Verhandlungsmarathon à la VW/Audi
Bezüglich der Servicestandards scheint ein Verhandlungsdurchbruch erzielt. Bei den Vertriebsstandards ist Verhandlungsergebnis noch in weiter Ferne. Offensichtlich sind die Auflagen so hoch, dass die Wirtschaftlichkeit der Betriebe nicht mehr gewährleistet ist.
Am Rande der Siegesfeier zum Abschluss des Top 100 Service Wettbewerbes in Athen, soll es bei den Verhandlungen zwischen dem VW/Audi-Händlerverband sowie der Kundendienstfachabteilung der beiden Marken VW und Audi zu einem Verhandlungsdurchbruch in Sachen Servicestandards gekommen sein. Weitere Details wurden noch nicht bekannt. Jedoch befindet sich nach wie vor das Präsidium des Händlerverbandes in einem ungebrochenen Verhandlungsmarathon mit den beiden Werken bezüglich der Vertriebsstandards (vgl. kb online vom 12.03.03).
Ironisch merkte dazu VW-Kundendienstchef Knut Schüttemeyer an: "Die Hannoveraner Hotels am Flughafen sind wohl an einer Einigung zwischen Fabrik und Händlerverband nicht interessiert." Die Verhandlungsdelegationen werden in den Flughafenhotels schon namentlich begrüßt und erhalten meist die gleichen Zimmer. Was die Hoteliers freut, bedeutet für die Mitglieder des Verbandes, dass sie teilweise seit Wochen schon nicht mehr in ihren eigenen Betrieben sein konnten.
Offensichtlich garantiere das neue Margensystem dem einzelnen Händlerbetrieb nicht einmal mehr "einen kleinen" Unternehmensgewinn. Die Rendite würde sich allein aus den zu erreichenden Boni ergeben. Um dies zu verifizieren präsentiert gestern und heute der Händlerverband den Fabriken seine Musterkostenberechnungen. Andrea Michel-Lebeau, Mitglied des Gesamtvorstandes und stellvertretende Beiratssprecherin Audi, zeichnet federführend für die Erstellung der Musterkostenrechnungen und habe hier offensichtlich ihr Meisterstück vorgelegt.
In den neuen Verträgen versucht die Fabrik den Handel mit eigenen Konzernmarken zu unterbinden. Das bedeutet im Klartext, dass ein Audi-Händler sehr wohl Mercedes Benz oder Subaru handeln, nicht aber die eigenen Konzernmarken wie VW, Seat oder Skoda vertreiben dürfe. Dies wiederum steht in Wiederspruch zu einer Aussage des Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder am Rande des Genfer Salons. Der hatte auf die Frage der Auslastungsproblematik eines VW- oder Audi-Zentrums empfohlen, dies über die Aufnahme einer anderen Konzernmarke auszugleichen.
Konfusionen gibt es auch bezüglich der Vermittlungsrechte der VW und Audi Vertragswerkstätten. Diese gehen heute davon aus, dass sie sich den Händler, für den sie vermitteln möchten, frei auswählen können. Die Fabrik geht dagegen davon aus, dass sie bei der Auswahl der Agenten selbst bei Erfüllung aller Standards ein Mitspracherecht hat. Dies solle offensichtlich die EU-Kommission bestätigt haben, womit tatsächlich der Sinn der GVO, insbesondere wenn zum 30.09.2005 die Location Clause fällt, unterlaufen würde. Mit diesem Prozedere würde dem Grauhandel Tür und Tor geöffnet.
Bei der Sitzung des europäischen VW/Audi Händlerverbandes vergangene Woche in Rom, artikulierten die Verbände aus den europäischen Nachbarländlern zunehmend ihren Unmut. Diese fühlten sich von VW und Audi völlig übergangen, da sie in die Verhandlungen um die Vertriebs- und Servicestandards überhaupt nicht eingebunden wurden und der Konzern nur mit dem deutschen Verband verhandle. Fest steht jedenfalls, dass die neuen Händlerverträge mit ihren Vertriebs- und Servicestandards europaweit Gültigkeit haben sollen.
In den europäischen Metropolen wie London, Paris, Frankfurt und sonstigen strategisch wichtigen Standorten (Städte ab 200.000 Einwohnern) plane der Konzern außerdem, sich an den dort agierenden Betrieben zu beteiligen. Immer wieder wird beteuert, dass aber das operative Geschäft von den vorhandenen "Local Heros" getätigt werden soll. Andererseits hat VW-Chef Bernd Pischetsrieder aus seiner Liebe zur Niederlassungspolitik à la BMW keinen Hehl gemacht.
Zwei Herzen schlagen in der Brust der betroffenen Händler. Einerseits stehen sie durch die enormen Investitionen in die VW-Zentren und Audi-Hangar unter einem enormen Kostendruck. Andererseits sehen viele, dass diese Beteiligung des Konzerns mittelfristig in eine Niederlassungspolitik führen könnte. Dafür sprechen auch die Entwicklungen bezüglich der Abwicklung des Großabnehmergeschäftes.
Zur Erinnerung: Die Raffey-Gruppe Hamburg ist bereits zu 100 Prozent in VW-Hand. Darüber hinaus ist der Konzern bereits am Audi-Zentrum Hannover und der Enning-Gruppe Recklinghausen beteiligt.
Wie schwierig der Verhandlungsstand offensichtlich ist, zeichnet sich auch daran ab, dass das Präsidium des VW/Audi Händlerverbandes bereits heute davon ausgeht, am Donnerstag dem 24. Juli 2003, eine weitere Vollversammlung in Mainz einzuberufen.