»kfz-betrieb«-Autocheck Jeep Avenger Solider Alltagsheld

Von Christian Otto 3 min Lesedauer

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Der Name „Avenger“ weckt unweigerlich Assoziationen mit den Comic-Superhelden, die auf der Leinwand das Böse bekämpfen. Im Check haben wir geprüft, wie heldenhaft sich das derzeit kleinste Jeep-Modell schlägt.

Ein Punkt, in dem der Jeep Avenger wirklich glänzt, ist sein Außendesign. Mit der Lackierung in „Stone Grey“, den sportlichen Felgen und einer klaren Linienführung ist er ein Hingucker. (Bild:  Kuhn - VCG)
Ein Punkt, in dem der Jeep Avenger wirklich glänzt, ist sein Außendesign. Mit der Lackierung in „Stone Grey“, den sportlichen Felgen und einer klaren Linienführung ist er ein Hingucker.
(Bild: Kuhn - VCG)

Der erste subjektive Eindruck war durchaus positiv: Ein Jeep, der sich optisch sehen lassen kann und der nicht sofort polarisiert, wie es seine Brüder Renegade und die Ikone Wrangler mit ihren auffälligen Designs zuweilen tun.

Aber es zählen immer auch die inneren Werte. Und mit einer Systemleistung von 74 kW/100 PS und einem Drehmoment von 205 Nm hat der Avenger genug Kraft, um den Alltag zu meistern. Die Kombination aus einem 1,2-Liter-Benzinmotor und einem Hybrid-System bietet insbesondere in der Stadt ein ausgewogenes Fahrgefühl. Dort und auf Überlandstrecken spielt der Avenger seine Stärken aus. Das Fahrverhalten ist angenehm und die Lenkung präzise.

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Auf der Autobahn allerdings zeigt sich schnell, dass hier keine Superkräfte verborgen sind: Beschleunigung und Durchzug erfordern Geduld. Die Höchstgeschwindigkeit von 184 km/h und der Sprint von 0 auf 100 km/h in 10,9 Sekunden machen klar, dass der Fokus des Avengers eher auf Effizienz als auf Dynamik liegt. Mit einem vom Hersteller angegebenen kombinierten WLTP-Verbrauch von 4,9 bis 5,0 Litern soll der Avenger vor allem ein sparsamer und wirtschaftlicher Begleiter sein. Wir erreichten im Realbetrieb einen durchschnittlichen Verbrauch von 5,7 Litern.

Besonders bei Überholmanövern oder höheren Geschwindigkeiten fehlte nicht nur das nötige Leistungsplus; der Motor meldete sich auch lautstark unter Last. Der Geräuschpegel irritierte allerdings auch beim Anlassen. Womöglich aufgrund der morgendlichen Kälte erinnerte der Sound beim Teststart eine wenig an ein Dieselaggregat.

Verarbeitung mit Licht und Schatten

Die Ledersitze mit grauer Kontrastnaht sind ein echtes Highlight und bieten hohen Komfort, auch auf längeren Fahrten. Doch der Rest des Innenraums bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Materialwahl – insbesondere bei den Türverkleidungen und dem Armaturenbrett – wirkt haptisch wenig hochwertig, auch wenn das optisch auf den ersten Blick anspricht.

Ein echter Kritikpunkt ist die Positionierung der Automatikknöpfe in der Mittelkonsole. Denn wenn eine dort positionierte Klappe, die den Handy-Ladebereich abdeckt, geöffnet ist, werden die Schaltknöpfe blockiert. Diese Konstruktion mag futuristisch wirken, erweist sich im Alltag jedoch als äußerst unpraktisch – ein Anti-Held im ergonomischen Sinn.

Ein Punkt, in dem der Jeep Avenger wirklich glänzt, ist sein Außendesign. Mit der Lackierung in „Stone Grey“, den sportlichen Felgen und einer klaren Linienführung ist er ein Hingucker. Sein Auftritt erinnert ein wenig an den Range Rover Evoque, was ihn besonders für designorientierte Käufer attraktiv machen könnte.

Infotainment: Fortschritt mit Hindernissen

Die Technologie des Avengers ist ein zweischneidiges Schwert: Das Multimediasystem bietet moderne Funktionen, leidet jedoch unter einer komplizierten Bedienung. Die Menüführung erfordert Eingewöhnung, und ohne den Home-Button kann das Navigieren durch die Zwischenmenüs schnell frustrierend werden.

Dafür überzeugt das JBL-Soundsystem mit exzellentem Klang. Vor allem Live-Aufnahmen entfalten eine beeindruckende Dynamik – hier zeigt der Avenger, dass er zumindest akustisch heldenhaft auftreten kann. Allerdings trüben Details wie der überlaute Warnton der automatischen Heckklappe und der eigenwillige Trommel-Sound der Blinker den akustischen Gesamteindruck.

Funktionalität: Für kleine Missionen ausreichend

Mit seinem kompakten Format bietet der Avenger innen solide Platzverhältnisse. Fahrer und Passagiere genießen ausreichend Bewegungsfreiheit, und auch der Kofferraum ist für den Alltag gut nutzbar. Für eine Kleinfamilie reicht der Platz aus, doch wer regelmäßig größere Transporte plant, sollte sich besser bei Kombis oder größeren SUVs umsehen. Die elektrische Heckklappe erleichtert das Beladen, auch wenn der angeführte Lkw-ähnliche Warnton dabei irritiert.

Mit einem Einstiegspreis von 31.800 Euro und einem Testwagenpreis von 36.530 Euro liegt der Avenger im gehobenen Segment der Kompakt-SUVs. Design und Stil sind hier klare Kaufargumente, während Funktionalität und technische Details eher pragmatische Käufer fordern.

Der Jeep Avenger ist kein Superheld, aber er hat das Zeug zu einem verlässlichen Alltagsbegleiter – vor allem bei Lifestyle-orientierten Kunden. Doch Materialqualität und Motorisierung zeigen Schwächen, die in diesem umkämpften Wettbewerbsumfeld verbessert werden sollten.

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