Globaler Automarkt VW-China-Chef: Preiskampf verschärft sich in China und Europa

Quelle: dpa/jr 2 min Lesedauer

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Nicht nur die deutschen Autohersteller haben zu kämpfen. Im ersten Halbjahr halbierten sich bei den weltweit größten Autobauern die Gewinne.

Hauptsitz der Volkswagen Group China in Peking.(Bild:  Volkswagen AG)
Hauptsitz der Volkswagen Group China in Peking.
(Bild: Volkswagen AG)

VW-China-Chef Ralf Brandstätter rechnet auf dem weltweiten Automarkt mit einer weiter zugespitzten Lage. „Der Preiskampf verschärft sich überall, auch in Europa“, sagte der Manager im Interview der „Süddeutschen Zeitung". Vor allem der chinesische Automarkt sei überhitzt. Dort kämpften „über 100 Marken um Marktanteile“. Dies habe „zu einem massiven Preisdruck geführt“ und schade der gesamten Autoindustrie.

„Statt in nachhaltiges Wachstum und Technologien zu investieren, fließen bei vielen chinesischen Herstellern die Mittel in absurde Rabatte“, so Brandstätter. VW habe „frühzeitig entschieden, da nicht mitzumachen“. Allerdings wolle man auch weiterhin eine wichtige Rolle auf dem umkämpften Markt spielen. „Auch wenn die Zeiten der Super-Renditen vorbei sind und nicht zurückkommen werden – wir wollen in China weiter gutes Geld verdienen“, sagte der VW-Manager.

„Nur Autos zusammenschrauben reicht nicht“

Bei der Frage, wie sehr Europa von chinesischen Batteriezellen abhängig sei, sieht Brandstätter für die Autoindustrie „Handlungsbedarf“. So brauche es jetzt „einen übergreifenden industriepolitischen Ansatz“, der auch „die Absicherung der Rohstoffversorgung“ mit aufnehme.

Brandstätter sieht hier auch die Autohersteller aus China in der Pflicht: „Mein Ansatz wäre: Wer in Europa produzieren will, etwa um Zölle zu vermeiden, muss hier einen relevanten Anteil der Wertschöpfungskette für seine Produkte aufbauen und für den Wettbewerb öffnen. Dazu gehört auch die Produktion von Batteriezellen. Nur Autos zusammenschrauben reicht nicht. Wenn wir in China ein Werk eröffnen, müssen wir ähnliche Auflagen erfüllen. Sonst bekommen wir keine Lizenz.“

Branchenweiter dramatischer Gewinneinbruch

Unterdessen haben die weltweit größten Autobauer gemeinsam betrachtet im ersten Halbjahr einen satten Gewinneinbruch verzeichnet. Wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht, halbierte sich der operative Gewinn (Ebit) der 19 größten Autobauer nahezu (minus 49,2 Prozent). Von Januar bis Juni lag er demnach bei 42,8 Milliarden Euro, nach 84,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stagnierte in Summe.

Angesichts einbrechender Gewinne stecke die etablierte westliche Autoindustrie in einer tiefen und strukturellen Krise, sagte EY-Autoexperte Constantin Gall laut Mitteilung. E-Autos verkauften sich deutlich schwächer als angenommen und auf wichtigen Absatzmärkten herrsche ein ruinöser Preiswettbewerb. „Die Probleme in China werden dadurch noch verstärkt, dass die Käuferschaft sich verstärkt nationalen Marken zuwendet“, sagte Gall. Zusätzlich sorgten hohe Transformations- und Restrukturierungskosten, Rückrufe und Lieferkettenstörungen für Probleme.

Experte: „Der Sturm wird nicht abflauen“

Die Schwächephase der Branche werde vorerst anhalten, prognostizierte Gall. „Der Sturm wird nicht abflauen“, sagte er. Der Experte begründete dies unter anderem mit einer schwach bleibenden Konjunktur, zudem würden sich die geopolitische Situation und die Zollpolitik absehbar nicht stabilisieren. „Für viele Hersteller steht das komplette Geschäftsmodell auf dem Spiel, bei einigen wird sich mittelfristig die Existenzfrage stellen“, so Gall.

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