Servicegeschäft: Diversifizierung als Zukunftsrezept

Von Andreas Wehner

Anbieter zum Thema

Die Umsätze im an sich stabilen Servicemarkt gehen zurück. Kfz-Betriebe müssen sich darauf einstellen und sich von zyklischen Schwankungen unabhängiger machen, rät eine Studie.

Prof. Charles McKay stellte auf der Automechanika die Studie „Der deutsche Servicemarkt“ vor.(Foto:  Wehner)
Prof. Charles McKay stellte auf der Automechanika die Studie „Der deutsche Servicemarkt“ vor.
(Foto: Wehner)

Diversifizierung ist das Rezept für Kfz-Betriebe, um in einem stagnierenden bis rückläufigen Markt zu bestehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum deutschen Servicemarkt, die das Institut für Mobilität und Verkehr (Move) der Westfälischen Hochschule Campus Recklinghausen im Auftrag der Automechanika durchführte.

Das Servicegeschäft sei nach wie vor eine stabile Ertragssäule der Kfz-Betriebe, sagte der Leiter der Studie, Prof. Charles McKay, bei der Vorstellung der Untersuchung im Rahmen des Aftermarket-Forums auf der Automechanika in Frankfurt. „Die gute Nachricht: Uns geht es relativ gut. Wir fliegen auf hohem Niveau und müssen uns jetzt überlegen, was passiert, wenn wir künftig etwas niedriger steigen“, sagte der Experte

Auf der einen Seite nehmen laut Studie Faktoren zu, die zu mehr Reparaturereignissen führen. Dazu gehören beispielsweise der steigende Fahrzeugbestand bei gleichzeitig steigendem Alter der Fahrzeuge, die höhere Komplexität und eine größere Fahrleistung. Diese Faktoren werden auf der anderen Seite überkompensiert durch die höhere Qualität der Autos, fahrzeugspezifische Wartungsintervalle und modulare Reparaturlösungen, die zu niedrigeren Betriebskosten führen sollen. In der Summe sank die Anzahl der Arbeiten pro Pkw von 2,14 im Jahr 1995 auf 1,68 im Jahr 2010. Inflationsbereinigt lagen die Ausgaben pro Pkw 2010 um 4,2 Prozent niedriger als 1995.

Gleichzeitig teilt sich der Markt. Auf der einen Seite schwindet die Kaufkraft vieler Privatkunden vor allem der jüngeren Generation. Sie entscheiden sich zunehmend für die billigsten Lösungen und erwarten lediglich die Mindeststandards bei Wartung und Reparatur. Auf der anderen Seite wächst das Segment der Kunden, die bereit sind, für zusätzliche Dienstleistungen zu zahlen, die über die reine Reparatur und Wartung hinausgehen. Das sind einerseits ältere Kunden – die so genannten Best-Ager – und andererseits Gewerbekunden.

McKay gab den Werkstätten den Tipp, ihre Geschäfte auf mehrere Säulen zu verteilen, um von zyklischen Schwankungen unabhängiger zu sein. So solle man sich einerseits nicht nur auf Pkw konzentrieren, sondern auch auf Lkw oder sogar Agrarfahrzeuge. Gleichzeitig regte der Experte an, eventuell Reparatur- und Servicedienstleistungen für Industrieunternehmen anzubieten.

Gleichzeitig müssten Betriebe dem veränderten Markt Rechnung tragen und sowohl die Low-Budget-Kunden ansprechen als auch für die gut verdienenden Autobesitzer entsprechende Angebote bereit halten. Dabei sei jedoch wichtig, nach außen einen differenzierten Auftritt zu haben. McKay appellierte, die im deutschen Markt sehr gute Qualität aufrecht zu erhalten und den Kunden keine Versprechen zu geben, die die Werkstatt letztlich nicht einhalten könne. „Tun Sie das richtige, aber tun Sie es auch richtig“, sagte McKay.

(ID:35523320)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung