Nachhaltigkeit Umweltzertifikat für die gesamte Branche?

Von Konrad Wenz 4 min Lesedauer

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Bereits Anfang Februar trafen sich auf Initiative der BASF Coatings Interessenvertreter der K&L-Branche beim TÜV Rheinland in Köln. Das Thema: Entwicklung eines branchenweiten Nachhaltigkeitsstandards.

Insgesamt 42 Branchenvertreter trafen sich im Februar beim TÜV Rheinland um über Nachhaltigkeitsstandards in K&L-Betrieben zu diskutieren.(Bild:  BASF)
Insgesamt 42 Branchenvertreter trafen sich im Februar beim TÜV Rheinland um über Nachhaltigkeitsstandards in K&L-Betrieben zu diskutieren.
(Bild: BASF)

Das Thema Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde, es wird in den Medien hoch und runter diskutiert, und bei Unternehmen ist es mittlerweile fester Bestandteil im Marketing. Das gilt auch für die K&L-Branche. Jeder will hier ganz vorne mit dabei sein.

Die Frage ist, was letztlich wirklich Sinn ergibt. Der Präsident des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF), Peter Börner, warnt schon seit Jahren davor, dass man die K&L-Branche mit vielen, voneinander vollkommen unabhängigen Umweltzertifikaten konfrontiert. Neben den Betrieben würden hierdurch auch die Verbraucher verunsichert und angesichts verschiedener Umweltsiegel eventuell überfordert. Deshalb hatten sich die Spitzenverbände des Kfz-Gewerbes unter Federführung der Interessengemeinschaft für Fahrzeugtechnik und Lackierung (IFL) dazu entschlossen, Standards zur Nachhaltigkeit im Kfz-Handwerk auszuarbeiten (»Fahrzeug+Karosserie« berichtete).

Die Initiative will eine Vorbildfunktion für das gesamte deutsche Handwerk einnehmen. Auch soll sich das Nachhaltigkeitszertifikat nicht nur an Werkstätten richten, sondern zudem den Herstellern und dem Handel offenstehen. Und für alle Kundengruppen wird es transparenter: Endverbraucher, Versicherungen, Flotten und Leasinggesellschaften. „Wir sind sehr zufrieden, dass wir gemeinsam ein so wichtiges Thema vorantreiben. Mit dem Nachhaltigkeitssiegel werden wir eine einheitliche Kennzeichnung schaffen, von der unsere Betriebe, aber auch alle Industriepartner profitieren“, sagte Peter Börner.

Großes Branchentreffen

BASF Coatings hatte Anfang Februar die Initiative ergriffen und zu einem Branchentreffen eingeladen, bei dem über branchenweite Nachhaltigkeitsstandards in der Unfallreparatur diskutiert wurde. Mit an Bord waren Versicherungen (Allianz, AXA, DEVK, Generali, LVM, Provinzial, R+V, Zürich), Schadensteuerer (Consense, DMS, HUK, Innovation Group, Riparo, SPN), Datenlieferanten (AZT, DAT, Eurotax-Schwacke, GT Motive, Solera Audatex), Lackhersteller (Akzo Nobel, Axalta, BASF Coatings, Kwasny, Mipa, PPG), Mercedes Benz, Leaseplan, Europcar sowie Dekra und TÜV Rheinland. Auch die Verbände ZDK, ZKF, BVdP und BFL hatten einen gemeinsamen Vertreter zu dem Treffen geschickt.

Während des Branchentreffens beim TÜV Rheinland in Köln wurden die bisherigen Geschehnisse und der Ansatz zu einem Nachhaltigkeitsstandard transparent vorgestellt. Laut BASF gab es in der Branche einen offenen Austausch über einen gemeinsamen Nachhaltigkeitsstandard, außerdem wurden Stimmungsbilder abgefragt.

Die überwiegende Mehrheit erachtet es als sinnvoll, an einer gemeinsamen Lösung für die gesamte Branche zu arbeiten. Hierdurch solle verhindert werden, dass eine Zertifizierungsflut auf die Werkstattbetriebe zukomme. Es sei zwar herausfordernd alle Interessen zu berücksichtigen und unter einen Hut zu bekommen, jedoch sei ein gemeinsamer branchenweiter Standard eine große Chance für alle und der einzig richtige Weg, um die Branche voranzubringen und nachhaltiger aufzustellen. Dabei sei es zwingend notwendig, dass auch Werkstattbetriebe mit ins Boot geholt würden und der Standard einfach, übersichtlich und verständlich sei. Es müsse zudem ein klar erkennbarer Mehrwert für die Werkstattbetriebe geschaffen werden, so der Tenor beim Branchentreffen.

Initiative soll von Verbänden ausgehen

Der ZKF begrüßt grundsätzlich Initiativen rund um das Thema Nachhaltigkeit. ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm sagte allerdings: „Wir arbeiten mit den Verbänden BVdP, ZDK und BFL bereits an einem Nachhaltigkeitsstandard für die Branche. So etwas kann nur durch die Verbände initiiert werden.“ Diese hätten wenig Interesse daran an einem Zertifikat mitzuarbeiten, bei dem die Verbände – hinter denen ja die ausführenden Betriebe stehen – nicht mit einem Übergewicht in den Entscheidungen, wie ein Standard aussieht, beteiligt wären. „Die Betriebe dürfen nicht durch Industrie oder gar Schadensteuerer in Nachhaltigkeitsstandards getrieben werden“, so Aukamm.

Auch die Lackindustrie befürwortet eine gemeinsame Initiative zum Thema Nachhaltigkeit, die vornehmlich durch die Verbände getragen und vorangetrieben wird. Beispielsweise erklärt Jochen Kleemann, Geschäftsführer für den deutschen Refinishbereich der PPG Deutschland Sales & Services GmbH: „Für uns ist es das beste, wenn eine solche Initiative von den Interessenvertretungen der Branche ausgeht, das sind nun mal die einschlägigen Verbände wie ZKF, ZDK und BVdP und BFL. Bei der Entwicklung eines branchenweiten Nachhaltigkeitsstandards sollte eine Industrielastigkeit vermieden werden.“

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Grundsätzlich unterstütze PPG natürlich jede Initiative zum Thema Nachhaltigkeit und die Themen, die in Köln andiskutiert worden seien, würden alle in die richtige Richtung zeigen. Allerdings sollten die Verbände hier auf dem „Fahrersitz“ sitzen. „Wir können gerne in den einzelnen Themen mitwirken, beispielsweise haben wir auch unser ‚PPG Sustainability CO₂NCEPT‘ mit eigenen Schwerpunkten. Dieses Thema können wir gerne besetzen und Mehrwert bieten“, ergänzt Kleemann gegenüber »Fahrzeug+Karosserie«. Es müssten die Interessen der Branche berücksichtigt werden und das könnten nun mal die Verbände – die bereits Hand in Hand zusammenarbeiten würden – am besten. Diese hätten sich dem Thema bereits angenommen. „Wir können da unterstützen“, so Kleemann.

BASF plant zeitnah ein Folgetreffen anzubieten für diejenigen, die an der Entwicklung eines Nachhaltigkeitsstandards mitwirken möchten. Dort soll dann über das weitere Vorgehen für die Zusammenarbeit und die Umsetzung gesprochen werden. Die Münsteraner wollen weiter regelmäßig informieren, über die Geschehnisse berichten und „die Tür offenhalten, sich der Initiative anzuschließen“.

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