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Ständig verfügbar sind rund 17.000 Teile, wovon etwa 2.500 Identteile sind. Übrigens verkaufen die Mitarbeiter im Teilecenter nicht nur Nutzfahrzeugteile an Spediteure, sondern auch Pkw-Teile von Audi bis Volvo an umliegende Werkstätten und Privatkunden. Dieses Angebot nutzen auch die eigenen Mitarbeiter sehr gerne. Bis Ende 2009 will Paul seinen Online-Teile-Shop starten.
Dass es auch heute immer noch Wachstumsfelder zu erschließen gibt, zeigt sich in Passau beim Reifengeschäft. Erst Ende 2008 hat Paul mit dem Transporterreifenservice losgelegt, seit drei Monaten setzen sich die Servicemitarbeiter mit Lkw-Reifen auseinander. Sowohl aus der Annahme als auch aus der Werkstatt wurden Mitarbeiter für den Reifenservice geschult. Auf die Frage, warum er erst jetzt in das Reifengeschäft eingestiegen sei, antwortet Paul mit einem Zitat seines Vaters: „Oàn Knedel ka ma schlucka, zwoà a. Aber mit drai und fià, da wird’s dann scho schwierig, dass ma sich net verschluckt dabei.“ Statt zehn Schritte auf einmal zu gehen, nehmen sich Geschäfts- und Betriebsleitung einen Schritt nach dem anderen vor. „Erst wenn ein Projekt rund läuft, kann man sich auf eine neue Aufgabe konzentrieren“, sagt Betriebsleiter Wasner.
Eigene IT-Abteilung für bessere Prozesse
Für die notwendige Transparenz und möglichst viel Effizienz im Unternehmen sorgt eine selbst entwickelte EDV-Landschaft. Bereits vor sechs Jahren hat Firmenchef Paul die eigene IT-Abteilung ins Leben gerufen. Dort arbeiten heute vier Mitarbeiter, deren erstes Projekt eine mehrmarkenfähige Arbeitswerterfassung war. Seitdem wird jeder Auftrag mit einem Barcode versehen, jeder Monteur ist mit einem Lesegerät ausgestattet. Damit stempelt er virtuell auf dem Auftrag an und auch wieder ab.
Betriebsleiter Wasner hat somit die Werkstattproduktivität exakt im Blick, ebenso die Produktivität jedes einzelnen Monteurs. Auf Mausklick lässt sich zudem abrufen, wie rentabel eine einzelne Position bzw. der komplette Auftrag war.
Im System sind mittlerweile 1.800 Festpreispakete hinterlegt. Ferner gibt es für ausgewählte Kunden individuell zugeschnittene Festpreispakete. Und Paul wäre nicht Paul, gäbe es nicht auch Festpreispakete für Alternativteile. Solche Pakete bietet er nicht nur für Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz an, sondern auch für MAN, DAF, Iveco und Co. Betriebsleiter Wasner betont aber: „Damit richten wir uns in erster Linie an unsere regionalen Kunden, die Wartungsarbeiten bei uns durchführen lassen sollen. Wir wollen ihnen klarmachen, dass sich eine eigene Grube und eigene Werkstattmitarbeiter nicht rechnen.“
Aktuell ist das Unternehmen damit beschäftigt, ein System zu entwickeln, mit dem der Serviceberater den Auftrag bereits auf dem Hof direkt am Fahrzeuge eröffnen kann. Dazu soll der Serviceberater mit einem Handheldgerät ausgestattet werden, mit dem er auch Fotos machen kann. Apropos Fotos: Um Diebstähle auf dem Firmengelände zu verhindern, überwacht das Unternehmen das Grundstück mit Kameras. Künftig möchte Betriebsleiter Wasner die Kameras im Einfahrtsbereich zur Kennzeichenerkennung nutzen. Seine Vision: Sind Kennzeichen und damit Fahrzeug bekannt, erscheint der Kunde bereits auf dem Bildschirm des zuständigen Serviceberaters. Bis der Fahrer in der Kundendienstannahme ist, könnte das Servicepersonal bereits die ersten Schritte einleiten.
