Volkswagen hat im vergangenen Jahr deutlich weniger Gewinn gemacht, peilt aber für dieses Jahr mehr Umsatz an. Mittelfristig will der Autohersteller spürbar weniger Geld investieren.
Volkswagen hat im Jahr 2024 deutlich weniger Geld verdient als im Jahr zuvor.
(Bild: Volkswagen)
Der VW-Konzern nimmt sich trotz der Branchenschwäche im neuen Jahr mehr Umsatz vor. Bei der operativen Marge erwartet Konzernchef Oliver Blume aber trotz des jüngst aufgelegten großen Sparprogramms der Kernmarke VW Pkw keine großen Verbesserungen. Der Autohersteller rechnet auch im neuen Jahr mit einem harten Umfeld im wichtigen Markt China; dort dürften die Gewinne weiter deutlich abschmelzen. Insgesamt brach der Gewinn 2024 wegen der schwierigen Lage ein. Auf mittlere Sicht will das Management die Investitionen spürbar kürzen.
Im Jahr 2025 sollen die Erlöse auf Konzernebene um bis zu fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 324,7 Milliarden Euro zulegen. Das teilte Volkswagen am Dienstag (11. März) mit. VW-Chef Blume geht davon aus, dass sich die operative Umsatzrendite in einer Spanne von 5,5 bis 6,5 Prozent bewegen wird und damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres von 5,9 Prozent bleibt. Beim Umsatz hatten Analysten bisher mit weniger gerechnet, bei der Marge lagen sie etwa in der Mitte der nun prognostizierten Spanne.
Volkswagen hatte in einem lange schwelenden Arbeitsstreit kurz vor Jahresende verkündet, bis 2030 in Deutschland mit 35.000 Stellen fast jeden vierten Job bei der Kernmarke VW Pkw zu streichen. Die Spareffekte allerdings brauchen Zeit, da betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen wurden und vor allem Vorruhestand und Altersteilzeit genutzt werden sollen.
Mehr Geld für Vorstand und Mitarbeiter
VW- und Porsche-Chef Oliver Blume hat im vergangenen Jahr trotz Gehaltsverzichts mehr verdient. Einschließlich Altersvorsorge und variabler Vergütung für mehrere Jahre erhielt er 2024 knapp 10,35 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht des Konzerns hervorgeht. Das sind rund 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Blume hatte 2024 wie der gesamte Konzernvorstand auf fünf Prozent seines Fixgehalts bei Volkswagen verzichtet. Entsprechend schrumpfte sein Grundgehalt bei Europas größtem Autobauer von 1,3 auf 1,235 Millionen Euro.
Aber auch die Tarifbeschäftigten von Volkswagen verdienen mehr. Sie bekommen für das vergangene Jahr fast 4.800 Euro Bonuszahlung. Belegschaftsmitglieder im VW-Haustarif sollen nach den bereits überwiesenen 1.879,50 Euro mit dem Mai-Gehalt weitere 2.920 Euro erhalten. Damit liegt die Gewinnbeteiligung sogar etwas höher als im vergangenen Jahr, als VW 4.735 Euro an jeden Mitarbeiter auszahlte. Von der Zahlung profitieren rund 120.000 Beschäftigte in Deutschland. Ausschlaggebend für den Bonus ist das Ergebnis der Marken VW Pkw und VW Nutzfahrzeuge in den beiden zurückliegenden Jahren. Ab dem kommendem Jahr müssen sich die Mitarbeiter dann auf deutlich weniger Geld einstellen.
Länger Verbrenner, langsamerer E-Hochlauf
Nach einer Phase erhöhter Investitionen will VW seine Ausgaben in den kommenden Jahren deutlich kürzen. Von 2025 bis 2029 sollen insgesamt rund 165 Milliarden Euro in neue Anlagen, Technik und Software gesteckt werden, wie Finanzvorstand Arno Antlitz sagte. Volkswagen hatte für die vorangegangene Fünfjahresperiode von 2024 bis 2028 noch rund 180 Milliarden Euro verplant. „Wir werden Synergien im Konzern und innerhalb der Markengruppen noch konsequenter nutzen“, so Antlitz.
Wegen des stockenden Hochlaufs der Elektromobilität will Blume konzernweit die Elektro-Strategie überprüfen. Die VW-Tochter Porsche, wo Blume ebenfalls an der Spitze steht, hatte er Anfang Februar angesichts schwacher Zahlen bereits angekündigt, sich in einem strategischen Schwenk wieder mehr dem Verbrenner zuzuwenden. „Die gleiche Überprüfung findet in allen Marken statt“, sagte Blume.
Einen kompletten Kursschwenk schloss Blume aber aus. „Wir setzen auf Elektromobilität und halten die Elektromobilität im Übrigen auch für die überlegende Technologie für die Zukunft.“ Angesichts des langsamer verlaufenden Hochlaufs als erwartet gehe es aber darum, flexibel zu bleiben und „bis weit in die 2030er-Jahre“ alle Antriebsarten im Programm zu haben. Und das gelte für alle Marken des Konzerns. Große Hoffnungen setzt er auf die angekündigten Einstiegsmodelle der Marke VW für 25.000 und 20.000 Euro, die 2026 und 2027 anlaufen sollen.
