Ein schwedisches Wahrzeichen mit Ecken und Kanten wird 50 – nein, es geht einmal nicht um Knäckebrot oder Billy-Regale. Obwohl: Auch Ikea-Gründer und Milliardär Ingvar Kamprad fuhr den Volvo 240, das meistgebaute Volksauto Made in Göteborg.
Schwedische Sicherheitsikone: Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) wählte im Jahr 1976 den Volvo 240 als Referenzfahrzeug für die Festlegung künftiger Sicherheitsnormen für Import-Personenwagen aus.
(Bild: Volvo)
Dieser Hype überforderte das bodenständig-bescheidene Land der roten Bullerbü-Holzhäuschen und „Sicherheit-aus-Schwedenstahl“-Volvo: Vor 50 Jahren gewann die bis dahin unbekannte schwedische Band Abba den Eurovision Song Contest, der Schwede Björn Borg triumphierte als jüngster Tennisspieler bei den French Open, Ikea revolutionierte den Möbelmarkt in Deutschland, und Volvo präsentierte die Baureihe 240 mit gigantisch wirkenden Safety-Car-Stoßfängern, aber sonst bewährt-braver Technik als neues skandinavisches Volksauto. Tatsächlich war der Volvo 240 ein Auto, in das sich auch Mr. Ikea, der Milliardär Ingvar Kamprad, sofort verliebte, denn wie die meisten Schweden mochte er keinen Pomp und Protz.
Im Land des sozialen Volksheims sollen alle gleich sein, so will es das gesellschaftlich verankerte Gesetz „Jantelagen“: Frage nie einen Schweden, ob er der Beste ist in seinem Fach. Er würde allenfalls sagen, dass er Erfahrung habe. Pop-Superstars wie Abba bekamen das zu spüren: Sie wurden im Ausland mehr gefeiert als in der Heimat.
Volvo hatte mehr Glück. Vielleicht lag es daran, dass die kantigen Kombis und Limousinen der 240-Serie nur ein Facelift der acht Jahre alten 140er-Modelle waren. Jedenfalls verziehen die Schweden dem 240 alle Rekorde, mit denen er renommierte: sicherstes Auto der Welt, Katalysator-Pionier, Kilometer-Millionär, Turborenner – und mit 2,9 Millionen Einheiten (inklusive 260-Sechszylinder) meistverkaufter Volvo. Legenden dürfen offenbar alles, sogar in Schweden.
Weltweit erster Diesel-Pkw mit einem Sechszylinder
Vor allem, wenn eine ganze Generation mit diesem rund 20 Jahre lang gebauten, großen Mittelklassefahrzeug aufwuchs und lebte, denn der Volvo 240 begleitete die Schweden „från vaggan till graven“ („von der Wiege bis zur Bahre“), wie sie es nannten. Tatsächlich gab es die nordische Alternative zum Mercedes E-Klasse-Vorläufer W123/W124 und zum BMW 5er (E12/E28/E34), Citroën CX/XM oder Peugeot 604/605. Wer hier stutzt: Der scheinbar alterslose Volvo 240 überlebte sogar seinen Nachfolger 740 – in ungewöhnlich vielen Karosserievarianten. Da war zunächst einmal die klassische, viertürige Limousine 244 im 4,90-Meter-Format (fast so lang wie die S-Klasse W116), dann der als Sparversion beliebte Volvo Zweitürer 242, der aber auch in Racing-Livery reüssierte. Hinzu kam der fünftürige Kultkombi 245 mit einem gut geschnittenen, aber entgegen manchen Mythen nicht gigantisch großem Ladeabteil. Der Ford Granada Turnier etwa oder der Citroën CX Break boten mehr Stauvolumen.
Trotzdem blieb der Volvo 245 Referenz, wenn es ums Einstecken von Belastungen ging. Kein Kombi der rost- und pannengeplagten 1970er-Auto-Generation wurde häufiger Kilometer-Millionär. Dass sogar über 2,6 Millionen Kilometer mit einem strapazierten Volvo-Firmen-Kombi kein Problem waren, zeigte der Finne S.E. Mäkinen mit seinem 245 GL von 1979. Unter der Haube mit einem Vierzylinder-Benziner (60 kW/82 PS bis 114 kW/155 PS) und nicht mit dem 1979 lancierten weltweit ersten Diesel-Sechszylinder in einem Pkw, denn dieser von Volkswagen entwickelte Selbstzünder war im 244 GLD6 meist kein Marathonläufer.
