Valeo: E-Charger 2016 in Serie

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Die Neuheiten-Pipeline der Franzosen scheint gut gefüllt. Neben dem elektrischen Kompressor gehen 2016 auch ein Laserscanner und eine CO2-Klimaanlage in Serie.

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Bis zu 20 Prozent weniger Spritverbrauch sollen mit dem Valeo E-Charger möglich sein.
Bis zu 20 Prozent weniger Spritverbrauch sollen mit dem Valeo E-Charger möglich sein.
(Foto: Valeo)

Der französische Zulieferer Valeo hat am 13. November bei einer Presseveranstaltung in Hockenheim einen Einblick in seine Produktstrategie für die nächsten Jahre gegeben. Aus dem extrem vielfältigen Angebot des Konzerns ragten drei sehr unterschiedliche Neuheiten heraus, die eigentlich nur eines gemeinsam haben: Sie sollen alle im Jahr 2016 in Serienproduktion gehen.

Eine davon ist der elektrische Kompressor zur Motoraufladung. Dabei handelt es sich um einen Radiallader, der von einem Elektromotor anstelle einer Abgasturbine angetrieben wird. Dieser Motor erreicht innerhalb von 250 Millisekunden eine Drehzahl von 70.000 min-1 und stellt viel schneller Ladedruck bereit als ein klassischer Turbolader. Das bekannte Turboloch ist so kaum noch spürbar, wie Testfahrten mit einem umgebauten Alfa Giulietta zeigten: Der sportliche Italiener besaß den E-Charger zusätzlich zu seinem normalen Turbo und stürmte beim Gasgeben fast ansatzlos davon.

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Eine weitere Möglichkeit ist es, den E-Charger als einzige Aufladeeinheit zu verwenden, um lang übersetzten und damit durchzugsschwachen Saugmotoren zu mehr Spurtkraft zu verhelfen. Valeo bietet das Produkt in einer 12- und in einer 48-Volt-Variante an – letztere hat beispielsweise Audi in seinem Konzeptauto RS 5 TDI Concept verwendet. Wird für den Betrieb des Laders Energie verwendet, die zuvor durch Rekuperation gewonnen wurde, dann sind laut Valeo erhebliche Verbrauchsvorteile möglich: bis zu 20 Prozent bei der 48-Volt-Variante.

Mit Hochdruck entwickelt: CO2-Klimaanlage

Die 48-Volt-Technik hat Valeo aber auch in Gestalt eines klassischen Mild-Hybrids umgesetzt. Der per Riemen angekoppelte Starter-Generator-Motor kann mit seiner Leistung von bis zu 15 kW den Wagen in Rollphasen oder beim Rangieren elektrisch antreiben.

Neben der Antriebstechnik sind thermische Systeme einer der vier Unternehmensbereiche von Valeo. Als Klimaanlagenhersteller sieht sich der Konzern also dem Spannungsfeld zwischen dem umstrittenen chemischen Kältemittel R1234yf und dem Wunsch deutscher OEMs nach einer Klimaanlage mit CO2-Füllung ausgesetzt und muss dementsprechend zweigleisig entwickeln.

Im Jahr 2016 bringt Valeo nun seine erste CO2-Anlage mutmaßlich bei einem deutschen OEM in Serie. Die Arbeit an diesem Konzept hatte bereits um die Jahrtausendwende begonnen, war aber eingefroren worden, als sich die Branche für R1234yf entschieden hatte. Nach der Kehrtwende von Daimler und anderen deutschen Herstellern entwickelt Valeo seit etwa zwei Jahren mit Hochdruck weiter. „Eine CO2-Klimaanlage ist zwar teurer, aber auch leistungsfähiger als die bisherigen Bauarten“, erklärte Valeos Entwicklungsvorstand Jean-Francois Tarabbia »kfz-betrieb« auf der Pressekonferenz. „In Sachen Package und Komponenten gibt es keinen großen Unterschied, dafür aber beim Arbeitsdruck. Das System arbeitet mit 100 bar. Es lässt sich also bei der Wartung nicht einfach öffnen, sondern man braucht ein spezielles Gerät dafür.“

Mal sehen, ob die Klimaserviceanbieter 2016 pünktlich entsprechende Geräte anbieten können – und was diese kosten.

Laserscanner kann Radarsensoren ablösen

Die Kosten waren bislang ebenfalls ein Hindernis für die dritte Valeo-Novität, den Laserscanner. Doch nun haben es die Franzosen – nach eigenen Angaben als erster Hersteller weltweit – geschafft, einen solchen Sensor für die Anwendung im Automobil zu konstruieren.

Der Scala-Laserscanner ist laut Valeo eine Schlüsselkomponente für die aktive Sicherheit und das automatisierte Fahren. Er bietet eine Reichweite von über 200 Metern, ein Sichtfeld von 145 Grad und eine Auflösung von 1/4 Grad und kann mit diesen Eigenschaften das heute verwendete Long-Range-Radar ablösen.

Anders als bisherige Lasersensoren (Lidar) sendet er nicht nur einen Strahl aus, sondern scannt das Vorfeld rasterartig immer wieder ab. Dadurch lässt sich die Verkehrssituation genauer erfassen als bislang. Valeo präsentierte den neuartigen Scanner zusammen mit Ultraschallsensoren in einem Baustellenassistenten, der dem Nutzer das Befahren enger Fahrspuren erleichtert.

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