100 Jahre Mazda: Wie Phönix aus der Asche

Seite: 2/3

Firma zum Thema

Was tun? Der japanische Hersteller hatte 1945 den atomaren Asche-Regen von Hiroshima überlebt und deshalb musste ein sogenannter „Plan Phoenix“ her. Audi/NSU stellte den Ro 80 ein, Citroen den Birotor und Mercedes, GM sowie alle anderen ließen die Wankel-Projekte ebenfalls sterben.

Aber bei Mazda hob der Rotarier ab wie eben der mythische Vogel Phoenix aus der Asche, verbrauchsreduziert und im keilförmigen Sportcoupé RX-7 – ein Sensationserfolg. Sogar der Porsche 924 war chancenlos gegen den schnellen sowie obendrein preiswerten Mazda.

Allein, die Erneuerung der Modellpalette – dazu zählten auch konventionelle Erfolgsträger wie der kompakte 323 und der 626, der in Vergleichstests sogar die Mercedes-Mittelklasse schlug – kostete mehr Geld als Mazda stemmen konnte.

MX-5 als meistverkaufter zweisitziger Sportwagen

Frisches Kapital in der Not kam von Ford, im Gegenzug erwarben die Amerikaner rund ein Drittel der Mazda-Stammaktien. Immerhin verfügten die Japaner nun über eine gut gefüllte Kasse, mit der sie sich in ihr vorläufig größtes Abenteuer stürzten: Die Entwicklung eines offenen Zweisitzers, wie er damals fast ausgestorben war.

Mazda MX-5 hieß der kleine Roadster, der 1989 alle Attribute verführerischer englischer und italienischer Sportwagen in sich vereinte, diese jedoch um Zuverlässigkeit und Preiswürdigkeit ergänzte. Mehr als eine Million Käufer begeisterten sich bis heute bereits für den MX-5, dieses Spaßmobil, für das Fachleute einst keine Chance sahen.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 10 Bildern

Längst avancierte der MX-5 zum meistverkauften zweisitzigen Sportwagen aller Zeiten – und er überlebte fast alle seine Nachahmer. Nicht einmal der zeitweise bei Mazda gebaute MX-5-Zwilling Fiat 124 Spider konnte reüssieren.

Trotzdem wurde auch bei Mazda nicht alles zu Gold, was die Ingenieure entwickelten. Die 1990er Jahre waren ein trübes Kapitel, Ford mischte sich ein und Mazda verzettelte sich zwischen Langweilern wie den letzten 626 und 929 und Premium-Experimenten namens Xedos 6 und Xedos 9. Frischer Schwung musste her, um die Abwärtsspirale zu stoppen.

„Zoom-Zoom“ hieß deshalb das Markencredo fürs 21. Jahrhundert und wie dieses kindliche Freude implizierende Wortgebilde suchte Mazda nach neuem Fahrspaß. Und das erfolgreich mit dynamisch gestalteten Modellen von Mazda2 bis Mazda6 und seit 2012 auch durch Kompakt-SUV´s à la CX-5, CX-3 oder CX-30.

Ford geht als Partner und Toyota kommt

Inzwischen hat sich Ford von den Mazda-Anteilen getrennt und die Japaner fanden mit Toyota einen technischen Kooperationspartner aus Nippon. Schließlich lässt sich die Elektrifizierung der Antriebe nicht aufhalten, wie der im Jubiläumsjahr 2020 startende batterieelektrische MX-30 auf eigenwillige Mazda-Art zeigt.

Dessen Portaltüren zitieren den vorläufig letzten Rotarier RX-8, vielleicht, weil der Wankel auch im MX-30 arbeiten soll, nun als Reichweitenverlängerer. Dagegen erinnern natürliche Korkmaterialien im Interieur des MX-30 an die Ursprünge des Unternehmens vor 100 Jahren.

Kostspielige Alleingänge wagt Mazda übrigens weiterhin, wie das Vertrauen in exzentrische Verbrenner zeigt. So soll der Skyactiv-X-Motor in neuen Mazda-Modellen die Vorteile von Benzin- und Dieselmotoren vereinen, vergleichbar dem Diesotto-Experiment bei deutschen Premiummarken. Aber das ist für die Ingenieure aus Hiroshima wie eh und je nur Antrieb, es besser zu machen – so wie einst beim Wankel.

(ID:46350464)