VW will zudem über Partnerschaften wie mit dem US-Elektroautoanbieter Rivian schneller und günstiger bei Software und Vernetzung ans Ziel kommen. Die VW-eigene Softwaresparte Cariad kämpft nach wie vor mit hohen Anlaufkosten; der operative Verlust blieb vergangenes Jahr mit 2,4 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Auch das soll sich in den kommenden Jahren bessern.
Stand: 08.12.2025
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Ergebnis in China sackt ab
In China sackte das anteilige operative Ergebnis der dortigen Gemeinschaftsunternehmen von 2,6 auf 1,7 Milliarden Euro ab. VW bezieht diese Ergebnisse erst im Finanzergebnis in die eigene Bilanz ein. Im neuen Jahr dürfte es in China noch dicker kommen: Dann rechnet Blume nur noch mit einem Beitrag von 0,5 bis 1,0 Milliarden Euro aus der Volksrepublik. Grund seien Vorleistungen in neue Technik, sagte Antlitz.
Allerdings schlägt auch weiter der harte Wettbewerb im Land zu Buche, heimische Konkurrenten haben mit billigen Elektroautos einen Preiskrieg angezettelt. Mit einer Trendwende in China rechnet Antlitz erst Ende des Jahres. In den kommenden Jahren soll es dort dann beim Ergebnis wieder aufwärts gehen. Helfen sollen dabei auch neue E-Modelle, die zusammen mit dem chinesischen Partner Xpeng entwickelt werden.
Mehr Handelsbeschränkungen
Herausforderungen ergeben sich laut VW vor allem aus einem Umfeld politischer Unsicherheit und zunehmenden Handelsbeschränkungen. Zusätzliche Zölle der USA für Einfuhren etwa sind noch nicht in den Ausblick eingerechnet. Derweil profitiert VW in Nordamerika noch vom Aufschub erhöhter Zölle für Waren, die den Regeln des dortigen Freihandelsabkommens USMCA entsprechen – allerdings gilt das zunächst nur bis Anfang April. Es ist offen, wie US-Präsident Donald Trump danach verfährt.
Dass die möglichen Strafzahlungen für das Nichteinhalten der EU-CO2-Abgasgrenzen geringer ausfallen könnten, hat VW ebenfalls noch nicht eingerechnet. Zuletzt hatten sich immer mehr Politiker dafür ausgesprochen, die Branche in der derzeitigen Situation über Strafabgaben an Brüssel nicht noch zusätzlich zu belasten. Der Vorschlag der EU-Kommission, das Erreichen der Ziele über einen Zeitraum von drei Jahren zu betrachten, kommt VW dabei nach Angaben von Finanzchef Antlitz entgegen. Im Rahmen der alten Regeln hat VW mit Kosten von 1,5 Milliarden Euro gerechnet, sagte Blume.
Zwei Milliarden Euro für Restrukturierung
Den Finanzmittelzufluss (Netto-Cashflow) aus dem Automobilgeschäft – also ohne Finanzdienstleistungen gerechnet – taxieren die VW-Manager 2025 auf zwei bis fünf Milliarden Euro. Darin seien Zukunftsinvestitionen und Umbaumaßnahmen enthalten, hieß es. Für die Restrukturierung sind rund zwei Milliarden Euro an Zahlungen vorgesehen. Vergangenes Jahr brach der Zufluss an Finanzmitteln bereits um gut die Hälfte auf rund fünf Milliarden Euro ein.
Das vergangene Jahr schloss VW nach einem sehr holprigen Verlauf mit einer leicht positiven Tendenz ab und erwirtschaftete letztlich mehr, als der Konzern zwischenzeitlich mit seinen gesenkten Prognosen noch für realistisch gehalten hatte. Das operative Ergebnis fiel um gut 15 Prozent auf 19,1 Milliarden Euro. Das entsprach einer Marge von 5,9 Prozent nach 7,0 Prozent im Vorjahr.
Neben gestiegenen Fixkosten belasteten rund 2,6 Milliarden Euro an Sonderaufwendungen, unter anderem für das Aus des Audi-Werks in Brüssel, aber auch für den Stellenabbau bei der Kernmarke. Ohne die Sonderfaktoren gerechnet habe sich ein bereinigtes operatives Ergebnis von 21,7 Milliarden ergeben und damit eine bereinigte Marge von 6,7 Prozent, rechnete VW vor. Der Umsatz legte 2024 um knapp ein Prozent auf 324,7 Milliarden Euro zu, weil die Finanzsparte mehr beitrug.
Auch wegen des harten Wettbewerbs in China machte das Unternehmen deutlich weniger Gewinn. Unter dem Strich verdiente VW mit 12,4 Milliarden Euro fast 31 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Dividende soll um 30 Prozent auf 6,36 Euro je im Dax notierter Vorzugsaktie sinken.