"Servolution" in der BMW-Werkstatt
Neue Herausforderungen und Chancen für Handel und Werkstatt: Joachim Geißler, Leiter Aftersales Deutschland, im Gespräch mit "kfz-betrieb" ONLINE.
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Acht Sattelzüge, 100 Mann ständig im Einsatz - die BMW Aftersales Messe 2004 tourt seit 15. Januar durchs Land. Stationen waren bisher Berlin, Hamburg, Göttingen, Köln und Ludwigshafen. Den Abschluss bildet München, wo die Teile- und Zubehör-Show am 5. und 6. Februar über die Bühne geht. Der Aufwand lohnt sich für den bayrischen Autohersteller. Unter dem Strich kamen 3.000 Besucher - Inhaber, Geschäftsführer, Service- und Teilevertriebsleiter sowie Mitarbeiter aus dem Aftersales-Bereich der BMW-Handelsorganisation. "Wir haben mit unserem Angebot nahezu 100 % aller deutschen Handelsbetriebe erreicht", sagt Joachim Geißler, Leiter Aftersales Deutschland bei BMW im Gespräch mit "kfz-betrieb" ONLINE. Damit ist die Intention von Ludwig Willisch, Leiter der BMW Group Region Deutschland, erfüllt: "Neben der umfassenden Information soll die Aftersales Messe auch dazu dienen, die Partnerschaft zwischen dem deutschen Vertrieb und den Händlern weiter zu vertiefen." Auf über 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und rund 40 Messeständen wurden den Besuchern folgende Service-Themen präsentiert: Neue Diagnose- und Programmiersysteme, Aftersales-Training, Arbeitsplatz Aftersales (APAS), neue Programme zur Schadenkalkulation, mobiler Service, Arbeitszeitmodelle und das Service Ticket. Im Bereich Teile, Zubehör und Accessoires wurden den Händlern die neuesten Systeme bei Außen- und Innenzubehör, Träger, mobile Kommunikation, Sound, Sicherheit, Räder und Reifen vorgestellt.
Regen Zulauf fanden auch die von BMW favorisierten IT-Systeme in der Handelsorganisation, die Betreuung der Freien Werkstätten sowie die diversen Modeschauen der BMW/Mini-Lifestyle-Lounge und BMW Williams F 1 Kollektion.
Nach Aussagen von Joachim Geißler hat sich das Geschäft mit Teilen, Zubehör und Lifestyle-Artikeln sehr positiv entwickelt. Das Geschäftsjahr brachte hier ein Plus von insgesamt 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei der Sektor Zubehör um 9 Prozent zulegte und der Sektor Lifestyle um 29 Prozent wuchs. Absolute Zahlen zu diesem Geschäftszweig benennt BMW traditionell nicht. Wie aus gut unterrichteten Händlerkreisen verlautet wurden im Jahr 2002 von der BMW-Handelsorganisation Teile im Wert von 761 Millionen Euro bei der BMW AG bestellt.
"Unter dem Strich verläuft das Teile- und Servicegeschäft sehr erfolgreich und liefert positive Deckungsbeiträge", berichtet Geißler. Weil der Handel in diesem Punkt ständig "schiebe und drücke", sei das Absatzmanagement Service bei BMW ständig am Entwickeln neuer Innovationen. Dabei nehme man Händlerprobleme ernst und sei permanent auf der Suche nach neuen Wegen zum gemeinsamen Erfolg. Zum Beispiel im Nachrüstgeschäft. Dort habe der Aftersales-Bereich zwar oft das "natürliche" Problem, dass sich gute Produkte mittelfristig als Serienausstattung wiederfänden wie z.B. Klimaanlage oder Standheizung. Dieses Jahr setzt man u.a. auf eine Solarbelüftung für die 3er-Reihe. Der nachträgliche Einbau dauert maximal eine Stunde und kostet den Kunden rund 900 Euro. Sechs Ventilatoren im Glas-Schiebedach erzeugen den Temperaturausgleich.
Und wie steht es gegenwärtig um die Zertifizierung der Händlerbetriebe nach den neuen Servicestandards Gegenwärtig laufe die Überprüfung auf Hochtouren. Es habe insgesamt 400 Bewerbungen von Werkstätten/Autohäusern gegeben, die sich als autorisierte Servicebetriebe zertifizieren lassen wollten. Etwa 70 neue Servicepartner würden zum jetzigen Zeitpunkt überprüft. Geißler verleugnet nicht, dass bei der Erstauditierung ein gewisser Aufwand betrieben werden müsse, wies aber den Vorwurf zurück, dass die Haupt-und Nach-Auditierungen für die Händler und Servicesatelliten in einen nicht mehr zu kalkulierenden bürokratischen Aufwand ausufern könnten.
Eine "Servolution" steht den Handeslpartnern nach BMW-Lesart im Werkstatt-Bereich bevor. Alle Arbeiten, die in der Werkstatt anfallen, würden in Zukunft noch stärker vernetzt. "Alles, was in der Werkstatt passiert, wird verkabelt", so drückt Geißler die Herausforderung für die Partner aus. Das erfordert natürlich auch nicht unerhebliche Investitionen für Handel und Werkstätten. Für Hard- und Software, Installation der neuen Systeme sowie technische Schulungen muss mit Beträgen von über 25.000 Euro gerechnet werden. In Vorbereitung ist bei BMW außerdem die Implementierung des neuen, leistungsfähigen Dealer Management Systems namens "Carnet Navision incadea.engine".
Einen ausführlichen Bericht über die weiß-blauen Aftersales-Aktivitäten lesen Sie im "kfz-betrieb" Nr. 10 2004.