Nissan startet in England die Produktion der mittlerweile dritten Leaf-Generation. Das Werk Sunderland hat sich zur größten Autofabrik des Landes gemausert und setzt dabei zunehmend auf Elektromobilität – mit Batterie-Giga-Factory in unmittelbarer Nachbarschaft.
Im Nissan-Werk in Sunderland ist die Produktion des neuen Leaf angelaufen. An dieser Station werden Karosserie und Akku verheiratet.
(Bild: Nissan)
Welcher Autohersteller kann schon von sich behaupten, bereits die dritte Generation eines Elektromodells zu produzieren? Einzig Nissan. Mit dem Leaf zeigten die Japaner bereits vor über 15 Jahren wahren Pioniergeist und wagten früh den Weg in die E-Mobilität. Das zugegebenermaßen optisch gewöhnungsbedürftige Kompaktauto war das erste Serien-BEV (Battery Electric Vehicle), das in größeren Stückzahlen gebaut wurde – seit 2013 auch im englischen Werk in Sunderland.
Die Fabrik nahe der Stadt Newcastle ist heute die größte zusammenhängende Autoproduktionsstätte des Landes. Wer hätte dies jemals gedacht? Als Nissan zu Beginn der 80er-Jahre erstmals den Spaten in den Baugrund steckte, galt das Projekt als ein revolutionäres Wagnis. Ein Japaner kommt nach Europa, um Autos hauptsächlich für Europa zu bauen.
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Dass die Wahl auf den Nordosten von England fiel, dazu dürften zum einen die strategisch günstige Lage (nahe gelegener Tiefseehafen), die hohe Arbeitslosigkeit durch die Schließung von Werften und Minen und zum anderen wohl auch die üppigen Finanzspritzen der britischen Regierung beigetragen haben. Die Eröffnungsrede im September 1986 hielt Premierministerin Margaret Thatcher. Als erstes Modell rollte der Nissan Bluebird vom Band.
Alle zwei Minuten ein Auto
Mittlerweile haben über 11,8 Millionen Autos Sunderland verlassen, darunter Nissans europäischer Bestseller Qashqai, der markant gestylte Juke, der Kleinwagen Micra, die Limousine Primera und bis vor Kurzem das Elektromodell Leaf. Bei 39 Jahren Produktionsdauer macht das rechnerisch alle zwei Minuten ein Auto, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.
Der neue Leaf ist Nissans erstes Modell, das unter der „Vision EV36Zero“ entstand. Im Vordergrund stand dabei eine möglichst gute Effizienz des Antriebs. Die Ingenieure erreichten beim Leaf den niedrigsten Verbrauch und die größte Reichweite im Segment. Doch auch bei der Einbindung ins Ökosystem möchte man Trendsetter sein. So kann die Batterie des Leaf beispielsweise bidirektional eingesetzt werden und externe Verbraucher mit Strom versorgen (V2L, Vehicle to Load) genannt. Auch die Einspeisung von Strom ins Netz (V2G, Vehicle to Grid) ist möglich, so dass der Leaf Teil der Energieversorgung wird.
Gerne hätte Nissan im Zuge von „EV36Zero“ auch verkündet, dass der neue Leaf in seinem gesamten Produktionsprozess mit Strom aus erneuerbaren Quellen gebaut wird und damit keinen anfänglichen CO2-Rucksack mehr zu schleppen hat. Doch derzeit erreichen die Solarzellen und Windräder auf dem Werksgelände zusammen mit dem Öko-Anteil aus dem Netz lediglich etwa 20 Prozent. Das Ziel in den kommenden Jahren ist, diesen Anteil kontinuierlich zu erhöhen.
Lokale Gigafactory liefert 75-kWh-Batterien
Wenn nächsten April der Leaf in der dritten Generation zu den Händlern rollt, startet er mit einer NMC-Batterie von 75 kWh. Die Zellen der neuesten Generation hierfür kommen nicht etwa aus China, Korea oder Japan und müssen um die halbe Welt geschifft werden, sondern stammen aus der unmittelbaren Nachbarschaft, von AESC, die hier eine nagelneue Gigafactory errichtet haben.
Wer dort je die Gelegenheit einer Werksführung hat, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, beziehungsweise weiß, warum der Hochvoltspeicher das teuerste Element eines Elektroautos ist. Reinheit ist oberstes Gebot. Bei der Kathoden- und Anoden-Herstellung geht es sauberer zu als im Operationssaal eines Hospitals. Im weiteren Prozess stapeln, kleben und schweißen Roboter die prismatischen Zellen hochpräzise zusammen. Alles läuft vollautomatisiert. Mehrere Zehntausend Zellen können so pro Tag hergestellt werden.
Genug, um nicht nur den Leaf mit Speicherkapazität zu versorgen. Nissan wird zum Ende nächsten Jahres ebenso den neuen Juke als Vollstromer anbieten. Auch er läuft dann in Sunderland vom Band. Um Kunden jedoch nach wie vor die Wahl Antriebsalternativen anbieten zu können, wird der heutige Juke über seinen normalen Lebenszyklus hinaus noch als Verbrenner und Hybrid weitergebaut.
Micra ab 27.990 Euro
Beim Micra hingegen, einst ebenfalls ein Sunderland-Kind, verfolgt Nissan einen anderen Weg. Ihn gibt es ausschließlich als BEV. Den Kompaktstromer lassen die Japaner zusammen mit dem technisch identischen Renault R5 Electric in Frankreich produzieren. Seit September kann man den Micra bestellen, er kommt Anfang 2026 auf den Markt und kostet ab 27.990 Euro.
Stand: 08.12.2025
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Abrunden wird Nissan sein BEV-Angebot ab 2027 zunächst nach unten. Denn City-Stromer im A0-Segment und zu Preisen von um die 20.000 Euro sind im Kommen und sollen dem Umstieg zur E-Mobilität beschleunigen. Das zeigen unter anderem die Anstrengungen von Volkswagen mit dem VW ID 1 (vermutlicher Name: ID Up!). Nissans Partner Renault hält mit dem elektrischen Twingo dagegen. Auf gleicher Basis wird Nissan ebenfalls ein Modell auf die Räder stellen. Einen Namen verraten die Japaner allerdings nicht. Zwar gab es bis 2013 einen Pixo in Kooperation mit Suzuki, dass Nissan jedoch diese Modellbezeichnung reanimiert, dürfte unwahrscheinlich sein.
Neun verschiedene Modelle mit 22 Varianten wurden bislang in Sunderland gebaut. Vier davon, Qashqai, Micra, Primera und Juke, haben jeweils die Millionen-Marke geknackt.