Tyre 24 startet Ersatzteilverkauf

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GVA-Präsident Hartmut Röhl: „Der niedrigste Preis ist nicht alles“

Tyre 24 ist zwar nicht das einzige Reifenportal, das sein Geschäftsprinzip auf den Teilehandel ausweitet – aber sicher das mit der größten Marktbedeutung. Entsprechend könnte der Schritt Folgen für die gesamte Branche haben.

Zwar bringt das Portal vor allem für kleine und mittlere Anbieter die Möglichkeit, neue Abnehmer zu erreichen. Gleichzeitig steigt die Gefahr, dass die Beziehungen zu den Kunden flüchtiger werden, Schnäppchenjägertum einzieht und die Preise durch eine größere Transparenz insgesamt sinken – so wie es in der Reifenbranche zu beobachten ist.

Für »kfz-betrieb« erklärt GVA-Präsident Hartmut Röhl die Haltung seines Verbandes zum Thema Teilevermarktung über B2B-Internetbörsen:

„Ein Großhändler ist grundsätzlich immer daran interessiert, den Kreis seiner potenziellen Kunden zu erweitern. Gerade für kleine und mittelgroße Händler, die eher regional verankert sind, mag eine solche Online-Vertriebsschiene über ein Portal zusätzliches, da bundesweites Absatzpotenzial bieten, obwohl gerade für diese Händler bundesweite Verkäufe eher nicht das Ziel sind. In der Regel dürfte aber die Onlinekommunikation der Werkstatt mit ihrem Großhandelspartner die bessere Lösung sein: das vollständige Produktprogramm zu seinen individuellen, leistungsgerechten Preisen.

„Die Werkstatt benötigt ein umfassendes Leistungsportfolio“

Der niedrigste Einkaufspreis ist bei weitem nicht der einzige bzw. übergeordnete Faktor für den Erfolg eines Servicebetriebs. Die Werkstatt von heute benötigt vielmehr ein umfassendes Leistungsportfolio. Dazu zählen wir als freier Kfz-Teilegroßhandel vor allem die zuverlässige Lieferlogistik, Schulungen, werkstattbezogene EDV, Hotlines, Marketingunterstützung, Reklamationsabwicklung und Finanzierungsleistungen für die Servicebetriebe. Darüber hinaus wünschen die Servicebetriebe in der Regel ein umfassendes, markenübergreifendes Ersatzteilangebot aus einer Hand - das entfällt natürlich ebenfalls, wenn man sich via Portal bei hunderten verschiedenen Teilehändlern mit einzelnen Produkten bedient und dann schließlich bei keinem Händler ein wichtiger Kunde ist.

Ich denke auch nicht, dass eine Werkstatt, wenn es doch einmal Probleme mit einem Teil gibt, die Zeit aufbringen möchte, in ihrem Einkaufsportfolio aus dutzenden verschiedenen Lieferanten den einen zu suchen, der ihr das fragliche Teil geliefert hat. Hier ist stattdessen schneller Ersatz gefragt, damit das Fahrzeug des Kunden wieder auf die Straße kommt. Bei solchen Reklamationsfällen oder auch bei Rückfragen besteht Bedarf an einem festen Ansprechpartner beim Teilehändler des Vertrauens, der umgehend hilft.

„Gewachsene Kundenbeziehungen sind besser als Schnäppchenjagd“

Letztlich lässt sich auch das etwas plakative Argument des Tiefstpreises relativieren: So ist das Verhältnis zwischen der Werkstatt und ihrem bzw. ihren ‚Stammlieferanten‘ oftmals über Jahre gewachsen und gute Kunden erhalten bei ihrem Teilehändler attraktivere individuelle Konditionen als ‚Schnäppchenjäger‘ aus dem Internet. Portalpreise muss dagegen jeder Betrieb gleichermaßen zahlen, ganz egal, ob er seinen Jahresteilebedarf bei einem bestimmten Händler deckt oder dort nur einmal eine Schraube kauft. Insgesamt bin ich daher der Auffassung, dass Servicebetriebe auch weiterhin den Großteil ihres Teilebedarfs bei ‚ihrem‘ Teilehändler decken werden und Mittlerportale nur ergänzend nutzen.“

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