Zwischen Gangstern und Göttin
Die hohen Entwicklungskosten zum Traction Avant dürften dazu beigetragen haben, dass das Unternehmen 1934 Konkurs anmelden musste, ein Jahr bevor André Citroën starb. Frontantrieb, selbsttragende Karosserie, vordere Einzelradaufhängung und Hydraulikbremsen prägten als Neuerungen das Modell. Die „Gangsterlimousine“ hatte in vielen Kriminalfilmen eine feste Rolle.
Der Traction Avant war das Meisterwerk von André Lefèbvre (Technik) und Flaminio Bertoni (Design). Ihre automobile Weltrevolution folgte 20 Jahre später: 1955 präsentierte das Unternehmen „La Déesse“ auf dem Pariser Salon. Die Göttin verzauberte die automobile (Fach-)Welt. Schon am ersten Messetag wurden 12.000 Kaufverträge unterschrieben. Nach zehn Tagen hatte Citroën 80.000 Aufträge in den Büchern. Dem Reiz der Göttin erlagen also viele, auch der Hersteller selbst: 2014 gründete das Unternehmen mit DS Automobiles eine eigenständige Premiummarke. Doch die Göttin hinterlässt große Spuren, die nur schwer zu füllen sind.
Citroën versuchte, neue Technologien mit französischem Charme zu kombinieren. Das klappte mal besser, mal schlechter. Modelle wie Ami, Dyane, Méhari und GS kamen auf die Straße. Als letztes eigenständiges Modell kam der CX, dann übernahm Peugeot 1975 den französischen Wettbewerber.
Citroën wuchs mit Peugeot zusammen. Die beiden Marken teilten sich die Plattformen. Die Fahrzeuge wurden ähnlicher. Nur wenige Modelle tanzten richtig aus der Reihe wie die erste Generation des C4 Cactus und des E-Méhari. Beide haben es sehr schwer am Markt.
Auf Citroën-Chefin Linda Jackson, eine der ersten Frauen an der Spitze einer Automobilmarke, warten große Herausforderungen. Doch pünktlich zum 100-jährigen Bestehen scheint die Marke die Krise der vergangenen Jahre ein Stück hinter sich gelassen zu haben. Alles Gute zum 100-jährigen Bestehen.
(ID:45717435)