Fachtagung für freie Werkstätten Über 8.000 Euro pro Jahr für den Datenzugang

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 5 min Lesedauer

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Die Fachtagung präsentierte sich bei ihrer 32. Auflage thematisch vielfältig. Doch am meisten bewegten die Teilnehmer wohl die Themen Ersatzteilqualität und Datenzugang. Auch die Live-Werkstatt kam gut beim Publikum an.

Mit rund 375 Teilnehmern verzeichnete die Fachtagung ein deutliches Wachstum gegenüber dem Vorjahr. (Bild:  Stefan Bausewein)
Mit rund 375 Teilnehmern verzeichnete die Fachtagung ein deutliches Wachstum gegenüber dem Vorjahr.
(Bild: Stefan Bausewein)

Mit rund 375 Teilnehmern war die Fachtagung für freie Werkstätten und Servicebetriebe so gut besucht, wie nie seit Beginn der Corona-Pandemie. Das zeigt: Betreiber und Mitarbeiter von freien Werkstätten sind begierig darauf, sich weiterzubilden und sich mit Berufskollegen auszutauschen. Beide Wünsche erfüllte der Kongress, der bereits zum 32. Mal stattfand. Das abwechslungsreiche Vortragsprogramm bot Informationen und Denkanstöße zu den sieben größten Herausforderungen, denen sich freie Werkstätten heute gegenübersehen.

Fachtagung Freie Werkstätten 2023
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Das waren im Einzelnen:

  • 1. Neue gesetzliche Regelungen: Dominik Lutter vom ZDK schilderte den aktuellen Stand der Datengesetzgebung in der EU und ihre Auswirkungen auf die Kfz-Branche. Der ZDK fordert schon seit Langem eine sektorspezifische, das heißt auf die Kfz-Branche zugeschnittene EU-Regulierung für den Zugang zu den von Fahrzeugen produzierten Daten – und es sieht so aus, als hätten die Argumente des Verbands die EU-Kommission überzeugt: Der Entwurf einer sektorspezifischen Regelung zu den Fahrzeugdaten soll Anfang November veröffentlicht werden. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass dieser noch in der im Juni 2024 endenden Legislaturperiode des EU-Parlaments verabschiedet wird. Dominik Lutter erläuterte zudem das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 5. Oktober. Anders als oft verkürzt dargestellt, sei damit nicht das Security Gateway als solches für nicht rechtmäßig erklärt worden, sondern nur die Einschränkungen, die damit speziell für freie Werkstätten verbunden sind. Die Cybersicherheit müsse weiterhin gewährleistet werden.
  • 2. Zugang zu Daten und Reparaturinformationen: Hier gaben Vertreter der Datenanbieter Repair-Pedia, Tec-Alliance, Alldata und DAT Einblick in ihr Geschäft. Die Autohersteller machen es ihnen oft nicht leicht, Zugang zu Wartungs- und Reparaturinformationen zu bekommen. Viele OEMs gehen dabei sehr willkürlich vor und nutzen beispielsweise die Möglichkeit aus, bestimmte Daten als sicherheits- und diebstahlrelevant erklären zu können, um freien Marktteilnehmern den Zugang zu beschneiden. Auch die Preise werden manchmal ohne Vorwarnung stark erhöht. Wenn die Datenanbieter ihre Anliegen vor Gericht durchsetzen wollten, dauere das oft drei bis fünf Jahre. Bei einer spontanen Umfrage gaben die Teilnehmer abschließend per Handzeichen an, wie viel sie im Jahr für ihren Datenzugang bezahlen. Praktisch bei allen Werkstätten lagen die Kosten über 1.000 Euro, bei etwa der Hälfte über 3.000 Euro. Manche berichteten sogar von Kosten über 8.000 Euro.
  • 3. Aufwand für eine Rund-um-Kundenbetreuung: Hier diskutierten die Betriebe unter der Moderation von Unternehmensberater Charly Knobling, inwieweit eine freie Werkstatt in Zukunft noch alle Arbeiten für alle Marken anbieten könne. Die Mehrheit der Unternehmer, die sich zu Wort meldete, hat sich bereits auf bestimmte Marken spezialisiert. Doch es gab auch Stimmen, die sagten: „Ich kann keine Kunden wegschicken. Das würde mir wehtun.“
  • 4. Fachkräftemangel als existenzielle Bedrohung: Beraterin und Personalexpertin Ulrike Winzer gab den Teilnehmern Einblicke in die Psychologie von Bewerbern. Menschen würden im Wesentlichen aus zwei Gründen den Job wechseln: Entweder, weil es ihnen schlecht gehe, oder weil sie eine hohe Leidenschaft für die neue Stelle spürten. Und da es heute den meisten Menschen sehr gut gehe, könne ein Wechsel nur über die Leidenschaft angebahnt werden. Doch nur wenige Stellenanzeigen und Personalmarketingaktionen von Kfz-Betrieben seien geeignet, diese Leidenschaft zu erwecken. Die Werkstätten müssen sich laut Ulrike Winzer unbedingt Gedanken darüber machen, wie sie sich als Arbeitgeber präsentieren wollten.
  • 5. Die Position als Einzelkämpfer: Viele Existenzgründer in der freien Werkstattwelt haben sich deshalb selbstständig gemacht, weil sie frei und unabhängig von Konzernstrukturen sein wollen. Doch können Einzelkämpfer angesichts der immer größeren Herausforderungen auf lange Sicht überleben? Bert Lembens von Continental sieht eine Konsolidierung auf dem freien Markt aus vielen Gründen als sinnvoll an, etwa zur Ausweitung des Serviceportfolios, für eine bessere Sichtbarkeit in der Fläche, die Betreuung von Großflotten, die Nutzung von Skaleneffekten und die bessere Verteilung von unproduktiven Tätigkeiten auf mehrere Schultern. Auch angesichts des notwendigen Generationenübergangs sollten sich Kfz-Unternehmer Gedanken über Kooperationen und andere Möglichkeiten machen, größere Unternehmenseinheiten zu bilden.
  • 6. Probleme mit der Ersatzteilqualität: Besonders leidenschaftlich diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Podiumsdiskussion zur Ersatzteilqualität mit, der sich drei Vertreter von Großhandel und Autozulieferindustrie gestellt hatten. Jeffrey Kilian, der Vorsitzende der Bundesfachgruppe freie Werkstätten, schilderte eingangs einen Fall aus seiner Praxis, den so oder ähnlich wohl schon jede Werkstatt erlebt hat: Ein Differenzdrucksensor im Abgasstrang eines Premiumautos kann nur montiert werden, nachdem man Motor und Getriebe ausgebaut hat. Nach dem Wiedereinbau funktioniert das montierte Ersatzteil aber nicht und muss wieder ausgebaut und eingeschickt werden. Solche Fälle kommen besonders bei elektronischen Bauteilen immer häufiger vor. Sehr oft sind diese aber gar nicht defekt, sondern passen lediglich nicht exakt zur jeweiligen Modellvariante oder repräsentieren einen anderen Softwarestand. Oder sie müssen angelernt werden, was nicht in jedem Fall vorher klar ist. Thomas Fischer von der Zuliefererinitiative „Qualität ist Mehrwert“ rief die freien Werkstätten dazu auf, solche Probleme künftig per E-Mail zu melden (info@qualitaet-ist-mehrwert.de).
  • 7. Hohe Energiekosten: Ein Novum in der 32-jährigen Geschichte der Fachtagung gab es beim abschließenden Fachvortrag von Erich Koller. Der Energieexperte hatte sein Akkordeon mit auf die Bühne gebracht und präsentierte es als „hocheffizientes Druckluftgerät“ – und damit als Gegensatz zu den vielen ineffizienten Druckluftanlagen in Kfz-Betrieben. Denn in einer durchschnittlichen Werkstatt repräsentiert die Abwärme des Kompressors – immerhin 80 Prozent des Energieeinsatzes – einen Verlust von jährlich 600 Litern Heizöl. Zudem gab Koller viele Tipps, wie sich energetische Sanierungen oder die Investition in neue, sparsame Versorgungstechnik mit staatliche Förderungen gegenfinanzieren lassen.

