Jubiläum 90 Jahre Nissan

Quelle: sp-x 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Nicht nur Henry Ford wollte die Welt durch bezahlbare Fließband-Autos in Fahrt bringen: Der 1933 gegründete Nissan-Konzern lancierte die ersten japanischen Volumenmodelle, startete 1957 in Europa und ist der Erfinder des Stromers in Großserie.

Im April 1935 rollte das erste Exemplar des 1933 gegründeten Nissan-Konzerns, der Datsun Typ 14, vom neu eingerichteten Fließband im Werk Yokohama.(Bild:  Nissan)
Im April 1935 rollte das erste Exemplar des 1933 gegründeten Nissan-Konzerns, der Datsun Typ 14, vom neu eingerichteten Fließband im Werk Yokohama.
(Bild: Nissan)

Viele wollen das automobile Rad in Japan ins Rollen gebracht haben. Tatsächlich aber ist es der am 26. Dezember 1933 gegründete Automobilkonzern Nissan, mit dem die dortige Motorisierungsgeschichte ihren Anfang nahm: Bei Nissan in Yokohama rollte pünktlich zum Kirschblütenfest Sakura des Jahres 1935 der Datsun 14 als erstes bezahlbares, fernöstliches Fließband-Fahrzeug zu den Kunden. So wie die Sakura für Erneuerung steht, feierten Medien und Fachwelt das erste Nissan-Modell als Meilenstein, der für die japanische Industrie und Gesellschaft ein neues Zeitalter eröffnete.

Zu Recht, denn die Fließbänder – entwickelt nach dem Vorbild von Henry Fords Produktionssystem für das Model T – machten vormalige Luxusgüter erschwinglich. Den Grundstein für Nissan und die bis 1984 global genutzte Vertriebsmarke Datsun legte 1912 das allererste japanische Automobil namens DAT. Produziert wurde dieser Kleinwagen von den Kwaishinsha Jidosha Kojo Motor Car Works, einem Vorläufer des Nissan-Konzerns.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 15 Bildern

Im Jahr 1931 wurde dann ein moderner Kompakter als Dat-son vorgestellt, der Sohn des DAT. Da das Wort „son“ im Japanischen jedoch auch „Nachteil“ bedeutet, entschied man sich für das sonnigere „sun“. Diese Umbenennung entschied Nissan, denn das Unternehmen hatte die Kontrolle beim Dat-son-Hersteller übernommen. Komplizierte Anfänge, die jene Kreativität beinhalteten, mit der Nissan zu Japans langjähriger Nummer eins aufstieg.

Nissan profiliert sich in Europa

Dennoch wagte sich Nissan erst 1972 nach Deutschland. Auch hier war es wieder die Kraft der Kirschblüte, mit der sich die Japaner etablierten: Der Cherry verblüffte durch fortschrittliche Technik zu günstigen Preisen.

Und noch einmal die Sakura: Wo sonst als vor blühenden Kirschbäumen konnten die Nissan-Manager 1973 den besonders kritischen deutschen Medien den Cherry präsentieren? Mit Frontantrieb sowie dem quer eingebautem und sparsamem Vierzylinder konnte der innovative Kleinwagen alle deutschen Vorurteile gegenüber der Marke Datsun, unter der die Nissan-Modelle anfänglich exportiert wurden, ausräumen. Schließlich wurden japanische Autos wie der konservativ-biedere kompakte Opel-Kadett-Konkurrent Datsun Sunny und die nicht minder brave Bluebird-Mittelklasse hierzulande nicht selten als Reisschüsseln verspottet.

Topmodell Cherry

Als aber der in vielen Karosserieformen offerierte Cherry in Vergleichstests europäische Kleinwagen schlug und der sportliche Imageträger Datsun 240Z bei der Safari-Rallye dem Porsche 911 davonfuhr und international sogar zum meistverkauften Sportwagen der Welt avancierte, schlug die öffentliche Meinung um: Nissan/Datsun und die anderen japanischen Marken wurden in Europa plötzlich als „gelbe Gefahr“ bezeichnet.

Der Cherry entwickelte sich zum Bestseller, der zu erschwinglichen Preisen als erster Datsun in Deutschland über 100.000 Zulassungen erzielte. 1979/80 sorgte dann die große Laurel Limousine als meistverkaufter Japaner in Deutschland für Furore und setzte sogar Kulttypen wie den Ford Granada unter Druck. Global gelang es Japan damals erstmals, die USA in den Produktionszahlen zu überholen und zum Autobauer Nummer eins aufzusteigen.

