Vor nunmehr 100 Jahren setzten die „Verkehrswacht“, der Opel „Laubfrosch“ und die italienische A8 Initialzündungen zur Massenmotorisierung. Diese und rund 400 weitere spannende Jubiläen stehen im kommenden Jahr an.
2024 jährt sich der Geburtstag von Carl Benz – der Erfinder des Patent-Automobils würde 180 Jahre alt werden.
(Bild: Mercedes-Benz)
Nie waren sie so wichtig wie heute, die großen geschichtlichen Jubiläen. Sogar die frisch auf den deutschen Markt drängenden chinesischen Hersteller wie die vor 40 Jahren gegründete Great Wall Motor (GWM) blicken stolz auf ihre Historie, ganz nach dem Credo des preußischen Gelehrten Wilhelm von Humboldt: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ Tatsächlich vermitteln legendäre Meilensteine gerade in dieser Zeit globaler Multikrisen einen Hauch Faszination, die Marken begehrenswert macht.
Deshalb zelebrieren auch 2024 alle Automobilmarken von Abarth (75 Jahre Autobau) bis Volvo (80 Jahre „Buckel-Volvo“ PV444) ihre besonderen Geburtstage, sodass es im kommenden Jahr insgesamt mehr als 400 Jubel- und Gedenktage zu würdigen gibt. Es ist ein Geburtstagskalender, der vom mittelalterlichen Lübecker Stadtrecht, das 1294 den Straftatbestand der Fahrerflucht für Kutscher einführte, über die vor 125 Jahren in Paris publizierte, erste Straßenverkehrsordnung bis zum Beginn der ehrenamtlichen Verkehrssicherheitsarbeit durch die „Verkehrswacht“ im Jahr 1924 reicht.
Damals kam mit dem Opel 4 PS „Laubfrosch“ das erste deutsche Fließbandauto in Fahrt, während in Italien die weltweit erste Autobahn (Mailand-Varese) eröffnet wurde. Staus gab es vor 100 Jahren auch schon, etwa am Potsdamer Platz in Berlin, trotz des neuen „Verkehrsturms“, der ersten Ampelanlage in Deutschland.
Es ist ein faszinierend-buntes Potpourri an runden Jahrestagen, das Menschen ebenso berücksichtigt (so den 180. Geburtstag von Carl Benz, Erfinder des Patent-Automobils, oder den 80. Todestag von Automobilpionier Louis Renault) wie Markengründungen: Der Turiner Volumenhersteller Fiat wird nächstes Jahr 125.
MG, die einst britische Sportwagenschmiede, kann 100 Kerzen anzünden, der koreanische Kia-Konzern wurde vor 80 Jahren gegründet, Ferruccio Lamborghini begann vor 75 Jahren mit dem Traktorbau und der Autobau bei Peugeot zählt 135 Jahresringe. Dagegen feiert Dacia (gegründet 1968) erst seit 20 Jahren große Erfolge: Als relaunchte Billigmarke von Renault lancierten die Rumänen Modelle wie den kleinen Sandero, das meistverkaufte Fahrzeug auf dem europäischen Privatmarkt.
Kleinwagen zeichnen sich aber nicht immer durch kleine Preise aus: So blieb der Benz Velo – vor 130 Jahren der weltweit erste Kleinwagen und das erste Serienautomobil – wohlhabenden Käufern vorbehalten. Auch der 1974 lancierte, zukunftsweisend moderne Cityflitzer Audi 50 und der 1984 folgende Peugeot 205 T16 als heißblütiger Sportler waren keineswegs billig.
Autos für die breite Masse
Dagegen realisierten Typen wie Trabant 601, Fiat 850 und Skoda 1000 MB (Debüt sämtlich 1964) oder Saab 92 (Serienstart vor 75 Jahren) vielen den Traum vom ersten eigenen Auto, während der Volkswagen Golf vor 50 Jahren nicht nur den VW Käfer beerbte, sondern auch einer ganzen Generation an Deutschen als Fahrschulauto, Familiengefährt und Spaßgerät diente.
Apropos Spaß: 2024 werden Chrysler Sport Fury und Ford Mustang 60, und die zahlreichen US-Car-Meets werden es nicht versäumen, diese frühen Muscle-Cars hochleben zu lassen. Lange Motorhaube, kurzes Heck, diese Dynamikmerkmale beschleunigten vor 55 Jahren auch Ford Capri und Nissan 240Z zu spektakulären Absatzerfolgen.
