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Diese Anforderungen könnten vom finanziellen Aufwand her nicht alle 1.860 Ford-Servicestandorte in Deutschland erfüllen. Zudem gehöre die Prozessverbesserung zur Qualifikation und der Betrieb müsse mindestens 11 Stunden täglich verfügbar sein. „Derzeit sind keine 300 Betriebe Ford-Karosseriespezialbetriebe“, erklärte Reddig.
Er empfiehlt denjenigen Ford-Servicepartnern, die die Standards entweder nicht erfüllen können oder wollen, sich Kooperationspartner für die Karosserie-Instandsetzung zu suchen, um vor dem Kunden immer als kompetenter Ansprechpartner dastehen zu können. Die Partnerbetriebe könnten durchaus freie Betriebe sein.
Eindrucksvoll zeigte Tobias Matejek von Volkswagen Service Deutschland, was passieren kann, wenn eine Werkstatt die Unfallschadenreparatur mit dem falschen Werkzeug oder mit mangelndem Fachwissen durchführt. Er zeigte, wie stabil höchstfeste Stähle mit mehr als 1.000 MPa sind, indem er mit dem Hammer auf eine B-Säule eindrosch. Vergebens: Die Säule zeigte keine Beschädigung. Danach zeigte Matejek, wie sich das Verhalten des Stahls ändern kann, wenn er falsch behandelt wird.
Dazu hatte Volkswagen einen seitlichen Crashversuch durchgeführt und die Deformation der Fahrgastzelle mittels Hochgeschwindigkeitskamera aufgezeichnet. Der gleiche Crashversuch wurde später an dem nach herkömmlichem Wissensstand reparierten Fahrzeug wiederholt. Es zeigte sich, dass die Deformation sehr viel stärker war: Der Fahrer hätte den zweiten Crash nur mit erheblichen Blessuren überstanden. „Obwohl die Reparatur eigentlich fachgerecht durchgeführt wurde, erhalten wir dieses Ergebnis“, sagte Matejek.
Er zeigte auf, mit welchen Werkzeugen die Betriebe überhaupt in der Lage sind, die Reparatur nach Herstellervorgaben durchzuführen. Dafür nehme sein Unternehmen umfangreiche Werkzeugprüfungen vor und empfehle die für gut befundenen Werkzeuge mittels einer Lieferantenliste. Neben dem Equipment sei aber auch die Ausbildung des Personals enorm wichtig.
Ein weiterer wichtiger Baustein im Karosseriebetrieb seien die Reparaturprozesse. Volkswagen unterstütze den Partner hier mit dem Programm Karola Plus. Zu den Volkswagen-Konzepten in der Unfallinstandsetzung gehöre neben dem Unfallspezialisten und dem Karosseriespezialbetrieb auch das Arbeiten mit der eigenen Versicherung.
K&L-Schulung
Hans Jürgen Krause, Leiter Technisches Training bei Mazda Motors Europe, erläuterte, dass die Servicepartner des japanischen Importeurs noch nicht auf dem Stand der Karosserieexperten von Opel, VW oder Ford seien. Vielmehr habe man gemeinsam mit anderen Importeuren (Honda und Toyota) sowie dem ZKF und dem VDIK im ersten Schritt ein Karosserieschulungskonzept erarbeitet. „Bisher haben wir das Thema Karosserie-Instandsetzung sträflich vernachlässigt“, gestand Krause.
Zunächst sollten Grundlagen der Karosserie-Instandsetzung vermittelt werden. Rund 280 Mitarbeiter aus Mazda-Betrieben seien durch diese Schulungen gegangen. Das spiegele in etwa die Situation im Netz wider. Krause erklärte, dass sich lediglich zwischen 15 und 20 Prozent der Mazda-Servicestützpunkte auch mit schweren Karosserieschäden beschäftigen würden. Der Rest der Händlerschaft würde diese Schäden zu einem freien Karosseriefachbetrieb bringen. Derzeit arbeite man an einem Aufbaukurs, der ab September in München, Hamburg, Münster und Erfurt angeboten werden soll. Dieser Kurs sei wesentlich praxisorientierter: Hier sollen sich die Teilnehmer mit den hochfesten Stählen in den japanischen Fahrzeugen beschäftigen.
Ralf Hertel, Projektleiter Fairplay bei der Allianz Versicherungsgesellschaft, erklärte den Teilnehmern, was es mit dem Fairplay-Konzept auf sich hat. Das Konzept habe drei wesentliche Bestandteile: effiziente Prozesse, Standards und die Bereitschaft, etwas zu ändern. Fairplay sei kein Schadensteuerungskonzept und würde immer auf marktgerechten Preisen basieren. Es sei die Sache der Werkstätten, sich im Wettbewerb zu behaupten.
In diesem Zusammenhang erläuterte Dr. Christian Deutscher vom AZT, was eine fachgerechte Reparatur sei und was sich der Münchener Versicherer darunter vorstelle. Es sei enorm wichtig, dass die Werkstatt die Fahrzeuge nach Herstellervorschrift repariere. Andererseits seien die Hersteller gefordert, den Werkstätten gerade diese Informationen zugänglich zu machen. Zudem vertrat Deutscher die Ansicht, dass die Werkstätten für die Reparatur Originalersatzteile einsetzen sollten.
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