Auch Wasserstoff aus erneuerbaren Energien sei „sehr ineffizient“, da die Herstellung viel Strom verbrauche. Für die gleiche gefahrene Strecke brauche man regenerativ erzeugt „dreimal so viele Windmühlen“ ließ er sich vom Wirtschafts-Fachblatt zitieren. Die Folge: „Wenn 100 Kilometer mit dem Elektroauto zehn Euro kosten, kosten sie mit Wasserstoff 30 Euro.“
Bei seinem Kollegen Ferry M. M. Franz, dem Direktor von Toyota Motor Europe in Berlin, sorgt dieses Argument für Stirnrunzeln. Bei einem Vortrag vor Journalisten in Frankfurt stellte er kürzlich fest, dass bereits 2017 bei zeitweise wegen zu hoher Stromproduktion und geringem Bedarf abgestellten Windkraftanlagen 5,5 Terrawattstunden saubere Energie verloren gegangen seien: „Mit dem damit möglicherweise produzierten Wasserstoff hätte man 1.040.000 Mirai mit einer durchschnittlichen Fahrleistung von 13.300 Kilometer ein Jahr versorgen können.“ Die hätten damit zusammen fast 14 Milliarden Kilometer zurücklegen können.
Wasserstoff speichert überschüssigen Ökostrom
Wie Wasserstoff aus erneuerbaren Energien erzeugt werden kann, hatte Toyota Deutschland 20 Journalisten, die mit zehn Mirai auf Wasserstoff-Erprobungstour im Rhein-Main-Gebiet unterwegs waren, im Energiepark Mainz gezeigt. Seit 2015 hilft hier Strom aus Windkraftanlagen dabei, in dieser Forschungsanlage im weltgrößten Elektrolyse-System Wasserstoff herzustellen. Anschließend ging es mit den Mirai zur Pressekonferenz nach Frankfurt.
Dieser seit 2015 produzierte Wagen war der erste Serien-Brennstoffzellen-Pkw der Welt. Das Recht der Erstgeburt reklamiert zwar auch der südkoreanische Konkurrent Hyundai für sich. Doch war dessen ab 2013 hergestellter Hyundai ix35 FCEV ein zuvor traditionell angetriebener Kompakt-SUV, dem eine Brennstoffzelle mit Elektromotor eingepflanzt wurde. Der Mirai hingegen wurde von Anfang an ausschließlich für diese Art Antrieb konzipiert. Das Auto sorgt exakt für mindestens ebenso viel Fahrfreude wie ein batteriebetriebenes Elektroauto mit seiner außergewöhnlichen Beschleunigung und schont die Ohren, weil nur Wind- und Reifengeräusche ins Innere dringen.
Toyota fährt die Mirai-Produktion stark hoch
Doch zwei entscheidende Vorteile machen den Unterschied zu einem Wagen, der eine zentnerschwere Batterie mit sich herumschleppen muss: Seine Reichweite unterscheidet sich nicht von einem mit Benzin oder Diesel fahrenden Auto und das Tanken von Wasserstoff passiert etwa so schnell wie das von fossilem Treibstoff. Seit der Eröffnung der Mirai-Fertigungslinie ist die Produktion der Limousine sukzessive hochgefahren worden. Im ersten Jahr wurden rund 700 Einheiten gefertigt, 2016 waren es bereits 2.000 Fahrzeuge und seit 2017 rund 3.000 Exemplare jährlich. Verkauft wird der Mirai in Japan, den USA und in mehreren europäischen Ländern, darunter auch Deutschland.
Nachdem inzwischen der 10.000ste Mirai vom Band gelaufen ist, startet nun ein neuer Abschnitt für den Brennstoffzellenantrieb: Ab dem Beginn des neuen Jahrzehnts will Toyota jährlich bis zu 30.000 Fahrzeuge mit Brennstoffzellentechnik verkaufen – neben dem Mirai auch weitere neue Produkte. Darüber hinaus gilt der Mirai, wenn er auch derzeit für Toyota noch als Zuschussgeschäft mit hohen Verlusten pro verkauftem Exemplar in den Büchern steht, als Ausgangspunkt für eine stetige Weiterverbreitung für die Brennstoffzellen-Idee. Sechs Jahre wird der Konzern nach eigener Einschätzung noch benötigen, bis er mit der Brennstoffzelle Gewinne erzielt. Doch schon jetzt stellte das Unternehmen einen stationären Generator vor, der mit Wasserstoff betrieben wird und Komponenten des Brennstoffzellensystems aus dem Toyota Mirai nutzt. Ziel ist es, weitere Anwendungsmöglichkeiten für Wasserstoff zu finden und die CO2-Emissionen in der Fahrzeugproduktion weiter zu senken.
In 30 Jahren will Toyota völlig klimaneutral auftreten – mit Produkten ebenso wie mit der Produktion. Ob das gelingt, werden freilich erst unsere Kinder oder Enkel in Erfahrung bringen können. Aber bekanntlich ist ja bei Toyota nichts unmöglich.
(ID:46190841)