Suchen

70 Jahre VW Transporter: Ben und die Bullies

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Eine Skizze des niederländischen VW-Importeurs Ben Pon bescherte der Transporterwelt den vielleicht kultigsten Lastenesel und charismatischsten Kleinbus aller Zeiten.

Firmen zum Thema

Der VW Bulli ist der Klassiker unter den Kleinbussen.
Der VW Bulli ist der Klassiker unter den Kleinbussen.
(Bild: Volkswagen Nutzfahrzeuge)

Den Weg vom pragmatischen Kleintransporter zum ewig jungen Kultmobil haben bisher die wenigsten Nutzfahrzeuge gefunden. Dabei hat doch Volkswagen mit der liebevoll Bulli genannten Transporter-Reihe gezeigt, wie Legenden gewoben werden. Über zwölf Millionen Einheiten in sechs Generationen konnte VW von seinem vielseitig einsetzbaren Lieferwagen, Kleinbus, Van und Freizeittransporter bisher verkaufen. Das ist nicht einmal dem hartnäckigsten Verfolger Ford Transit gelungen. Was ist das Geheimnis des Bulli? Es liegt in der Geschichte dieses Volkswagens.

Sie beginnt im kriegszerstörten Europa des Jahres 1947, als vor allem Pferdewagen und Vorkriegs-Dreiradfahrzeuge die Transportaufgaben übernahmen. Anders in den Wolfsburg Motor Works unter britischer Verwaltung. Dort wurden praktische Plattenwagen eingesetzt, mit der Technik des VW Käfer und einem Fahrerhaus über dem Heckmotor.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 21 Bildern

Als der Niederländer Ben Pon Anfang 1947 in Wolfsburg dieses Transportvehikel entdeckte, erhandelte er von den britischen Militärbehörden nicht nur einen VW-Händler-Vertrag für sein Heimatland. Er durfte auch den eigenwilligen Plattenwagen exportieren. Nur erteilten ihm die niederländischen Behörden keine Zulassung für das Gefährt mit heckseitigem Fahrerhaus. Für Ben Pon die Inspiration für einen VW-Transporter mit geschlossenem Aufbau, den er in einem Notizbuch skizzierte. Wenig später setzte der 1948 eingesetzte VW-Chef Heinrich Nordhoff die Skizze in die Realität um.

Nun kam das neue Nutzfahrzeug in Fahrt. Rund zwei Meter Radstand, 1.500 Kilogramm Leergewicht und dazu noch einmal die gleiche Nutzlast, so definierte Ben Pon vor 70 Jahren die Anforderungen an den Volkswagen Transporter (intern Typ 29). Es war ein kantiges Kastenwagenkonzept, das Heinrich Nordhoff überzeugte und so ließ er Ende 1948 seinen Chefkonstrukteur Alfred Haesner mit der Arbeit beginnen. Haesner machte sich das Thema leichte Laster fast zur Lebensaufgabe, denn nur fünf Jahre später lancierte er auch den einzigen echten Rivalen des VW Typ 2, die Ford FK-Modelle (Transit).

Käfer-Chassis muss weichen

Doch zurück zum VW. Nach Windkanalversuchen wurde die Front rundlicher und das anfänglich erprobte Käfer-Chassis wich einer stärkeren Neukonstruktion. Trotz dieses Aufwands stellte Volkswagen in Rekordzeit vier Fahrzeuge für die Pressepräsentation fertig, die genau ein Jahr nach Entwicklungsbeginn nicht mehr bei den britischen Besatzern, sondern bereits in der soeben gegründeten Bundesrepublik stattfand.

Einen Namen trug das Nutzfahrzeug damals noch nicht, denn das Patentamt hatte alle VW-Vorschläge zurückgewiesen. Darunter waren Bezeichnungen wie Triumphator, Juwel, Felix - und auch Bulli. Gegen Bulli hatte Lanz überraschende Bedenken, denn der Mannheimer Zugmaschinenhersteller befürchtete eine Verwechslungsgefahr mit seinen Traktoren, was VW-Chef Nordhoff amüsiert kommentiert haben soll. So wurde der vielseitige Volkswagen später schlicht Transporter genannt und gab damit der ganzen Branche einen Namen. Aber auch die Bezeichnungen Typ 2 (Typ 1 war der Käfer) oder eben doch Bulli sind beliebt, zumal der Kosename Bulli im VW-Konzern von Beginn an kursierte.

Die Serienfertigung des 4,10 Meter langen Bulli mit nun 2,40 Meter Radstand und 760 Kilogramm Nutzlast begann 1950, dem Jahr der ersten Reisewelle nach dem Krieg. Zu einer Zeit als noch immer fast fünf Millionen Wohnungen fehlten, aber die Wirtschaft bereits auf vollen Touren lief und die Wochenarbeitszeit 49 Stunden betrug, dies von Montag bis Samstag.

(ID:44859849)