Kaum ist sie da, hagelt es Kritik und es gibt Forderungen zur Nachbesserung. Die neue E-Kaufprämie werde ihre Zielgruppe nicht erreichen; denn Käufer mit kleinerem Budget entscheiden sich für gebrauchte Autos. Für die gibt es aber keinen Zuschuss.
Die angekündigte Kaufprämie verfehlt ihr Ziel und ist in Teilen schlecht gemacht, heißt es aus der Automobilbranche.
Im Ansatz gut, aber schlecht umgesetzt – so lassen sich die Reaktionen aus der Branche auf das am Montag bekannt gegebene staatliche Förderprogramm für Elektrofahrzeuge zusammenfassen.
Der Kfz-Handel begrüßt das Programm grundsätzlich, äußert jedoch Kritik an der Umsetzung. „Für den Erfolg der Prämie ist entscheidend, wie klar, verlässlich und vor allem zeitnah der Zugang zur Förderung ausgestaltet ist. Der späte Start des Antragsportals ist aus Sicht des bayerischen Kraftfahrzeuggewerbes mit Risiken für den Fahrzeugmarkt verbunden“, teilte Günter Friedl, Präsident des bayerischen Kfz-Gewerbes, mit.
Nach Angaben des Umweltministeriums sollen Förderanträge erst ab dem 1. Mai über ein Online-Portal möglich sein. Zwar gilt die Förderung rückwirkend ab dem 1. Januar 2026, dennoch befürchtet das Kfz-Gewerbe, dass Kunden ihre Kaufentscheidungen bis Mai aufschieben. Friedl warnt: „Ein Förderprogramm, das erst Monate später beantragt werden kann, bremst Kaufentscheidungen und verunsichert Kunden wie Händler gleichermaßen.“
Kritik am Tag der Zulassung
Positiv bewertet das Kfz-Gewerbe Hessen hingegen das „Herzstück der Förderung“. Gefördert werden alle Elektrofahrzeuge mit Neuzulassung ab dem 1. Januar 2026 – sowohl vollelektrische Fahrzeuge (BEVs) als auch Plug-in-Hybride (PHEVs), unabhängig davon, ob sie gekauft oder geleast werden. „Die neue Förderung setzt aus unserer Sicht die richtigen Anreize, um vielen Kundinnen und Kunden unserer Autohäuser den Einstieg in die Elektromobilität zu erleichtern“, erklärt Michael Kraft, Präsident des Landesverbands Hessen des Kfz-Gewerbes.
Kritik kommt aus Schleswig-Holstein, wo insbesondere moniert wird, dass erneut der Tag der Zulassung und nicht der Kaufzeitpunkt für die Förderung maßgeblich ist. „Wer jetzt einen Vertrag abschließt, weiß oft nicht, wann das Fahrzeug geliefert wird. Das birgt Risiken, besonders gegen Ende des Förderzeitraums. Zudem fehlt die Einbeziehung gebrauchter E-Fahrzeuge. Hier hätten Ladekarten als Förderinstrument eine sinnvolle Lösung sein können – ein Vorschlag, der leider ignoriert wurde“, sagt Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein.
Zweifel an Wirkung der sozialen Komponente
Die soziale Komponente der Förderung begrüßt Sontag zwar, hält sie aber in der Ausgestaltung für fragwürdig. Ob die anvisierte Zielgruppe tatsächlich neue Fahrzeuge kauft oder least, sei offen. Eine Förderung für gebrauchte E-Autos wäre aus seiner Sicht zielführender gewesen.
Ähnlich äußert sich der ACV Automobil-Club Verkehr. Die neue Förderung orientiere sich bislang zu wenig an den Lebensrealitäten jener Menschen, die sie erreichen soll. Gerade in Haushalten mit mittleren und niedrigeren Einkommen komme eher der Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs in Betracht.
„Wenn die Förderung tatsächlich vor allem sozial wirksam sein soll, muss sie schnellstmöglich auch auf gebrauchte Elektroautos ausgeweitet werden“, fordert ACV-Geschäftsführer Holger Küster. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass sie an genau den Menschen vorbeilaufe, für die sie gedacht sei.
ACE fordert Deckelung bei den Fahrzeugen
Außerdem hält der Auto Club Europa (ACV) es für eine Fehlentscheidung, dass es keine Preisobergrenze für förderfähige Fahrzeuge geben soll. Ohne eine Deckelung würden vor allem hochpreisige Fahrzeuge verkauft – eine Begrenzung sei daher notwendig, um insbesondere den Absatz günstiger Modelle zu stärken. Wenn die Bundesregierung Elektromobilität wirklich in die Breite bringen will, müsse sie gezielt bezahlbare Fahrzeuge fördern. Der ACE fordert daher, dass lediglich Fahrzeuge bis zu einem Listenpreis von 35.000 Euro brutto gefördert werden.
Die reine Neuwagenförderung hält auch das Unternehmen für Prüfungs- und Beratungsleistungen Deloitte für verfehlt und weist auf eine eigene Studie hin. Demnach sei der Preis das wichtigste Kriterium beim Autokauf. Ein Viertel der deutschen Konsumenten möchte danach für ihr nächstes Fahrzeug weniger als 15.000 Euro ausgeben. Zweifel an der E-Mobilität gebe es inzwischen deutlich weniger. Denn 39 Prozent würden ein elektrifiziertes Fahrzeug wählen.
DAT warnt vor Risiken für Restwerte
Auch die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) sieht offene Fragen. Sie verweist auf ihren aktuellen, noch unveröffentlichten DAT-Report 2026. „Daraus wissen wir, dass private Neuwagenkäufer – für die die Fördermaßnahmen gedacht sind – für ein E-Auto 2025 im Schnitt 47.160 Euro bezahlt haben. Diese Zahl ist höher als das Haushaltseinkommen von 45.000 Euro (zzgl. zwei Kinder und mehr unter 18 Jahren), das für die maximale Förderung gilt. Diese Zielgruppe schaut sich nach unserer Kenntnis eher auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach einem passenden Fahrzeug um“, sagt Martin Weiss, Leiter DAT-Fahrzeugbewertung.
Stand: 08.12.2025
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Zudem ignoriere die Förderung den gesamten bestehenden Pkw-Bestand an Elektrofahrzeugen. Die Restwerte gebrauchter E-Autos gerieten bei einer reinen Neuwagenförderung weiter unter Druck. Insbesondere die ursprünglich vereinbarten Restwerte von Leasingfahrzeugen könnten am Ende kaum erfüllbar sein.
DUH hält Förderung für wirkungslos
Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert das Förderprogramm als industriepolitisch fehlgeleitet und klimapolitisch wirkungslos. Die Bundesregierung unterstütze damit vor allem Autohersteller statt Verbraucher. Durch die Einbeziehung von Plug‑in‑Hybriden und schweren E‑SUVs würden Fahrzeuge mit hohem Energieverbrauch weiterhin subventioniert, während echte Anreize für klimafreundliche Mobilität fehlten. Zudem bleibe der Strompreis für E‑Autofahrer hoch, was den Umstieg auf Elektromobilität zusätzlich bremse.