17. Expertenmeeting: Wettbewerb der Konzepte

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Dr. Ralf Dittmann, Leiter Entwicklung bei Elektron Bremen, merkte an, dass die Qualitätskriterien und das Reparaturverfahren in der Regel von den Fahrzeugherstellern vorgegeben werden. Diese Verfahren seien sehr unterschiedlich und reichten von einfachen Strom-Zeitvorgaben bis hin zur vollautomatischen Maschine. Um ihre Anforderungen abzudecken, habe sein Unternehmen das Schweißsystem Multispot entwickelt, das von einfachen Maschinen bis hin zu modular aufgebauten High-End-Maschinen reiche.

Neu sei die Elcon-Steuerung. Vereinfacht ausgedrückt ermittelt sie die Schweißparameter aus der vorliegenden Blechkombination. Der Benutzer müsse lediglich die Dicke, das Material und eventuelle Sonderbedingungen in die Maschinensteuerung eingeben. Die Maschine bestimme dann aus den vorliegenden Daten den minimal notwendigen Linsendurchmesser. Daraus ergebe sich ein optimal dosierter Energieeintrag in das zu schweißende Blech. Das wiederum bedeute, dass das Gefüge in den Blechen so wenig wie möglich verändert werde. Zudem werde das Stromnetz nur minimal belastet.

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„Die Bestimmung des erforderlichen Energieeintrags und des Strom-Zeitverlaufs lösen wir über physikalisch-mathematische Funktionen“, erläuterte Dittmann. Diese Funktionen beruhten beispielsweise auf dem Schmelzvolumen, der Wärmekapazität und der Wärmeleitung der zu verschweißenden Bleche.

Modularer Aufbau

Für die Werkstatt sei vorteilhaft, dass sie den unterschiedlichen Punktschweißkonzepten der Automobilhersteller gerecht werden könne und der Bediener durch die einfache und fehlertolerante Eingabe der Schweißaufgabe entlastet werde. Darüber hinaus werde der Automatisierungsgrad des Schweißvorgangs erhöht – durch das in der Elcon-Steuerung realisierte Mehrgrößenreglerkonzept und die kontinuierliche Prozessanalyse. Dittmann erinnerte daran, dass die Investitionssicherheit für die Werkstätten immer wichtiger werde. Das modulare Konzept des Multispot-Systems berücksichtige das von Anfang an.

Klaus Steinforth, Vorstandsmitglied des Zentralverbands für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) und Leiter des Ausschusses Instandhaltung und Fahrzeugtechnik, berichtete, welche Anforderungen die Kfz-Betriebe an Schweißmaschinen stellten. Um diese zu ermitteln, habe der ZKF intensive Untersuchungen durchgeführt. Dabei habe man die Schweißmaschinen in ZKF-Mitgliedsbetrieben miteinander verglichen.

Ein besonderes Augenmerk müsse dem Preis für Widerstandspunktschweißmaschinen gelten. Denn für den Fachbetrieb würde eine solche Maschine mit rund 12 000 Euro zu Buche schlagen. Steinforth begrüßte, dass die Maschinenpreise relativ stabil geblieben seien. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Gerätehersteller, bei ihren Entwicklungen darauf zu achten, dass die Investitionen der Werkstätten geschützt werden. In der anschließenden Diskussion warnten mehrere Teilnehmer ausdrücklich davor, hochfeste Stähle mit veralteten Maschinen zu schweißen.

Trocknung des Lacks

Am Nachmittag beschäftigten sich die Experten mit dem Thema Lack und Lacktrocknung. Zu Beginn erläuterte Tiemo Sehon, Inhaber der Sehon Innovative Lackieranlagen GmbH, welche Trocknungsmöglichkeiten dem Lackierbetrieb heute zur Verfügung stehen. Sein Unternehmen habe vor etwa zwei Jahren die UV-Trockentechnologie für großflächige Lackierungen auf den Markt gebracht. Dies sollte nicht nur den Trockenprozess im Lackierbetrieb beschleunigen, sondern auch die Energiekosten reduzieren. Aber auch der Infrarotbogen werde seiner Meinung nach künftig eine größere Rolle spielen. Sehon zeigte verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für Infrarottrocknung auf. Weiterhin erläuterte er, dass künftig die Gestaltung der Lackvorbereitungsplätze wichtiger werde.

Der Logistikaufwand im K-&-L-Betrieb mache rund 15 Prozent des gesamten Arbeitsprozesses aus. Durch den Ausbau der Vorbereitungsplätze sei dieser Aufwand deutlich zu reduzieren. Dafür müssten diese Arbeitsplätze aber über Absaugung und Zuluft sowie entsprechende Abgrenzungen zu den Nachbararbeitsplätzen verfügen. In Verbindung mit der Infrarottrocknung ließen sich auf solchen Arbeitsplätzen auch etwas größere Arbeiten erledigen. Das Ziel der Reparaturbetriebe müsse es sein, künftig ihre Aufträge effizienter abzuarbeiten. Hierfür schlägt Sehon den so genannten Multi-Arbeitsplatz vor. Bei entsprechender Ausstattung könnten auf diesen Arbeitsplätzen komplette Lackierprozesse für mittlere Schäden inklusive des Trocknens und des Finish abgewickelt werden.

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