25 Jahre Lamborghini Diablo: Teuflisch schnell
Zwischen 1990 und 1992 machte dem Lamborghini Diablo in Sachen Topspeed kein Serienauto etwas vor. Der Supersportwagen steht aber auch für eine turbulente Zeit für das Unternehmen aus Sant'Agata.

In exakten 4,09 Sekunden gelang vor 25 Jahren dem 326 kW/492 PS starken Lamborghini Diablo der Sprint auf Tempo 100. Der Bolide war kein Papiertiger wie die vielen Powercars, die nur im Prospekt Rekorde aufstellten. Vielmehr war dieser nach einem besonders wilden Kampfstier benannte Lamborghini ein furioser Stratosphären-Jäger, der auch verfolgende Ferrari nicht fürchtete. Zwischen 1990 und 1992 war er mit einer Spitzengeschwindigkeit von 325,2 Stundenkilometern das schnellste Serienauto der Welt.
Im Januar 1990 stand die glamouröse Premierenparty für den Diablo auf der Agenda. Und wo hätte diese fettere Schlagzeilen gemacht und mehr kaufkräftige Millionäre angezogen als im Sporting Club von Monaco mit musikalischer Unterstützung durch Startenor José Carreras? Das verwöhnte Premierenpublikum war begeistert von Show und Fahrzeug und tatsächlich trafen mehr Vorbestellungen für den Diablo ein als von den Auguren erwartet.
An seinen Vorgänger Countach erinnerte der Diablo optisch durch das spektakuläre Designmerkmal der „Tore zum Himmel“. In dieser Form einzigartige, weit aufschwingende Scherentüren, die einen extraordinären Einstieg ins Cockpit des Fighters gewährten. Oberhalb der Hinterachse saß der neu konstruierte 362 kW/492 PS starke 5,7-Liter-V12 und vor der Achse zwei Ölkühler, die nicht weniger als 13 Liter Schmierstoff für das Kraftwerk zu temperieren hatten.
Trotz einer Karosserie aus Leichtmetall und Karbonfiber und eines ebenfalls auf Leichtbau getrimmten Stahlgitterrahmens hatte der 1,6 Tonnen schwere Diablo an Gewicht gegenüber dem Countach deutlich zugelegt. Vor allem als optionale Allradversion VT, dafür glänzte der Diablo durch perfekt ausbalancierte Fahrtalente und überraschend viel Komfort. Nicht zu vergessen der imaginäre Lorbeerkranz des schnellsten Serienautos.
Dieser spielte schon 1992 kaum noch eine Rolle. Nicht weil die neuen Konkurrenten nach ihm griffen, sondern weil Lamborghini schon wieder in eine wirtschaftliche Krise schlitterte. Eine globale Rezession bremste den Luxusmarkt ein und Lamborghini verkaufte 1992/93 nur noch jeweils rund 170 Autos. Daran änderte auch ein Novitätenfeuerwerk nichts.
Chrysler verkaufte die Marke mit dem Kampfstier. Neuer Eigner war ein Konsortium aus Malaysia und Indonesien, Geschäftsleute, die durchaus geschickt agierten. Hätte es nicht 1997 die Asienkrise gegeben. Entsprechend schnell trennten sich die asiatischen Lamborghini-Eigentümer von der Kultmarke, als sich 1998 Audi an einer Übernahme interessiert zeigte. Die anspruchsvolle Kundschaft war begeistert, versprach doch Audi erstmals seit langer Zeit Kontinuität und technische Reife für die glamouröse Marke. Zumal ein 6,0-Liter-V12 den betagten Diablo 338 km/h schnell machte – 18 km/h mehr als der 550 Maranello als damals flottester Ferrari bieten konnte. Bis 2001 wurde der Diablo noch gebaut, es folgte der Lamborghini Murciélago.
(ID:43568485)