Ganz andere Tempomaßstäbe setzte 1974 der Porsche 911 Turbo als weltweit erster Seriensportwagen mit Abgasturboaufladung. Bei der Premiere auf dem Pariser Salon musste der Porsche-Stand fast wegen Überfüllung geschlossen werden, so dicht drängten sich die Speedjunkies um den 250 km/h schnellen Turbo-Superstar, der rasanter auf Tempo 100 sprintete als sämtliche V12-Ferrari.
Vielleicht war es auch die Erleichterung über die vor 50 Jahren gerade überstandene erste Ölkrise, die derartig euphorische Gefühle förderte. Während damals einerseits vermeintlich sparsame Normalbenziner wie Fiat 127 N, BMW 1502 und Ford Mustang II oder aber der Mercedes-Benz 240 D 3.0 als erster effizienter Fünfzylinder-Diesel debütierten, verkörperten VW Scirocco, Ford Capri II, Opel Manta GT/E, Alfa Romeo Alfetta GT oder Maserati Merak frische Sportlichkeit.
Die sicheren Siebziger
1974 war jedoch zugleich ein Jahr, in dem Sicherheit forciert wurde, so gilt auf Bundesautobahnen seitdem Richtgeschwindigkeit 130, und das Kraftfahrt-Bundesamt führte das Punktesystem für Regelverstöße ein. Volvo präsentierte derweil sein bis heute erfolgreichstes Modell, den kantigen 240, den die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA zur Referenzbaureihe für ihre Sicherheitsforschung wählte.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Aber auch die Franzosen zeigten vor einem halben Jahrhundert Flagge: Ob futuristischer Citroen CX, ultrakurzes City-Coupé Peugeot 104 C oder exklusives Peugeot 504 Coupé als erster gallischer V6 der Nachkriegszeit, das alles kündete von erfrischender Kreativität, die sich 1984 fortsetzte. Damals rätselten die Kunden, ob der unkonventionelle Renault Espace ein Raumgleiter, ein Kombi, ein Transporter oder alles zusammen sein sollte. Tatsächlich dauerte es mehrere Jahre, bis dieser Van-Vorreiter den MPV-Hype in Fahrt brachte.
Allradmodelle auf dem Vormarsch
Dabei startete der Espace doch parallel zu Chrysler Voyager, Honda Shuttle, Mitsubishi Space Wagon oder Nissan Prairie. Da fiel es den Allradmodellen 1984 leichter, rasch die Herzen zu erobern, zumal, wenn es sich um pfiffige Open-Air-Offroader wie den kleinen Suzuki SJ 413 handelte. Aber auch Pkw vom kleinen Subaru Justy über den kompakten Alfa 33, den wilden Gruppe-B-Reiter Ford RS 200, den Mittelklasse-Megaseller VW Passat Variant bis zum großen Audi 200 gab es nun mit vier angetriebenen Rädern.
Endgültig in der Oberklasse etablierte sich die 4x4-Technik 1994, als der Audi A8 mit quattro-Signet und erster in Großserie gebauter Alu-Karosserie den gleichfalls neuen BMW 7er (E38) und die etablierte Mercedes S-Klasse (W140) attackierte. Erfolgreich, wie sich wenige Jahre später zeigte, als der A8 zur deutschen Staatskarosse avancierte.
Klassiker ohne Verdeck
Auch Cabriofreunde haben 2024 Anlass zur Freude. Zwar ist die Auswahl an Frischluftmodellen derzeit klein, dafür locken Klassiker: Vor 90 Jahren debütierten die Eclipse-Modelle Peugeot 301 und 401 als weltweit erste Coupé-Cabriolets, und BMW präsentierte mit zweisitzigen 315 den Urahnen der bayerischen Roadster-Dynastie. Dagegen holte die Mercedes vor 70 Jahren zum Doppelschlag aus: Der 300 SL Flügeltürer gilt als glamourösestes Supercar der Wirtschaftswunderjahre, und der kleine Roadster 190 SL entpuppte sich als Sonnenkönig und Garagengold.
Kein Wunder, fuhren doch viele Stars diesen Stern: ob Gina Lollobrigida, Grace Kelly, Romy Schneider, Frank Sinatra, Alfred Hitchcock oder Rosemarie Nitribitt, deren tragisches Schicksal schon 1958 in einem Kino-Kassenschlager aufgegriffen wurde. Natürlich inklusive 190 SL.
Autokinos gibt es in Deutschland seit 1954, wirklich etabliert hat sich diese Idee aber erst zehn Jahre später, als Geheimagent James-Bond die Ganoven erstmals im Aston Martin DB5 jagte. Klassiker in Blockbustern und Werbespots: Auch hier hat die Industrie erkannt, dass sich nichts schöner feiern lässt als Autos aus der vermeintlich „guten alten Zeit“.