Handelsstreit Zölle auf E-Autos würden Kaufpreise spürbar verteuern

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Höhere Zölle auf chinesische E-Autos würden die Fahrzeuge spürbar verteuern. Das zentrale Argument im Wettbewerb würde entfallen: der Preisvorteil. Ob die EU den Zoll-Stock schwingt, ist aber noch immer offen.

Die Handelsbeziehungen zu China werden schwieriger, jetzt droht ein Zollstreit um E-Autos.(Bild:  BASF)
Die Handelsbeziehungen zu China werden schwieriger, jetzt droht ein Zollstreit um E-Autos.
(Bild: BASF)

Mögliche EU-Zölle auf chinesische Elektroautos hätten nach Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) spürbar steigende Kaufpreise für Elektroautos zur Folge. Bei Zöllen in Höhe von 20 Prozent würde der Import aus China um 25 Prozent oder schätzungsweise 125.000 Elektroautos im Wert von 3,8 Milliarden US-Dollar (3,5 Mrd. Euro) zurückgehen, berichtete das Institut am Freitag, 31. Mai, unter Hinweis auf Simulationsberechnungen. Das beträfe auch viele in China produzierende deutsche Autohersteller.

„Angesichts der chinesischen Subventionspraxis ist es richtig, dass sich die EU-Kommission Strafzölle als Antwort darauf vorbehält“, sagte IfW-Präsident Moritz Schularick. „Wichtig ist dabei, dass die Autorität der Kommission nicht von einzelnen Mitgliedsländern aufgrund von Partikularinteressen untergraben wird, denn eine gespaltene EU ist eine schwache EU.“

Vor kurzem hatten die USA die Zölle für Elektroautos aus China drastisch erhöht. Die Spannungen zwischen den Handelspartnern nehmen bereits seit einiger Zeit deutlich zu. Die EU untersucht derzeit, inwiefern China den Markt für E-Autos verzerrt. Eine Entscheidung, ob die EU etwa Strafzölle erhebt, steht noch aus. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die deutsche Wirtschaft hatten sich gegen solche Zölle ausgesprochen.

Europäische Produkte profitieren

Das Institut rechnet damit, dass als Folge von EU-Zöllen fast im gleichen Ausmaß die Verkäufe heimisch produzierter Elektroautos im EU-Binnenmarkt steigen dürften: konkret um 3,3 Milliarden Dollar. Die Ökonomen gehen davon aus, dass nur ein Teil des Zuwachses durch eine höhere Produktion innerhalb der EU gedeckt würde. Autos im Wert von rund 1 Milliarde Dollar dürften vom Export in den heimischen Verkauf umgeleitet werden. Eine Gegenreaktion Chinas ist in den Berechnungen des Instituts nicht enthalten.

Die Ökonomen gehen außerdem von einer sinkenden Nachfrage nach Vorleistungen für die Produktion aus der EU aus, wenn China weniger E-Autos ausführt. EU-Exporte von Autos und Autoteilen dürften als Folge von Zöllen um 0,6 Prozent oder 237 Millionen Dollar sinken. Bereits ohne eigene chinesische Zölle würden EU-Exporte nach China um mehr als 600 Millionen Dollar zurückgehen.

Anfang Oktober hatte die EU-Kommission offiziell eine Untersuchung gestartet, ob E-Autos in China von wettbewerbsverzerrenden Subventionen profitieren. Wann eine Entscheidung über höhere Zölle für chinesische E-Autos fällt, ist noch offen. Das chinesische Außenamt in Peking hat jüngst kritisiert, dass hinter den Zoll-Überlegungen Handelsprotektionismus stecke. Das Verfahren der europäischen Seite enthalte viele ungerechtfertigte Praktiken, sagte Sprecherin Mao Ning. „Die chinesische Seite fordert die europäische Seite auf, die Untersuchung so schnell wie möglich zu beenden“, sagte sie. Sollte die EU stur daran festhalten, werde China nicht tatenlos zusehen und notwendige Maßnahme ergreifen.

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