Zulieferer ZF behält Division E – und spart kräftig

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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ZF Friedrichshafen wird seine Antriebssparte „Division E“ nicht verkaufen. Dafür muss der Geschäftsbereich harte Sparpläne aushalten.

Der neue ZF-Chef Mathias Miedreich und die Arbeitnehmer haben sich auf die ersten großen Schritte bei der Sanierung des Zulieferers geeinigt.(Bild:  ZF Group)
Der neue ZF-Chef Mathias Miedreich und die Arbeitnehmer haben sich auf die ersten großen Schritte bei der Sanierung des Zulieferers geeinigt.
(Bild: ZF Group)

Der Verkauf der Antriebssparte „Division E“ beim hoch verschuldeten Autozulieferer ZF Friedrichshafen im Zuge der Sanierung ist kein Thema mehr. Die teilte das Unternehmen nach einer Einigung auf ein Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall mit. Eine Ausgliederung der Division werde nicht mehr angestrebt.

Stattdessen solle in der Kernsparte des zweitgrößten deutschen Autozulieferers die Wettbewerbsfähigkeit der Bestandsprodukte mit einem Umbau aus eigener Kraft wiederhergestellt werden. Zugleich sollten aber Partnerschaften für bestimmte Bereiche der Elektromobilität geprüft werden.

7.600 Stellen sollen entfallen

Management und Arbeitnehmer einigten sich auf umfassende Sparmaßnahmen, die zu Kosteneinsparungen von über 500 Millionen Euro bis 2027 führen sollen. Bei der Division E, die elektrische, hybride Antriebe und Verbrenner entwickelt und produziert, wird bis 2030 der Abbau von 7.600 Arbeitsplätzen erwartet.

Ein Sprecher betonte, dass dies kein zusätzlicher Jobabbau sei – zu den bis Ende 2028 kommunizierten bis zu 14.000 Stellen. Betriebsbedingte Kündigungen sollten in der Kernsparte nach wie vor vermieden werden. Es wird weiter unter anderem auf Altersteilzeit, Abfindungen und Vorruhestand gesetzt. Das Freiwilligenprogramm soll Mitte Oktober starten.

Harte Einschnitte für Beschäftigte

Der neue ZF-Vorstandschef Mathias Miedreich, der den Posten an diesem Mittwoch (1. Oktober) übernahm und den umstrittenen Holger Klein ablöste, sagte: „Mit dem Bündnis beschreiten wir in der Industrie neue Wege und erreichen einen Meilenstein für ZF. Ziel ist, unsere Position als technologisch führender Top-Player im Markt langfristig zu stärken und unsere Wettbewerbsfähigkeit deutlich zu steigern. Uns ist bewusst, dass der Weg dorthin mit harten Einschnitten für unsere Mitarbeitenden einhergeht“.

Werksschließungen bei der Division E in Deutschland seien nicht geplant. Große Produktionsstätten gibt es am Stammsitz am Bodensee, in Saarbrücken und im bayerischen Schweinfurt. In der Antriebssparte sind weltweit etwas weniger als 30.000 Menschen beschäftigt, gut zwei Drittel davon in Deutschland.

Lohnerhöhungen verschoben und kürzere Arbeitszeit

ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich sagte: „Uns war wichtig, dass der Pkw-Antrieb – das Herzstück unseres Unternehmens – auch weiterhin eine Zukunft bei ZF hat und die Ausgliederung der Division E vom Tisch ist. Dieses Bündnis betrachten wir auch als Signal über ZF hinaus, dass Technologien und Produkte ‚Made in Germany‘ eine gute Perspektive haben“. Das gemeinsame Ziel sei, dass ZF wieder selbstbewusst auftritt, motivierte Beschäftigte an innovativen Produkten arbeiten und das Unternehmen technologisch an der Spitze steht. „Der Deal ist für uns völlig in Ordnung.“

So soll unter anderem die für April 2026 vorgesehene tarifliche Lohnerhöhung in Höhe von 3,1 Prozent auf Oktober verschoben werden, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Für die Beschäftigten der Division E in Deutschland und an den Standorten Schweinfurt und Friedrichshafen im Betrieb Z – Verwaltung, Forschung und Entwicklung – sinkt die wöchentliche Arbeitszeit bis Ende 2027 um in der Regel rund sieben Prozent auf dann 32,5 Stunden in der Woche; bei entsprechend weniger Gehalt.

Milliardenschulden bei ZF

Das Stiftungsunternehmen machte im ersten Halbjahr einen Verlust von 195 Millionen Euro. Da die Märkte sehr instabil seien, sei auch im Gesamtjahr ein Verlust zu erwarten, hieß es. Dann würde ZF im zweiten Jahr in Folge ins Minus rutschen. ZF war in den vergangenen Jahren auf Einkaufstour – und das hat eine Menge Geld gekostet. Insbesondere die Käufe des Automobilzulieferers TRW und des Bremsenspezialisten Wabco müssen verarbeitet werden. Die Nettoverbindlichkeiten beliefen sich Ende Juni auf rund 10,5 Milliarden Euro.

In Zeiten der Niedrigzinsphase war die Finanzierung noch relativ günstig. Aktuell muss das Unternehmen nach Angaben eines Sprechers im Schnitt 4,5 Prozent an Zinsen zahlen. Es geht um Hunderte Millionen Euro. Geld, das an anderer Stelle fehlt – um Beispiel bei Zukunftsprodukten.

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