VW nennt Zeitplan für den Diesel-Rückruf

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Skandalursache: Fehlverhalten Einzelner traf auf mangelhafte Prozesse

Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wolfsburg gaben der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch und Vorstandschef Matthias Müller erste Zwischenergebnisse der Untersuchung zu den Ursachen des Abgas-Skandals bekannt. Die Ausgangsfaktoren, unter denen die illegale Software entstanden ist, seien gewesen:

  • individuelles Fehlverhalten und persönliche Versäumnisse einzelner Mitarbeiter
  • Schwachstellen in einigen Prozessen, zum Beispiel fehlendes Vier-Augen-Prinzip bei der Freigabe von Software
  • Haltung in einigen Bereichen des Unternehmens, Regelverstöße zu tolerieren

In dieser Gemengelage fanden es die verantwortlichen Motorentwickler offenbar einfacher, die Schwierigkeiten, die der EA 189 mit den amerikanischen Abgasgesetzen hatte, durch ein „Defeat Device“ zu lösen. Auch als später eine verbesserte Abgasreinigung bereitstand, blieb die Software aus „falsch verstandenem Kundeninteresse“ (Müller) weiter in Benutzung.

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Es ist allerdings zweifelhaft, dass ausschließlich Entwickler auf Arbeitsebene von der Schummelei wussten. Schließlich war die Dieseleinführung auf dem amerikanischen Markt eine strategische Entscheidung des Volkswagen-Konzerns; Bedrohungen für diese Strategie müssten eigentlich in höheren Gremien diskutiert worden sein. Derzeit sind immerhin neun möglicherweise Beteiligte aus dem Management im Zuge der Ermittlungen freigestellt worden, sagte Aufsichtsratschef Pötsch in Wolfsburg. Insgesamt stehen rund 2.000 Personen im Konzern und eine Datenmenge von über 100 Terabyte im Fokus der rund 450 externen und internen Ermittler.

Während die interne Revision auf die Prüfung der Prozesse, auf Berichts- und Kontrollsysteme sowie die begleitende Infrastruktur angesetzt ist, soll die Anwaltssozietät Jones Day den eigentlichen Sachverhalt und die Verantwortlichkeiten aufklären – unter anderem mit forensischen Untersuchungen. Dies wird noch bis weit ins nächste Jahr hinein dauern.

Noch keine Lösung für die amerikanischen Kunden

Aufgrund deutlich strengerer Stickoxid-Grenzwerte ist es in den USA eine größere technische Herausforderung, die Fahrzeuge so umzurüsten, dass mit ein- und derselben Abgasstrategie alle gültigen Emissionsgrenzen eingehalten werden. Noch ist den Entwicklern dazu keine Lösung eingefallen. Wenn es so weit ist, müssen die technischen Maßnahmen zuerst mit den Umweltbehörden EPA (United States Environmental Protection Agency) und CARB (California Air Resources Board) abgestimmt werden.

CO2-Skandal: Nur heiße Luft?

Der Verdacht von Unregelmäßigkeiten bei der CO2-Zertifizierung hat sich laut VW-Angaben nicht erhärtet. Aufgekommen war der Verdacht nach internen Hinweisen von Mitarbeitern, die laut VW „nicht sicher waren, ob bei Messungen alles mit rechten Dingen zugegangen war“.

Das zeigt: Offensichtlich hat der Großkonzern erhebliche Probleme mit seinen Mess- und Dokumentationsprozessen. Die bei der Pressekonferenz von einem Journalisten gestellte Frage, ob angesichts dieser prozessualen Mängel auch in anderen Konzernbereichen geschummelt worden sein könnte, wollten weder Pötsch noch Müller konkret beantworten.

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