Schlechte Zahlen Volkswagen und Stellantis nehmen Gewinnprognosen zurück

Quelle: dpa 4 min Lesedauer

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Stellantis zahlt gerade den Preis für übermäßige Renditeorientierung. Und Volkswagen muss zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten seine Jahresprognose nach unten korrigieren.

(Bild:  Rehberg/VCG)
(Bild: Rehberg/VCG)

Der Volkswagen-Konzern kommt immer stärker unter Druck. Konzernchef Oliver Blume kappte die Gewinnaussichten nach nur zweieinhalb Monaten schon wieder, weil das Unternehmen dieses Jahr doch nicht so viele Autos verkaufen wird wie ursprünglich geplant. Vor allem bei der ohnehin stark angespannten Kernmarke VW Pkw läuft es den Angaben von Freitagabend zufolge schlechter als erwartet, aber auch die leichten Nutzfahrzeuge von VWN und die eigene Zuliefersparte schwächeln. Die maue Wirtschaftslage schmälert die Verkäufe, auch die Finanzdienstleistungssparte verdient weniger. Die VW-Aktie gab am Montag nach.

Das im Dax notierte Volkswagen-Vorzugspapier verlor 3,1 Prozent auf 94,10 Euro. In diesem Jahr hat der Kurs schon 15 Prozent eingebüßt. Im Frühjahr 2021 war die Aktie auf einem Hoch gar mehr als 250 Euro wert. Dass VW unter Druck steht, war Beobachtern nach den Ereignissen der vergangenen Wochen schon klar – Marktexperten hatten bei den Gewinnen zuletzt dennoch mit mehr gerechnet. Auch die Dachholding Porsche SE der Eigentümerfamilien Porsche und Piech, die in Wolfsburg das Sagen hat, musste ihre Gewinnerwartungen herunterschrauben.

Absatzziele nicht erreichbar

Statt eines Anstiegs der Auslieferungen um bis zu 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 9,2 Millionen Fahrzeugen rechnet Volkswagen nun nur noch mit rund 9 Millionen Verkäufen, wie das Unternehmen am Freitag nach Börsenschluss mitteilte. Der bisher angepeilte Umsatzanstieg um bis zu 5 Prozent über die vergangenes Jahr erlösten 322 Milliarden Euro hinaus ist damit ebenfalls hinfällig – so dürften es nur noch um die 320 Milliarden Euro Umsatz werden.

Vor allem die Profitabilität erwartet Blume schwächer: Er taxiert das operative Ergebnis jetzt auf rund 18 Milliarden Euro und damit auf eine operative Ergebnismarge von rund 5,6 Prozent vom Umsatz. Zuletzt war das Unternehmen noch von 6,5 bis 7,0 Prozent Umsatzrendite ausgegangen. Im besten Fall hätte das in der alten Prognose ein operatives Ergebnis von bis zu fast 24 Milliarden Euro bedeutet.

VW begründete die gesenkte Prognose mit schwächer als erwartet ausfallenden Resultaten bei der Kernmarke VW Pkw, bei den leichten Nutzfahrzeugen von VWN und bei der Komponentensparte. Bei der Kernmarke will das Unternehmen derzeit den Sparkurs massiv ausweiten und hat die seit Jahrzehnten bestehende Beschäftigungssicherung gekündigt. Betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen stehen zur Debatte, die Arbeitnehmer haben massiven Widerstand angekündigt.

Auch Stellantis streicht seine Gewinnerwartungen für dieses Jahr. Die offizielle Begründung: Probleme im nordamerikanischen Markt und die allgemein schwache Branchenlage. Konzernchef Carlos Tavares geht nun nur noch von einer um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinnmarge von 5,5 bis 7,0 Prozent aus, wie Stellantis in Amsterdam mitteilte. Bisher sollte ein zweistelliger Prozentsatz übrig bleiben.

Im Xetra-Handel ging es mit der Stellantis-Aktie am Montag um knapp 14 Prozent auf rund 12,50 Euro bergab. Ende März war das Papier noch über 27 Euro wert gewesen. Kein anderer europäischer Autohersteller performte im laufenden Jahr an den Börsen schlechter.

Bei dem Vielmarkenkonzern hatte sich das US-Geschäft zuletzt bereits deutlich eingetrübt. Auf dem nordamerikanischen Markt macht der Autobauer mit großen SUVs und Pick-ups üblicherweise den Löwenanteil seines Gewinns. Derzeit aber stehen zu viele unverkaufte Autos bei den Händlern auf dem Hof, was die Verkaufspreise schmälert. Bereits die Halbjahresergebnisse hatten Anleger spürbar enttäuscht.

Tavares will jetzt stärker gegensteuern und die Händlerbestände in den USA bis Ende des Jahres deutlich auf höchstens 330.000 Fahrzeuge drücken. Das hatte er sich bisher erst für das erste Quartal des kommenden Jahres vorgenommen. Dazu sollen die Auslieferungen des Konzerns in Nordamerika im zweiten Halbjahr um über 200.000 Einheiten gekappt werden statt wie bisher angepeilt nur um 100.000 Stück. Vermehrt sollen auch Rabatte den Verkauf an die Kunden ankurbeln.

Das Aktionsprogramm für Nordamerika mache etwa zwei Drittel der Kürzungen bei der Margenprognose aus, hieß es. Hinzu kämen schwächer als erwartet ausfallende Verkäufe in den meisten anderen Regionen.

Die Gewinnwarnung des Herstellers sei zwar weithin erwartet worden, schrieb UBS-Analyst Patrick Hummel. Ihr Ausmaß sei aber überraschend, sie sei auch größer als die bisherigen Prognosesenkungen der deutschen Autokonzerne. Stellantis gehe nun mit einer viel schlechteren Entwicklung in das neue Jahr. Über der Verteilung von Geld an die Aktionäre über Dividenden und mögliche Aktienrückkäufe gebe es nun Fragezeichen, schrieb Hummel.

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BMW hat „nur“ technische Probleme

Volkswagen habe mit seiner Gewinnwarnung die drei großen deutschen Autobauer in diesem Monat komplett gemacht, schrieb Analyst Stephen Reitman vom Analysehaus Bernstein. Bei Mercedes und Volkswagen schienen die jüngsten Kürzungen marktgetriebener als bei BMW. Die Bayern hatten vor allem auf technische Probleme mit einem Bremssystem von Continental verwiesen. Die neuerlich gekappten Ziele könnten für das Management der Wolfsburger hilfreich sein, die einschneidenden Maßnahmen des geplanten Sparkurses zu rechtfertigen.

Fachmann Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies spekulierte, die Entscheidungen zum Konzernumbau könnten durch den Verfall der Geschäftsentwicklung beschleunigt werden. Er schätzt den Kostenbedarf für eine Schließung von mindestens zwei Werken in Deutschland und einen Stellenabbau von 15.000 Jobs auf 3 bis 4 Milliarden Euro. Zusätzlich dürften für die sich kommendes Jahr verschärfenden EU-Abgasvorgaben hinsichtlich des klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoßes (CO2) weitere 2 Milliarden Euro fällig werden.

Vor Volkswagen und Stellantis hatten Mercedes-Benz und BMW im September ihre Gewinnprognosen eingedampft. Bereits im Juli hatte Wolfsburg wegen der erwarteten Kosten für das auf der Kippe stehende Audi-Werk in Brüssel schon einmal die Ergebnisprognose gesenkt.

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