Die siebte Jahresveranstaltung Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg (SDABW) tagte in Berlin. Unter den Teilnehmern waren Spitzenvertreter der Bundesregierung, der Automobilbranche sowie des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg.
Michael Ziegler in der Runde mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, E-mobil BW-Chef Franz Loogen, Bundesminister Robert Habeck, MP Winfried Kretschmann, Staatsminister Florian Stegmann und Verkehrsminister Winfried Hermann (v. l.)
(Bild: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg)
Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, forderte bei der siebten Jahresveranstaltung Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg (SDABW) von Bundeswirtschaftsminister Habeck positive Signale an die Branche. Im Rahmen des sogenannten „Top-Level-Meetings“ in Berlin, zu dem Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann eingeladen hatte, stellte das Land außerdem ein an die Bundesregierung adressiertes Impulspapier vor.
„Wir erleben momentan eine Zeit der Polykrisen – den Krieg in der Ukraine, globale Konflikte und ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Und nun schwebt auch noch das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts wie ein Damokles-Schwert über der Transformation unserer Automobilwirtschaft. Diese große Herausforderung wird nur gelingen, wenn Wirtschaft und Politik auf eine gemeinsame Zukunfts- und Transformationsagenda setzen“, so Kretschmann.
In dem Impulspapier appelliert das Land daher an den Bund, „die notwendigen Weichenstellungen für eine erfolgreiche Transformation vorzunehmen“. Die Unternehmen bräuchten ein schnelles Signal und Planungssicherheit von der Bundesregierung. Und: „Der Bund muss an den Investitionen in Zukunftstechnologien festhalten, die Projekte des Klima- und Transformationsfonds müssen kommen. Denn unser Standort steht in einem harten Wettbewerb mit China und den USA. Beide investieren gerade massiv und sichern sich dadurch Standortentscheidungen“, so Kretschmann.
Habeck sagte Unterstützung der Autobranche zu
Um das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder zu stärken, müsse die Bundesregierung Anreize für Investitionen schaffen. Dazu gehörten bezahlbare Energiepreise, Bürokratieabbau und bestmögliche Rahmenbedingungen für Forschung und Innovationen.
Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck erklärte, dass die Automobilwirtschaft ein wichtiger industrieller Pfeiler des Landes sei. Das soll so bleiben, deshalb wolle der Bund Unternehmen und Beschäftigte bei der notwendigen Transformation unterstützen. „Aktuell arbeiten wir bei der Aufstellung des Haushalts intensiv an Lösungen für die Förderung von Zukunftsinvestitionen. Und es braucht auch bei der Wirtschaft Anstrengungen, damit wettbewerbsfähige und bezahlbare Elektrofahrzeuge am Standort Deutschland hergestellt werden und Produktion und Beschäftigung gesichert werden“, so Habeck.
Nahmen am Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg in Berlin teil: Präsident Michael Ziegler, Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft und Arbeit aus Baden-Württemberg, und Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg (v. l.).
(Bild: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg)
Unter den Gästen waren neben Landesministern und Staatssekretären auch Führungskräfte von ZF, Mahle, Bosch und Porsche sowie Wissenschaftler und Vertreter von Energieversorgern. Außerdem auch Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg.
In seiner Ansprache wies Ziegler auf die aktuell besorgniserregende Situation des Kfz-Gewerbes, insbesondere bei den mittelständischen Betrieben, hin: „Wir sehen seit über einem Jahr eine massive Kaufzurückhaltung vor allem der privaten Kunden und zunehmend auch der gewerblichen Käufer.“ Krieg, hohe Inflation und Energiekosten sowie die dadurch entstehende Verunsicherung und auch der „viel zu hohe Preis von E-Fahrzeugen“ hielten die Kunden vom Kauf ab.
Es fehlen günstige Modelle
Teure E-Autos, der wegfallende Umweltbonus und die Konkurrenz aus China setzten die Branche massiv unter Druck. „Diesen Druck geben die Hersteller an das Gewerbe weiter und bauen ihre Position in der Wertschöpfung zu Lasten von Handel und Zulieferern aus. In diesem Zusammenhang appelliere ich an die OEMs, bei der Umstellung ihrer Vertriebssysteme die Leistungsfähigkeit des Handels und dessen persönlichen Kontakt zum Kunden mehr und besser zu nutzen und zu vergüten. Nutzen würde das beispielsweise für mehr Markenloyalität und bei der Durchsetzung besserer Preise im Markt“, so Ziegler.
Mit großer Sorge schaue das Kfz-Gewerbe auf die Überlegungen von Teilen der Politik, die Dienstwagensteuer für Verbrenner zu erhöhen. Ziegler: „Damit würgt man den Markt vollends ab und es ist letztlich auch eine soziale Frage. Man hat nicht nur bei dieser Thematik den Eindruck, dass Teile der Politik und Gesellschaft einen regelrechten Kampf gegen das Auto und die individuelle Mobilität als solche führen.“ Die Branche benötige für den Übergangszeitraum – bis günstigere E-Autos zur Verfügung stehen – „eine verlässliche Förderung von E-Fahrzeugen und den schnellen Aufbau der Ladeinfrastruktur“.
Stand: 08.12.2025
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Nur so könne die E-Mobilität angekurbelt werden. Und „aus unserer Sicht muss das Auto immer ein Teil der Lösung aller Überlegungen zum Klimaschutz sein, weil die Menschen auf individuelle Mobilität angewiesen sind und diese in der ganz überwiegenden Mehrheit auch wollen. Dabei braucht es mehr Pragmatismus in der Bewertung der Situation“, sagte der Präsident.