Auch Curt Cobain, Ozzie Osbourne und David Bowie hatten einen
Zurück zu „von der Wiege bis…“: Für Notärzte und die medizinische Versorgung, im Schulbus-Einsatz oder im Shuttle-Dienst mit XXL-Radstand (245 Transfer), als populäres Taxi, rasanter Turbo-Pionier, Postauto sowie Polizei- und Feuerwehr-Fahrzeug, als Kommunalfahrzeug, Repräsentationslimousine für Politiker und internationale Rockstars wie Kurt Cobain oder Ozzie Osbourne und David Bowie, aber auch als Bestattungsfahrzeug – immer gab es einen passenden Volvo aus der 240er-Serie. Fürs angesagte „Lundby“-Puppenhaus und die Kinderzimmer-Garage stand eine breite Palette an Spielzeug- und Modellautos bereit. Und wenn die nordische Landjugend 15 Jahre alt wurde, mussten sich 240 Kombis (ab Modelljahr 1982 entfiel die Differenzierung in 242, 244 und 245) den Umbau zum zweisitzigen, auf 30 km/h abgeregelten und jugendfreien „EPA-Traktor“ gefallen lassen. Vom Fließbandarbeiter bis zum Möbel-Milliardär Ingvar Kamprad: Der Volvo 240 war essenzieller Bestandteil des skandinavischen Lebens – etwas, was VW Käfer oder Golf hierzulande so nicht schafften.
Aber auch in anderen Teilen der Welt feierten sie diesen oft poppig-bunt lackierten Wikinger. Die beiden kanadischen Studenten Garry Sowerby und Ken Langley umrundeten sogar im Jahr 1980 den Globus im Rekordtempo: 43.030 Kilometer in nur 74 Tagen – das unterbot die bisherige Bestleistung um ein Drittel. In Großbritannien hob ein 240 Kombi für ein TV-Format von einer Schanze ab, um über fünf Wohnwagen zu springen. Ein Manöver, das nach 2,5 Caravans krachend scheiterte, das die Stuntmen aber riskiert hatten, weil sie auf das Sicherheitskonzept des 240 vertrauten. Denn dieser Volvo hatte es schon bei seiner Vorstellung zum Inbegriff des sicheren Autos gebracht, schließlich adaptierte er viele Features des 1972 vorgestellten Safety-Concepts VESC. Damit setzte Volvo damals einzigartige Standards beim Insassenschutz, wie die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA bestätigte, die den Typ 240 im Jahr 1976 zur Referenzbaureihe ihrer Sicherheitsforschung ernannte. Über seine ganze, fast 20-jährige Bauzeit blieb der Volvo 240 US- und globale Benchmark beim Insassenschutz – Vergleichbares hat es nie zuvor und danach gegeben.
Stand: 08.12.2025
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Auch frühe Umweltschützer fuhren gerne einen nachhaltig langlebigen Volvo 240: Als erster Europäer wartete er 1975 in den USA mit einem geregelten Dreiwegekatalysator mit Lambdasonde auf, eine Vorreiterrolle, die er später auf Europa übertrug. Andererseits konnte der Volvo 240 ab 1979 auch rasen: Der damalige Volvo-Chef Pehr Gyllenhammar gab die Serienfertigung des 240 Turbo frei – als Antwort auf die schnellen Saab 99 Turbo. Und so sorgte der 113 kW/154 PS leistende 240 Turbo für Furore als weltweit spurtstärkster Serienkombi: In nur 8,9 Sekunden erreichte er die 100-km/h-Marke. Auf Rennstrecken gewannen zweitürige Turbo-Volvo 1985 sogar die ETC-Tourenwagen-Europameisterschaft. Derart dynamisiert überlebte der zeitweise in fünf Werken und vier Ländern parallel gebaute, liebevoll „Ziegelstein“ genannte Klassiker sogar den 1982 aufgelegten Volvo 740, der eigentlich seine Nachfolge antreten sollte. Das Ende seiner Reise erreichte der 240 erst am 5. Mai 1993 mit dem Stopp des finalen Fließbandes. Unvergessen ist Nummer 240 bis heute – das zeigt der Volvo als Kunstobjekt und mit über 3.000 Auftritten in Filmen.
Was die Oldtimer-Community am Volvo 240 schätzt, erklärt Nicolas Ziegler von der Bewertungsorganisation Classic Analytics: „Der Volvo 240 ist die automobile Antwort auf das Schweizer Offiziersmesser: solide, praktisch und bei minimaler Pflege fast unverwüstlich. Auch im Gebrauchtwagenhandel nahm er schon früh eine Sonderrolle ein und ließ sich problemlos mit astronomisch hohen Laufleistungen verkaufen. Obwohl auch die Limousine großen Zuspruch fand, kann man sich ihn eigentlich nur als Kombi vorstellen. In dieser Karosserievariante kostet ein 240er aus den frühen 80er Jahren im guten Zustand rund 12.000 Euro.“