrale Dienstleistungen“, die den Firmen der Unternehmensgruppe Services wie Controlling, Buchhaltung, Personalwesen und die Betreuung der EDV zur Verfügung stellt.

Zudem glaubt der Unternehmer, dass heute ein Geschäftsmodell gefragt sei, das unter anderem ganz konsequent auf innovative CRM-Konzepte zugeschnitten ist, um Kunden zu halten und zurückzugewinnen.

Blick in die Zukunft

„Mehr denn je hat es absolute Priorität, auf die Qualität jedes einzelnen Verkaufsgeschäfts zu achten. Das gilt sowohl für den Verkauf von Neuwagen und Gebrauchtwagen als auch für die Gebrauchtwagenhereinnahme. Wir alle wissen: Nicht der Auftragseingang ist das Geschäft, erst die Summe der damit verbundenen Geschäftsbewegungen und daraus resultierend ein positiver Deckungsbeitrag sind ein Indiz für ein ‚gutes’ Geschäft. Und gerade hier werden wir uns immer wieder die Frage stellen, ob die aktuelle Entscheidung die richtige ist, oder ob sie sich nicht noch verbessern lässt. Dies gilt auch und ganz besonders im Kundendienst, wobei hier alle Prozesse in Richtung Kundenzufriedenheit gesteuert werden müssen. Das geht natürlich nur über gut geschulte, bestens informierte und damit auch hoch motivierte Mitarbeiter“, erläutert Senger.

Ein weiteres wichtiges Feld ist der Bereich zusätzlicher Dienstleistungen im Rahmen der Wertschöpfungskette des Handels, wie z. B. Garantien und Finanzierungsprodukte. Hier besteht gerade im Privatkundengeschäft eine echte Chance, das Geschäft auszuweiten.

An dieser Stelle zeige sich deutlich ein Vorteil, den eine große Autohausgruppe gegenüber einem kleinen Betrieb habe. „Mit der Spezialisierung auf bestimmte Aufgaben steigt die Professionalisierung. Wir haben zum Beispiel ein hervorragendes Controlling-Tool entwickelt, das den einzelnen Geschäftsführern schnell und zuverlässig die Daten zur Verfügung stellt“, verdeutlicht er.

Sengers Ausblick für 2008/2009 fällt ernüchternd aus: „Wir verzeichnen eine dramatische Verschlechterung bei den verkauften Pkw-Stückzahlen. Der Nfz-Bereich hat sich bezüglich der Stückzahlen zwar noch gehalten, aber die Geschäfte standen unter einem Ertragsrückgang.“ Eine Trendwende zu mehr Stückzahlen wird auch für 2009 nicht gesehen.

Verantwortung für alle

„Hier sind auch die Hersteller gefordert“, meint Senger. Eine Anpassung der Produktion sei dringend erforderlich. Tageszulassungen und Incentives haben die Preissituation so verzerrt, dass bei Leasingrückläufern noch viele versteckte Zeitbomben hochgehen werden. Das Restwertrisiko müsse von den Herstellern übernommen werden. Die Restwertvorgabe der Hersteller müsse angepasst und auch die Direktverkäufe am Handel vorbei müssten eingedämmt werden.

„Außerdem kann es mit gut durchdachten Absatzförderungsaktionen zu einer ausbalancierteren Lastenverteilung zwischen Handel und Hersteller kommen. Letztendlich liegt es aber in der Verantwortung jedes einzelnen Händlers, die Weichen so zu stellen, dass er in den weiterhin stattfindenden Konzentrationsprozessen bestehen kann. Und dazu ist eine bestimmte Größe und Mehrmarkenstruktur sicherlich auch ausschlaggebend“, lautet das Fazit von Andreas Senger

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:277457)