Zum 1. April als Audi-Chef geholt, ist Markus Duesmann im gesamten Volkswagen-Konzern schnell zum zweitmächtigsten Manager hinter Konzernchef Herbert Diess aufgestiegen. Nun hat der 51-Jährige Einblicke in seine Pläne gewährt.
Markus Duesmann ist seit dem 1. April Vorstandsvorsitzender der Audi AG.
(Bild: Audi)
Seit dem 1. April ist Markus Duesmann Chef bei Audi. Seitdem hat der ehemalige BMW-Vorstand im Volkswagen-Konzern einige weitere Ämter geerbt. Er leitet sowohl die Entwicklung des gesamten Konzerns als auch bei Audi und ist darüber hinaus für das Thema Software beim gesamten Autobauer zuständig. Nicht wenige sehen in Duesmann einen legitimen Nachfolge-Kandidaten für Konzernchef Herbert Diess, der seinen früheren BMW-Weggefährten erst nach Wolfsburg lotste.
Rund 100 Tage ist Duesmann nun bei Audi im Amt. Dem „Handelsblatt“ gab der Topmanager jetzt ein Interview, in dem er sich zu seinen Ambitionen äußerte. Zusätzlich zu den vielen Baustellen beim Ingolstädter Autobauer erschwerte ihm die Corona-Krise den Start. Duesmann sagt dazu: „Es geht langsam aufwärts, aber nicht als scharfes „V“, wie man sich das nach einer Krise wünscht. Wir erwarten durchaus längerfristige Auswirkungen der Coronakrise.“ Mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau rechnet er nicht vor 2022 oder 2023.
„Denke nicht, dass wir etwas verschlafen haben“
Die Krise hält Duesmann aber nicht davon ab, Audi schneller umzubauen als das unter seinen Vorgängern der Fall war. Ziel sei es, „die modernsten und besten Premiumfahrzeuge der Welt bauen, mit einem Kosmos, in dem sich der Kunde mit Audi verbunden fühlt.“ Dabei liegt der 51-Jährige mit Konzernboss Diess auf einer Linie: Die Zukunft sehen beide in der Elektromobilität. Den Vorwurf, dass Volkswagen den Trend dazu verschlafen habe, will Duesmann so nicht stehen lassen. „Ich denke nicht, dass wir etwas verschlafen haben. Es tut schon weh, das immer wieder zu hören. Doch es gab lange keine Käuferschicht und keine Ladeinfrastruktur. Jetzt kommt das Thema in Gang. Durch die Förderung ist E-Mobilität zusätzlich für viele Kunden interessant geworden.“
Audi sieht er dabei auf dem richtigen Weg, auch wenn der Hersteller bislang kein reines Elektroauto hat, das von der erhöhten staatlichen Förderung vollumfänglich profitieren kann. Dafür ist der E-Tron, Audis bislang einziger Stromer, zu teuer. Für Duesmann ist das aber kein Problem: „Der E-Tron verkauft sich auch so sehr gut“, sagt er. Im ersten Halbjahr habe man 17.000 Einheiten des Fahrzeugs verkauft, im Gesamtjahr 2020 will Audi die Marke von 40.000 knacken.
Handel kritisiert bisherige Elektrostrategie
Probleme wie Lieferengpässe aufgrund fehlender Batterien habe man inzwischen gelöst. „Wir hatten für zwei Batteriegrößen zwei Lieferanten – das hat sich so nicht bewährt. Wir haben gelernt: Die Kunden wollten ohnehin vor allem die größeren Batterien. Seit Anfang Mai fahren wir bereits wieder zwei Schichten in Brüssel“, so Duesmann. Im Handel gibt es dennoch Ärger rund um das Auto. Ein Audi-Partner erklärte im Gespräch mit »kfz-betrieb«, dass der E-Tron mit der geringeren Batteriekapazität,wie auch von Duesmann erwähnt, kaum gefragt, der deutlich beliebtere mit größerer Reichweite aber dennoch kaum verfügbar sei. Anders als der Chef des Autobauers sieht der Händler zudem durchaus ein Problem darin, dass Audi kein förderfähiges E-Auto im A- oder B-Segment bereitstellen kann.
Wie auch Diess, der das kürzlich anlässlich des Verkaufsstarts des VW ID 3 getan hatte, rief Duesmann zur Aufholjagd zu Tesla auf. Dabei hatte der Manager ein Lob für Elon Musk und Co. übrig: „Ich bin dankbar, dass es Tesla gibt. Ich bin ein Fan von Elektromobilität, und Tesla hat diese etabliert.“ Ihn beeindrucke die Konsequenz, mit der das Unternehmen arbeite, so Duesmann.
In Sachen E-Antrieb sieht Duesmann keinen allzu großen Rückstand auf Tesla. Die Batteriechemie verstehe man bei Audi auch. Die Kalifornier seien der deutschen Autoindustrie allerdings vor allem bei der Softwarekompetenz voraus. „Beim Thema Rechner und Software-Architektur hat Tesla sicher zwei Jahre Vorsprung, beim automatisierten Fahren auch.“ Volkswagen stehe bei der Digitalisierung dagegen „in der zweiten Reihe. Wir kommen aus einem evolutionären Ansatz, wo wir aus einem Steuergerät zehn gemacht haben und am Ende hundert“, so Duesmann. Anders Tesla: „Die sehen in dem Auto ein Device, auf dem eine Software läuft. Das ist in der Autowelt eine Revolution.“
„Kultureller Wandel“ fordert prominente Opfer
Dies nun auch bei Audi hinzubekommen, ist eine der Kernaufgaben Duesmanns. Dazu hat er erst kürzlich das Projekt „Artemis“ ins Leben gerufen. Jene Einheit soll Entwicklungen innerhalb des Volkswagen-Konzerns beschleunigen. „Es wird ein Kompetenzzentrum, wie wir es noch nicht hatten“, verspricht Duesmann. Ein Teilziel ist beispielsweise ein „hocheffizientes Elektroauto“, das 2024 auf die Straße kommen soll.
Damit „Artemis“ ein Erfolg werden kann, sei allerdings auch ein „kultureller Wandel“ notwendig, wie auch Herbert Diess am Donnerstag beim Karrierenetzwerk Linkedin noch einmal unterstrich. Einigen bisherigen Führungskräften traut die Konzernspitze offenbar nicht zu, jene Transformation mit gestalten zu können. Nach Traton-Chef Andreas Renschler, MAN-Chef Joachim Drees, Volkswagen Nutzfahrzeuge-Chef Thomas Sedran, Skoda-Chef Bernhard Maier und VW-Digitalvorstand Christian Senger steht nun allem Anschein nach auch VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann vor dem Aus. Darauf angesprochen sagte Markus Duesmann: „Natürlich gehen da geschätzte Kollegen, es ruckelt kurz, aber es geht weiter. Ich bin ja auch neu im Konzern und lerne die Spielregeln gerade kennen. Aber in jedem Neustart steckt auch immer eine Chance. Meist für beide Seiten.“
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.