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Sehr erfolgreich betreiben die Chemnitzer auch das Reifengeschäft. Besonders die Reifeneinlagerung betrachten die Geschäftsführer als Kundenbindungsinstrument und bieten sie zum günstigen Preis von 19,90 Euro pro Satz und Saison an. Der Erfolg sind fast 800 eingelagerte Sätze – für die Unternehmensgröße eine hohe Zahl.
Um die eingelagerten Räder zu verwalten, nutzt der Betrieb ein selbst entwickeltes EDV-System. Es basiert auf Windows, ist leicht bedienbar und mit dem DMS vernetzt. Auf Knopfdruck erstellt es einen Einlagerungsnachweis für den Kunden, Angebote zum Reifentausch und Serienbriefe. Als zusätzliche Motivation zum Reifenkauf gibt es kleine Geschenke, zum Beispiel Tankgutscheine. Der Erfolg: 80 Prozent der angeschriebenen Kunden kaufen.
Runderneuerte oder Billigreifen sind aber nicht im Angebot. Heiko Haase: „Wir setzen auf Sicherheit und wollen die Kunden zu Markenreifen erziehen.“
Trotz des günstigen Angebots für die Reifenlagerung und des Service-plus-Programms will das Autohaus an der Lutherkirche nicht der „billige Jakob“ sein, wie es Geschäftsführer Wolfgang Ludwig ausdrückt. Sein Kollege Heiko Haase ergänzt: „Bei uns gibt es nichts umsonst. Gute Arbeit muss bezahlt werden.“ Um den Lockangeboten der Konkurrenz etwas entgegenzusetzen, haben die Unternehmer ein „Premiumpaket“ entwickelt, das es beim Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens dazu gibt. Dabei handelt es sich um ein Gutscheinheft, das der Kunde bei Werkstattaufträgen einlösen kann.
Es hat einen Wert von bis zu 1.500 Euro und gilt über einen Zeitraum von zwölf Jahren – ein praktisches Kundenbindungsmittel. Der Autobesitzer erhält Nachlässe etwa auf Inspektionen, Räderwechsel, Einlagerung oder Verschleißreparaturen.
Aufgeräumte Werkstatt
Die Konzentration auf den Service hat Tradition im Autohaus an der Lutherkirche, das im Jahr 1990 aus einem Reparaturbetrieb für Nutzfahrzeuge entstand. „Wir haben von Anfang an viel Wert auf Service gelegt“, blickt Wolfgang Ludwig zurück. „Es war unser Ziel, einen großen Stamm zufriedener Werkstattkunden aufzubauen.“
Den alten Gebäudebestand aus DDR-Zeiten hat Ludwig übernommen und komplett saniert – Blickfang ist der nagelneue, gläserne Showroom, dessen Obergeschoss mit einer kleinen Motorradsammlung (ein Hobby des Chefs) und einem großzügigen Schulungsraum aufwartet.
Die Altgebäude sind bestens genutzt. Hinter jeder Tür findet sich eine weitere, pieksaubere Werkstatt. So besitzt etwa der beste Diagnosetechniker des Hauses eine eigene Halle, in der er sich ungestört in knifflige Elektronikprobleme vertiefen kann.
Service mit Plus
Die Karosserieabteilung beherrscht moderne Instandsetzungstechniken wie MIG-Löten und Widerstandspunktschweißen. Auch mit altem Blech können die Mitarbeiter umgehen. Als Blickfang und Arbeitsprobe steht ein perfekt restaurierter Oldtimer in der Werkstatt – natürlich ein Opel.
Neben Werkstatt und Fahrzeugverkauf betreiben die Chemnitzer ein umfangreiches Teilegeschäft mit den Freien Werkstätten. Etwa 50 Betriebe kaufen Teile im Autohaus, davon 20 regelmäßig. Der Umsatz im Jahr 2007 betrug 100.000 Euro, im ersten Halbjahr 2008 60.000 Euro.
Im Gespräch mit der Jury des Service Award hat Wolfgang Ludwig den Werkstattwettbewerb mit einem Audit verglichen. „Wir mussten scheinbar selbstverständliche Dinge noch einmal aufschreiben und dokumentieren.“
Dass dabei gleich der erste Platz herauskam, stellt dem kleinen Betrieb und auch der Lebensleistung des heute 67-jährigen Geschäftsführers ein hervorragendes Zeugnis aus. Für die Zukunft hat er übrigens schon vorgesorgt: Schritt für Schritt übergibt er die Verantwortung für das Geschäft und die rund 30 Mitarbeiter an seinen jüngeren Kollegen Heiko Haase.
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