Abschließend gaben noch drei Top-Ten-Betriebe aus dem Deutschen Werkstattpreis Einblick in ihre Strategien: Andreas Prokein vom Autohaus Heinrich berichtete, warum er sich auf bestimmte Marken konzentriert hat und auch manchmal Kunden wegschickt; Klaus Hagenlocher erklärte, wie er sich sein erfolgreiches Oldtimerbusiness aufgebaut hat; und Friedhelm Lenhart beschrieb die Entwicklung seines Unternehmens von einer kleinen Werkstatt zum sozialen Mittelpunkt des Orts mit integriertem Dorfladen.

Viel Interesse zog auch die Live-Werkstatt auf sich, in der die Zuschauer aktuelle Werkstattausrüstung und Zubehörprodukte in Aktion sahen. Zusätzlich konnten die Teilnehmer sich bei 31 Ausstellern über neue Produkte und Dienstleistungen informieren.

Die Fachmedienmarke »kfz-betrieb« und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sind Veranstalter der Fachtagung, die sich speziell an Inhaber und Führungskräfte freier Werkstätten und Servicebetriebe richtet. Die Fachtagung wird unterstützt von den Business Partnern BMW, Continental, GTÜ und Würth.

Das Forum für freie Kfz-Betriebe

Fachtagung Freie Werkstätten


Die Fachtagung Freie Werkstätten und Servicebetriebe ist ein einzigartiges Forum für Inhaber und Führungskräfte freier und markenunabhängiger Kfz-Betriebe, das neben praxisnahen Vorträgen und Live-Präsentationen eine Plattform für den Austausch mit Branchenkollegen bietet. Die nächste Fachtagung findet am 12. Oktober 2024 statt.

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