Weg mit der schlechten Stimmung
Gesa Groenewold aus Leer in Ostfriesland ist seit Jahren Stammgast beim Unternehmerinnenkongress von »kfz-betrieb«. So lernte sie auch Daniela Ben Said kennen, eine Unternehmensberaterin, die die Kongressteilnehmerinnen schon zweimal mit ihren Workshops begeisterte. Seit einem Jahr nimmt die Händlerin nun auch Ben Saids Hilfe in Anspruch.
Und das kam so: Nach 40 Jahren als Renault-Händler bekamen Heinz und Gesa Groenewold nur noch einen Servicevertrag. Deshalb sahen sie sich nach einer zweiten Marke um. 2003 kam ihnen der Zufall zu Hilfe: Der ortsansässige Ford-Händler ging in Ruhestand. Mit dem neuen Händlervertrag übernahm das Unternehmerehepaar auch sechs Mitarbeiter ihres ehemaligen Händlerkollegen.
Alle wollten „Häuptling“ sein
Vermeintlich hatten sie nun eine gute Mischung von jungen und erfahrenen Mitarbeitern im Haus. Doch das Miteinander klappte überhaupt nicht. Die Älteren wollten alle „Häuptlinge“ sein. Vor allem, wenn in der Werkstatt sehr viel zu tun war, spitzte sich die Situation zu. „Die schlechte Stimmung übertrug sich dann auch auf die Kunden“, erinnert sich die Unternehmerin.
Aber nicht nur das wollte das Ehepaar Groenewold irgendwann nicht länger hinnehmen. „Unser Betrieb ist in der Vergangenheit mit den meisten der Mitarbeiter groß geworden. Uns war nicht egal, dass sie sich nicht mehr wohlfühlen“, erklärt Gesa Groenewold ihre Beweggründe.
Glücklicherweise fielen ihr die mitreißenden Workshops von Daniela Ben Said wieder ein und sie nahm Kontakt zu ihr auf. Die Beraterin musste nicht lange überlegen, den Auftrag anzunehmen. Und dafür gab es einen ganz einfachen Grund: „Ich habe gleich im ersten Gespräch gemerkt, dass den Groenewolds viel an ihren Mitarbeitern liegt. Sie würden keine externe Hilfe suchen, wenn sie die Mitarbeiter nicht behalten wollten.“
Ziele und Verhaltensregeln erarbeitet
Gesa Groenewold wiederum war nach diesem Gespräch klar: „Wir würden ‚die Hosen herunterlassen’ und sicher auch Kritik einstecken müssen.“ Die Zusammenarbeit startete mit einem Teamseminar an einem Sonntag im Januar 2007.
Dafür schrieben die Unternehmer an jeden Mitarbeiter einen Brief. Er war – so Daniela Ben Said verschmitzt – „ein wenig wie Zuckerbrot und Peitsche“. Zum einen kündigten die Chefs darin an, dass es ab Januar eine Gehaltserhöhung gäbe und der Sonntag vergütet würde. Zum anderen machten sie deutlich, dass jeder Mitarbeiter teilnehmen sollte. Tatsächlich fehlte an dem Sonntag niemand.
Zuerst sprach Ben Said mit den Mitarbeitern allein, ohne die Unternehmer. Jeder sollte unter anderem formulieren, was er an den Vorgesetzten mag, was ihn stört und was er sich von ihnen wünsche. „Das war für meine beiden Auftraggeber eine Herausforderung. Mit solch offener Kritik konfrontiert zu werden, ist nicht einfach“, weiß Ben Said. Andererseits erkannten die Mitarbeiter die Vorgehensweise ihrer Chefs an. „Die machen sich wirklich ‚nen Hut’ wegen uns“, hörte man reihum.
Am Ende des Sonntags standen eine gemeinsam erarbeitete Zielvereinbarung und umfangreiche Verhaltensregeln für die Zukunft fest. Von Pünktlichkeit über Ehrlichkeit bis zu der Art und Weise, wie man einander anredet, steht da alles drin.
Aber das war nur der Anfang. Inzwischen hat sich im Autohaus noch mehr verändert. Das fängt bei vermeintlichen Äußerlichkeiten wie Sauberkeit in der Werkstatt und neuer Arbeitskleidung an und hört bei neuen zielgruppenorientierten Veranstaltungen noch lange nicht auf. Dabei regt Daniela Ben Said dazu an, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Bei einer Veranstaltung für Fahrschüler ging es deshalb nicht nur um die Fahrzeug- und Serviceangebote der Groenewolds. Zusätzlich machte Ben Said mit den jungen Leuten ein Bewerbertraining.
Einmal im Monat trifft sich Daniela Ben Said auch weiterhin mit den Mitarbeitern und bespricht mit ihnen, welche Dinge gut oder auch nicht so gut funktionieren. Gesa Groenewold stellt fest: „Ich habe es jetzt viel leichter mit meinen Mitarbeitern. Sie sind hoch motiviert und machen selbst Vorschläge.“ So entstand der neue 24-Stunden-Pannendienst gemeinsam mit dem ADAC. Das bessere Klima spüren auch die Kunden: Bei den Telefonaten, die das Autohaus nach einem Werkstattbesuch führt, heißt das Ergebnis immer öfter: 100-prozentig zufrieden.
Gesa Groenewold und Daniela Ben Said lehnen sich allerdings noch nicht zurück. Im Gegenteil: Sie haben noch eine Menge Ideen, wie man neue Kunden gewinnen kann. Das wäre allerdings schon wieder eine neue Geschichte.
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