Ein Erfolg, zu dem Nissan durch zuverlässige Produkte, die mit technischen Raffinessen überraschten, erheblich beigetragen hatte. Waren es in den Dreißigerjahren Jahren Volksautos und kleine Pick-ups sowie die 1937 lancierte Nobel-Limousine Nissan 70 als amerikanische Graham-Paige-Lizenz, mit denen Nissan zum führenden japanischen Generalisten aufstieg, so überraschte der Hersteller in den Nachkriegsjahren mit technischen Leuchtturmprojekten.

Der GT-R (R35) jagt Porsche und Ferrari

Der visionäre vollelektrische Tama von 1947 und der Roadster DC-3 als erster asiatischer Sportler blieben noch dem Heimatmarkt vorbehalten. Aber der 1951 vorgestellte Offroader Nissan 4W60 (Patrol) fuhr in die Wüsten der Welt und galt bald als bester Botschafter des Herstellers.

Schon 1957 kam Nissan nach Europa und zeigte die chromglänzende Skyline-Limousine auf dem Pariser Automobilsalon. Was damals niemand ahnte: Dieser Skyline gilt als Urvater der adrenalinhaltigen Nissan GT-R-Racer, die ab 1972 realisiert wurden und später ihren Kultstatus in Konsolenspielen und Kino-Erfolgen festigten, ehe der 2007 vorgestellte Supersportwagen Nissan GT-R (R35) auch in Deutschland Porsche und Ferrari jagen durfte.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Nissan und Noblesse, diese Verbindung begann 1964, als das von Stardesigner Albrecht Graf Goertz in elegante Form gebrachte Silvia-Coupé Designpreise und globale Anerkennung gewann und der Nissan Prince Royal ab 1966 sogar dem japanischen Kaiserhaus als Staatskarosse diente. Agiere global und produziere lokal – nach dieser Devise installierte Nissan ein weltweites Netzwerk an Produktionsstätten, 1983 in den USA als größtem Exportmarkt und 1986 in Großbritannien. Dort lief der Nissan Bluebird (T12) als erstes Pkw-Modell für Europa vom Band.

Nutzfahrzeuge wurden derweil in Spanien gebaut. Die europäischen Diskussionen um Importgrenzen für japanische Modelle waren daher für Nissan kein Thema. Der Kleinwagen Micra gewann 1993 als erstes japanisches Modell den europäischen Medienpreis „Auto des Jahres“, und der in Europa entwickelte und gebaute SUV Terrano II wurde 1994 als erster Nissan nach Japan exportiert.

Eine dynamische Marke

Vor Finanzkrisen war Nissan nicht gefeit, aber das Unternehmen erfand sich immer wieder neu. Nachdem Nissan in den Neunzigerjahren durch die Asienkrise erschüttert wurde, fand man in Renault einen Partner: 1999 vereinbarten die Unternehmen die Renault-Nissan-Allianz, in der allerdings beide Unternehmen selbstständig blieben.

Neue SUV wie X-Trail (ab 2001) und Murano (ab 2006), der kompakte Crossover Qashqai (2007) sowie der mutige Juke (2010) brachten Nissan zurück auf Erfolgskurs. Nicht zu vergessen bezahlbare kleine Bestseller wie der kontinuierlich erneuerte Micra oder der Nissan Note. Mit dem 2010 vorgestellten Leaf setzte Nissan ein nachhaltiges Zeichen. Dieser weltweit erste in sechsstelliger Zahl gebaute Stromer sicherte dem Hersteller über Jahre einen Vorsprung vor Tesla. Trotzdem erlebte Nissan speziell in Europa erneut Niederlagen mit Werksschließungen, zumal auch der Vorsprung des Nissan Leaf dahinschmolz.

Die Japaner reagierten spät, dafür aber kreativ. Der in UK gebaute Leaf erhielt Unterstützung durch den Ariya auf neuer EV-Architektur, die gemeinsam von den Allianzpartnern Renault und Mitsubishi lanciert wurde. Der Allianz verdankt Nissan auch weitere EV-Modelle wie den Kleintransporter Townstar.

Vor allem aber überraschte Nissan mit dem „e-Power“-Konzept in Qashqai und X-Trail, das rein elektrischen Antrieb ermöglicht. Den Strom liefern allerdings ein Verbrenner und eine Pufferbatterie. Die Kunden goutieren diese fernöstlichen Spezialitäten offensichtlich, wie auch die in Deutschland steigenden Absatzzahlen von Nissan zeigen. Entsprechend stolz feiert Yokohama den 90. Geburtstag seines automobilen Vorzeigeunternehmens.

(ID:49862492)