Für Firmenchef Paul heißt die Devise: „Alle Prozesse so zu verschlanken, dass den Serviceberatern mehr Zeit für die Betreuung der Kunden bleibt.“ Geht es nach ihm, sollen in seinem Unternehmen in zwei Jahren bereits Computersysteme und Prozesse laufen, die erst in zehn Jahren Branchenstandard werden.
Ausbildung auf hohem Niveau
Alles andere als Standard ist auch die Ausbildung im Hause Paul. Von der Ausbildungsmesse über Berufspraktika bis hin zu Elternabenden – das Unternehmen spielt die komplette Klaviatur der Nachwuchssicherung. Groß geschrieben wird in dem Nfz-Betrieb auch die Weiterbildung für die Servicemannschaft. So gibt es fünf zertifizierte Serviceberater, vier zertifizierte Diagnosetechniker, zwei zertifizierte Teile- und Zubehörverkäufer und 16 von 37 Monteuren haben die Meisterprüfung absolviert. Daneben sind drei ausgebildete Kälteanlagentechniker mit von der Partie. Weit über 200 Schulmanntage plant das Unternehmen jährlich ein.
Paul weiß aber nicht nur mit Schulungen zu motivieren. Weil das letzte Jahr besonders gut verlaufen ist, gab es für jeden Mitarbeiter 500 Euro extra. Allerdings wurden pro Krankheitstag 50 Euro abgezogen. Die Krankheitstage halten sich jedoch in Grenzen, bekommen die Mitarbeiter doch alle Werkzeuge und Gerätschaften, die ihnen den Arbeitsalltag erleichtern. Auf die Frage, wie man die Mitarbeiter bei Laune hält, antwortet Betriebsleiter Wasner: „Wir haben keine Motivationstheorie im klassischen Sinne. Dass unsere Leute gut drauf sind, begründen wir mit der Wertschätzung, die wir ihnen entgegenbringen.“ Wasner achtet penibel darauf, dass die Mitarbeiter dort eingesetzt werden, wo sie ihre Stärken haben. „Wir versuchen nicht, die Leute zu ändern, sondern fördern ihre individuellen Fähigkeiten. Nur so haben wir in jedem Bereich absolut motivierte Spezialisten im Einsatz“, bringt Wasner seine Strategie auf den Punkt.
Man soll die Feste feiern, wie sie fallen
Aber bei Paul wird nicht nur viel geschult und gearbeitet, man versteht es auch, zünftig zu feiern. Zu Festivitäten lädt der Chef immer alle Mitarbeiter und deren Familien ein. Auf der eigenen Hausmesse geht die Party so richtig ab, was ebenso für die Grillfeste gilt. Vergünstigt essen und trinken können die Mitarbeiter zudem täglich im American Restaurant.
Feste feiern können aber nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Trucker. Speziell für sie gibt es im Frühjahr eine richtig große Sause: 2.500 Gäste kamen in diesem Jahr zum Truckerfest. Eingeladen werden die Fernfahrer per SMS und Newsletter. Und für die Chefs und Fuhrparkleiter gibt es Unternehmerabende, an denen Themen diskutiert werden, die ihnen auf den Nägeln brennen. Aber auch Fahrzeugpremieren versteht Paul ganz speziell auszurichten. So gab es zur Actros-Einführung eine Abendveranstaltung mit Feuershow und explodierender Bühne inklusive AC/DC-Musik und klasse Mädels – alles, was das Truckerherz höher schlagen lässt. „Bei uns bekommen die Kunden das Gefühl: ‚Das macht der Paul alles für mich’“, sagt Marketingleiterin Ulrike Schott.
Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt ein Blick auf die Kundenzufriedenheitsanalyse. Damit belegt das Unternehmen innerhalb der MB-Nfz-Servicewelt einen Platz im oberen Drittel.
Fazit: Beim Service Award 2009 sichert sich die Josef Paul GmbH nicht nur einen Platz im oberen Drittel, das Unternehmen holte sich gleich die Trophäe. Die Jury gratuliert der Passauer Servicemannschaft zum Sieg in der Kategorie Nutzfahrzeuge. Herzlichen Glückwunsch!
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