Schaeffler Weg vom Auto, hin zur Wehrtechnik

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

Das Automobilgeschäft ist härter geworden, die Margen schrumpfen und viele Zulieferer suchen neue Geschäftsfelder. Auch der Schaeffler-Konzern setzt auf Diversifizierung der Kunden und will vermehrt die Verteidigungs- und Raumfahrt-Industrie bedienen.

Der Industriekonzern Schaeffler will die Aktivitäten jenseits des Automotive-Geschäfts stärken.(Bild:  Schaeffler)
Der Industriekonzern Schaeffler will die Aktivitäten jenseits des Automotive-Geschäfts stärken.
(Bild: Schaeffler)

Der vor allem für die Autoindustrie tätige Zulieferer Schaeffler will künftig große Teile seines Geschäfts außerhalb des traditionellen Tätigkeitsbereichs erwirtschaften. Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld nannte im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur etwa den Bau von Teilen für humanoide Roboter sowie Produkte für die Verteidigungsindustrie als neue Betätigungsfelder.

„Wir haben uns vorgenommen, dass wir 2035 zehn Prozent unseres Umsatzes aus neuen Aktivitäten erzielen wollen“, sagte Rosenfeld. „Wenn wir 2035 bei etwa 30 Milliarden Euro Umsatz liegen, dann müssen wir 3 Milliarden Umsatz aus neuen Wachstumsfeldern erzielen“, betonte er. Dazu zählten zum Beispiel humanoide Roboter, aber auch die Verteidigungsindustrie oder die Raumfahrt. „Die 3 Milliarden werden wir hinbekommen.“

Das Thema humanoide Roboter sei derzeit sehr gefragt. „Wir können uns aktuell vor Interesse nicht retten.“ Es gebe mehr als 28 Aufträge für Prototypen. Schaeffler müsse sich hierfür nicht neu erfinden, sondern könne seine Erfahrungen aus der Präzisionsmechanik oder aus der Leistungselektronik einsetzen.

Lieferketten für Verteidigung neu denken

Für den Verteidigungsbereich gelte Ähnliches: Für den Drohnenbauer Helsing etwa würden kleine, sehr hochleistungsfähige Elektromotoren geliefert. „Die können wir heute schon“, sagte Rosenfeld. Allerdings müssten die Lieferketten überdacht werden. Diese müssten frei von Produkten etwa aus China, möglichst auch aus den USA sein. So müsse etwa eine inländische Quelle für die in den Motoren verbauten Magneten gefunden werden.

Der Automotive-Bereich bleibe jedoch auch auf lange Sicht ein Hauptfeld für Schaeffler. Komponenten für Verbrennermotoren würden noch lange Zeit gebraucht. „Wir glauben an die E-Mobilität“, betonte Rosenfeld. Aber es werde noch eine lange Zeit Antriebe mit Verbrennungsmotoren geben oder zumindest Elemente daraus. Auch für Reparaturen werden die Verbrenner-Komponenten weiterhin gebraucht. „Das ist ein starkes Geschäft bei uns.“ Aus der Sicht des Managers seit noch nicht genug getan, um das Thema Recycling von Autos über den Lebenszyklus vom Anfang bis zum Ende zu durchdenken. „Die gesamte Kreislaufwirtschaft hat aus meiner Sicht viel mehr zu bieten, als wir bisher denken.“

Rosenfeld betonte, dass Europa wieder seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen müsse. „Das ist nicht einfach. Aber es gibt durchaus gute Voraussetzungen: Der starke Mittelstand in Deutschland und Europa, die Innovationskraft, die wir seit Jahren unter Beweis stellen, unsere Technologiekompetenz, vor allem auch in der Fertigung.“ Er plädierte dafür, nicht zu schwarz zu malen, trotz aller Widerstände. Denn im Kern mache die Kombination aus Innovation, Technologie und fleißigen, engagierten Leuten die Besonderheit der europäischen Industrie aus.

Schaeffler ist nach der Fusion mit dem Elektroantriebsspezialisten Vitesco zu einem der zehn größten Zulieferer weltweit aufgestiegen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 110.000 Mitarbeiter und setzt pro Jahr rund 24 Milliarden Euro um. Die Aktien des börsennotierten Unternehmens sind zu großen Teilen noch immer im Besitz der Eignerfamilie um Matriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und deren Sohn Georg F.W. Schaeffler.

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