Der Startschuss für den VW Transporter war ideal terminiert, denn Unternehmer und Handwerker verlangten dringend Ersatz für ihre klapprigen Uralt-Vehikel. Bis Jahresende wurden 8.000 Kastenwagen und Kleinbusse gebaut, nicht genug, um lange Lieferzeiten zu vermeiden. Zumal im selben Jahr der Bulli-Export in die ganze Welt startete, durch Ben Pon natürlich zuerst in die Niederlande.
Ab 1951 ergänzte ein sogenanntes Sondermodell, vom Volksmund als Samba-Bus bezeichnet, das Bulli-Angebot. Dieser fröhliche Vorgänger des aktuellen Caravelle bot 25 Fenster und ein Schiebedach für seine Passagiere und erzielt heute Liebhaberpreise, die in den sechsstelligen Bereich gehen - einmalig für ein kleines Nutzfahrzeug. Auch die Westfalia-Campingbox als Vorläufer aller späteren VW-Campingbusse wurde 1951 aufgelegt. Wie dem Käfer verordnete Volkswagen dem Transporter eine jährliche Modellpflege. Flügeltüren auf beiden Seiten, Pritschenwagen und mehr Leistung (22 kW/30 PS aus 1,2 Liter Hubraum) zählten dazu, so dass Heinrich Nordhoff schon 1954 den 100.000sten Typ 2 feierte.
Die halbe Million machte 1960 ein Bulli aus dem neuen Werk Hannover voll. Satte 71 Prozent Marktanteil in Deutschland sowie ab 1963 die praktische „Ratschbumm“-Schiebetür zeigten, dass der T1 dem Zenit seiner Karriere zustrebte. Beim Generationswechsel im Sommer 1967 kam der T1 auf 1,8 Millionen Bullis, der nachfolgende größere und variantenreichere T2 brachte es jedoch schon auf drei Millionen Fahrzeuge allein aus europäischen Werken.
Nicht nur in der Bundesrepublik, sondern weltweit waren die Volkswagen Transporter die Nummer eins in ihrem Segment, was auch die immer längeren Lieferzeiten verrieten. Stellvertretend für den globalen Bulli-Hype sei der T2 aus Brasilien genannt. Dieser Oldie brachte es auf 46 Produktionsjahre, ehe er 2013 in den Klassikerhimmel aufstieg. Alarmsignale für alle Konkurrenten, die oft mit technisch anspruchsvolleren, leistungsstärkeren oder ladefreundlicheren Konstruktionen aufwarteten, aber in Wirtschaftlichkeit und Größe des Händlernetzes unterlegen waren. Ernsthafte Konkurrenz erwuchs dem VW mit Bulli-Schnauze aber erst durch den 1965 erneuerten Ford Transit.
Nachdem der Volkswagen Transporter ein neues Leicht-Laster-Segment definiert hatte, konterten die Kölner Ford Werke. Schließlich hatte sich der Transit seit seinen Anfängen als FK1000 vom spartanischen Arbeitstier zum multifunktionalen Vielzweckmobil entwickelt. Dies mit einer bis dahin beispiellosen Aufbau- und Variantenvielfalt und optionalem Dieselmotor. Talente, die den Transit bis heute zum härtesten Rivalen des Bullis machen, mehr als die Kleinlaster von Fiat, den Franzosen oder von Mercedes.
I.D. Buzz soll Bulli-Legende in die Zukunft tragen
Ob VW oder Ford, beide Kästen avancierten zu Favoriten der Wohnmobilausstatter und Lieblingen der Flower-Power-Ära. Während mit dem Transit Generationen von Rock- und Popgruppen quer durch Europa tingelten, war der Volkswagen in Amerika, Indien und auf Ibiza ein Symbol der Hippies. Dennoch: Bis heute reicht es für den Ford nur für Platz zwei hinter dem Bulli als Zwölf-Millionen-Bestseller seines Segments.
Möglich machte das die konsequente Evolution über den VW T2 (ab 1967) in größerem Format und mit stärkeren Motoren, den T3 (ab 1979) mit Diesel und wassergekühlten Boxern, den T4 (ab 1990) mit Frontmotor und Vorderradantrieb, den T5 (ab 2003) mit neuen Luxusversionen und optionalem 3,2-Liter-Benziner bis hin zum aktuellen T6. In die Zukunft tragen soll die Bulli-Legende die Elektrobus-Studie I.D. Buzz, deren Serienbau Volkswagen für 2022 versprochen hat.
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