VDA: Der Markt wird volatiler

Von Christoph Baeuchle

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Statt Hoffnungsträger sind viele Schwellenländer nun Problemzonen. Das trifft die deutschen Hersteller. Aus Sicht von VDA-Präsident Matthias Wissmann hat sich der Wind gedreht.

VDA-Präsident Matthias Wissmann(Foto:  VDA)
VDA-Präsident Matthias Wissmann
(Foto: VDA)

Die Entwicklung in China bringt nicht nur Volkswagen in die roten Absatzzahlen, diverse andere Hersteller müssen ihre Prognosen überarbeiten. Der größte Absatzmarkt der Welt dürfte zum Jahresende nur noch leicht im Plus sein, wenn überhaupt. Noch schlechter sieht es in Schwellenländern wie Russland und Brasilien aus.

Von den einstigen Hoffnungsträgern für die Automobilhersteller, den BRIC-Staaten, ist zuletzt nicht viel geblieben. Das setzt den deutschen Automobilherstellern zu. Dennoch äußert sich VDA-Präsident Matthias Wissmann gegenüber »kfz-betrieb« vorsichtig optimistisch.

Redaktion: Herr Wissmann, die BRIC-Staaten wurden in den vergangenen Jahren immer als Hoffnungsträger bejubelt. In diesem Jahr sind Nordamerika und Westeuropa (und Deutschland) die Wachstumstreiber. Hat sich der Wind wieder gedreht?

Matthias Wissmann: Das ist so. In den USA läuft es im Moment sehr gut und auch in Westeuropa – dort vor allem in Spanien, Italien, auch in Deutschland. Allerdings sehen wir mit Sorge nach Russland und Brasilien. In dem südamerikanischen Land bricht das Lkw-Geschäft ein, und auch der Pkw-Absatz ist rückläufig. Der russische Pkw-Markt ist im bisherigen Jahresverlauf gut ein Drittel niedriger als im Vorjahr. In China, dem größten Pkw-Markt der Welt, wurden bis Juli etwa fünf Prozent mehr Neuwagen verkauft als im Vorjahr.

Wie stark trifft der Absturz in China die deutschen Automobilhersteller?

Hier müssen wir unterscheiden: Die Börse ist nicht der Automobilmarkt. Der chinesische Pkw-Markt wird auch im Gesamtjahr 2015 zulegen, allerdings ist die Zeit der zweistelligen Wachstumsraten zunächst vorbei – und der Wettbewerb wird härter. Die deutschen Hersteller haben rund 20 Prozent Marktanteil in China.

Dennoch haben die Wachstumsprognosen der Automobilhersteller eine knallharte Landung erfahren – statt einem Plus im zweistelligen Prozentbereich stürzten die Erwartungen auf Vorjahresniveau.

Wir gehen schon seit Längerem davon aus, dass das rasante Wachstum der letzten 15 Jahre nicht einfach linear fortgeschrieben werden kann. Im Jahr 2000 war der Markt in China so groß wie der der Niederlande, 2005 so groß wie der deutsche Markt, und heute ist es der größte Automobilmarkt der Welt mit rund 19 Millionen verkauften Fahrzeugen pro Jahr. Dass das nicht mit demselben Tempo weitergehen kann, ist völlig klar.

Was bedeutet dies also für die Zukunft?

Der Markt wird volatiler, mittel- und langfristig bleibt er aber auf Wachstumskurs. Denn das Potenzial ist enorm: Derzeit gibt es dort erst 60 Pkw auf 1.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland haben wir rund 550 Pkw auf 1.000 Einwohner.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung auf dem Weltmarkt ein?

Wir gehen in diesem Jahr von einem leichten globalen Wachstum in Höhe von knapp einem Prozent aus. Wir reden also von rund 77 Millionen Pkw. Mittelfristig zeigt der Trend nach oben: 2020 wird der Welt-Pkw-Markt voraussichtlich 88 Millionen Einheiten erreichen. Die deutsche Automobilindustrie hat einen Weltmarktanteil von 20 Prozent, im Premiumsegment liegt er sogar bei knapp 80 Prozent.

Den zweiten Teil des Interviews mit VDA-Präsident Matthias Wissmann, in dem er erläutert, was er von der Entwicklung des deutschen Marktes erwartet und was die Frankfurter Autoshow IAA bringt, veröffentlicht »kfz-betrieb« in Ausgabe 37.

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