Abgas-Affäre: Ex-VW-Manager packt über Winterkorn aus

Autor Christoph Seyerlein

Bernd Gottweis galt als loyaler und enger Vertrauter von Martin Winterkorn. Gegen ihn wird in der Abgas-Affäre wegen Betrugsverdacht ermittelt. Bei einer Vernehmung hat Gottweis nun ein Telefonat mit Winterkorn erwähnt, das diesen schwer in Bedrängnis bringen könnte.

Ex-Volkswagen-Boss Martin Winterkorn gerät wieder einmal in die Schusslinie.
Ex-Volkswagen-Boss Martin Winterkorn gerät wieder einmal in die Schusslinie.
(Foto: VW)

Vermutungen, dass der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn frühzeitig vom Abgas-Schummel des Autobauers gewusst, aber nichts dagegen unternommen habe, hat es seit Bekanntwerden der Affäre immer wieder gegeben. Nun könnten die Vorwürfe konkret werden: Ein ehemaliger Vertrauter Winterkorns und Ex-VW-Manager hat den Ermittlungsbehörden laut der „Süddeutschen Zeitung“ ein Geständnis abgelegt, das Winterkorn schwer in Bedrängnis bringen könnte.

Bernd Gottweis war jahrelang Leiter des Ausschusses für Produktsicherheit (APS) bei VW und galt als Problemlöser im Konzern. Er zählt zu den 38 Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts auf Betrug aufgrund der Abgas-Affäre ermittelt. Auch in den USA ist Gottweis angeklagt und kann Deutschland deshalb derzeit nicht verlassen.

Bei einer Vernehmung hat Gottweis nun offenbar brisante Angaben gemacht. Ihm zufolge hat er selbst Martin Winterkorn in einem Telefonat am 27. Juli 2015 darauf aufmerksam gemacht, dass VW bei Diesel-Modellen „beschissen“ habe. Er selbst habe am 21. Juli 2015 erstmals vom Betrug erfahren und nicht wie von den US-Behörden vermutet bereits 2012, sagt Gottweis. Anschließend habe er nicht nur Winterkorn informiert, sondern auch interne Untersuchungen gefordert, schreibt die SZ.

Ende Juli 2015 hatten US-Behörden die Zulassung neuer VW-Modelle wegen zu hoher Abgaswerte verweigert. Dass VW reihenweise illegale Prüfstandserkennungen verbaut hatte, kam aber erst am 18. September 2015 ans Licht. Sollten Gottweis' Angaben stimmen, wusste Winterkorn also frühzeitig Bescheid und hat dennoch nichts unternommen. Weder die Behörden, noch die Aktionäre informierte der Konzern, bevor der Skandal öffentlich wurde.

Winterkorn selbst schildert laut SZ den Inhalt des Telefonats völlig anders. Von Problemen sei zwar die Rede gewesen, nicht aber von Betrug. Über Manipulationen habe ihn niemand frühzeitig informiert.

Mehrere Ingenieure belasten Winterkorn und Diess

Allerdings widersprechen ihm neben Gottweis noch weitere Ingenieure, die die Staatsanwaltschaft bereits vernommen hat. So soll an eben jenem 27. Juli 2015, an dem Winterkorn und Gottweis telefoniert haben, ein „Schadenstisch“ in Wolfsburg einberufen worden sein. Zwei der Anwesenden haben ausgesagt, dabei klar auf die verbotenen „Defeat Devices“ in den Diesel-Motoren hingewiesen zu haben. An dem Meeting sollen unter anderem Winterkorn und der damals frisch eingestellte VW-Markenchef Herbert Diess teilgenommen haben.

Ebenfalls dabei war Oliver Schmidt. Der Ex-VW-Manager sitzt derzeit in den USA in Untersuchungshaft. Bernd Gottweis hat seiner Aussage zufolge nach dem Schadenstisch, an dem er selbst wegen einer Dienstreise in den USA nicht teilnehmen konnte, telefoniert. Dabei habe ihm Schmidt mitgeteilt, Winterkorn sei gut über die Vorgänge in den USA informiert, so Gottweis.

Derzeit läuft kein Verfahren gegen Winterkorn. Eine Anklage wäre aus Sicht der SZ aber durchaus möglich. In einem Prozess könnte Gottweis gegen Winterkorn aussagen. Der Zeitung zufolge hat er zahlreiche kopierte Unterlagen mitgenommen, als er 2015 in Rente ging. Damit wollte er sich für Fragen zur Abgas-Affäre rüsten, heißt es weiter. Für Martin Winterkorn dürften das keine guten Nachrichten sein.

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