Wachsende Macht der Gruppen
Aus dem Konsolidierungsprozess im Automobilhandel gegen die großen Handelsgruppen gestärkt hervor. Schon heute verkaufen sie jeden siebten Pkw. Wegen der auslaufenden GVO droht eine weitere Konzentration im Vertrieb.
Die 50 größten Automobilhändlergruppen in Deutschland bestreiten inzwischen gut 14 Prozent des Neuwagenabsatzes. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der Handelsbetriebe weiter. Von 18.000 Unternehmen zu Beginn des Jahrhunderts sind nur noch 9.800 übrig, hat eine Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) über den Konzentrationsprozess im deutschen Automobilhandel ergeben.
Im vergangenen Jahr haben die 50 größten Automobilhändlergruppen ihren Anteil am gesamten Neuwagenabsatz in Deutschland deutlich erweitert. Sie verkauften zuletzt 14,3 Prozent der neuen Pkw. 2005 waren es erst 13,4 Prozent - ein Zuwachs von rund 11 Prozent. Damit verkaufen diese Handelskonglomerate mittlerweile jeden siebten Neuwagen in Deutschland oder knapp 500.000 Einheiten.
Mehrmarkenhandel fördert Unternehmensexpansion
Das IFA-Institut führt die überdurchschnittliche Expansion der Automobilhandelsgruppen in Deutschland auf die anhaltend schwierige Ertragslage in der Branche sowie eine aktive Expansionsstrategie zurück. Insbesondere fördere der Trend zum Mehrmarkenhandel die Entstehung großer Gruppen. Im Durchschnitt verkaufen die Top 50 des Automobilhandels sechs Marken, wobei einzelne Gruppen bis zu 15 verschiedene Marken führen.
Die meisten Neuwagen verkaufte in Deutschland vergangenes Jahr nach den IFA-Erhebungen die Stuttgarter Emil-Frey-Gruppe mit 43.423 Fahrzeugen. Auf den Plätzen folgen die AVAG Holding in Augsburg (35.168) und die Deutsche Automobilhandels Holding in Berlin (33.600). Zugleich wird der deutsche Markt für ausländische Händlergruppen immer interessanter. Die Kroymans-Gruppe (Niederlande) etwa steigerte ihre Neuwagenverkaufszahlen um 75 Prozent auf 8.774 Einheiten.
Die United Auto Group (UAG), die an einer Reihe von deutschen Händlergruppen beteiligt ist, steigerte ihren Absatz ebenfalls und vertreibt mittlerweile rund 28.500 Neuwagen in Deutschland. Die UAG ist mit insgesamt 184.000 verkauften Neuwagen die zweitgrößte Händlergruppe in den USA.
Die größte in Deutschland ansässige Automobilhändlergruppe ist nach wie vor die AVAG in Augsburg, die allerdings nicht nur in Deutschland, sondern auch in Kroatien, Österreich, Polen und Ungarn tätig ist. Sie erzielte insgesamt ein Absatzvolumen von 73.300 Neu- und Gebrauchtwagen und einen Umsatz von rund 1 Mrd. Euro. Besonders schnell wächst die Weller-Gruppe, deren Neuwagenabsatz im vergangenen Jahr um 42 Prozent auf rund 16.200 Einheiten schnellte. Die Wellergruppe ist der größte Toyota- und BMW-Händler Deutschlands und mit gut 30.000 Fahrzeugen zudem der größte Gebrauchtwagenhändler in Deutschland.
Ungebremste Konsolidierung und Konzentration
Die Geislinger Automobilexperten gehen davon aus, dass sich der Konsolidierungsprozess in den nächsten Jahren wegen des stagnierenden Marktes und anhaltend scharfen Preiswettbewerbs fortsetzen wird. Das IFA-Institut rechnet bis 2010 mit einem Rückgang der Automobilhändler von heute 9.800 auf 8.000 Händler, die dann noch 21.000 Betriebsstätten haben werden (heute 23.500).
Ein weiterer Konsolidierungsschub setzt nach Meinung des IFA wegen der auslaufenden GVO bereits 2008 ein. Viele Automobilhersteller würden sich aufgrund der zweijährigen Kündigungsfrist rechtzeitig zum Auslaufen der GVO von ausgewählten Händlern trennen. Als Konsequenz prognostiziert die IFA-Studie eine zunehmende „Amerikanisierung“ des Automobilvertriebs. In Nordamerika wird der Automobilhandel schon heute von den Mega-Dealern dominiert.