Neuzulassungen Absatzsprung mit E-Autos, Tiefschlag im Gesamtmarkt

Von Andreas Grimm 1 min Lesedauer

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Die zuletzt darbenden E-Modelle haben im Januar einen Schub erlebt. Allerdings wohl nur auf dem Papier. Die wahre Nachfrage ist deutlich verhaltener. Selbst ein 50-Prozent-Plus reicht nicht, um den Gesamtmarkt nach oben zu ziehen.

Die Autotransporteure haben derzeit nicht allzu viel zu tun. Die Zahl der Neuzulassungen sinkt.(Bild:  ECG)
Die Autotransporteure haben derzeit nicht allzu viel zu tun. Die Zahl der Neuzulassungen sinkt.
(Bild: ECG)

Der deutsche Neuwagenmarkt ist im Januar nicht aus den Startblöcken gekommen. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch, 5. Februar, mitteilte, ist die Zahl der Pkw-Neuanmeldungen im ersten Monat des Jahres um 2,8 Prozent gesunken. Damit setzt sich die seit Juli 2024 tendenziell rückläufige Marktentwicklung weiter fort. Konkret fanden im Januar 207.640 Autos erstmals den Weg auf die Straßen. Im Januar 2020, vor Ausbruch der Corona-Pandemie, waren es 246.000 Einheiten gewesen.

Auffällig ist in einer ersten Analyse der Zahlen, dass der Privatmarkt sogar zugelegt hat, nämlich um knapp 10 Prozent. Ins Minus zieht den Markt die fehlende gewerbliche Nachfrage inklusive der Eigen- und Vermieterzulassungen. In diesem Absatzkanal wurden 12 Prozent weniger Neuwagen zugelassen. Wie sich das Firmenkundengeschäft entwickelte, geht aus den ersten Zahlen noch nicht hervor.

Erstaunlich ist vor diesem Hintergrund, dass der Anteil der Elektrozulassungen im Januar signifikant gestiegen ist. 34.498 rein batterieelektrische Pkw (BEV) kamen neu zu ihren Haltern – 53,5 Prozent mehr als im Januar des Vorjahres. Der war allerdings wegen des abrupten Endes der E-Förderung ein schwacher Monat für den alternativen Antrieb. Der BEV-Marktanteil lag damals nur bei 10,5 Prozent. Im aktuellen Berichtsmonat sind es 16,6 Prozent. Gleichzeitig legten zum Jahresstart die PHEV-Zulassungen deutlich zu – um 23,1 Prozent auf 17.712 Fahrzeuge (Marktanteil 8,5 %).

Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, mahnt vor einer Überbewertung der Elektrozahlen. Sie täuschten über die wahre Situation der aktuellen Entwicklung hinweg. „Um die CO2-Flottenziele zu erreichen, haben die Hersteller Zulassungen von Elektroautos vom letzten in dieses Jahr verschoben. Dies ist ein Sondereffekt, der unsere Auftragslage nicht widerspiegelt“, erklärte er. In den kommenden Monaten sei mit einem neuerlichen Einbruch der Zahlen zu rechnen.

Auftragslage bessert sich weiter

Insgesamt scheint sich jedoch die Auftragslage zu stabilisieren. Zumindest bei den deutschen Herstellern kam es im Januar laut dem Verband der Automobilindustrie zum fünften Mal in Folge zu einem Anstieg der Auftragseingänge aus dem Inland. Sie lagen mit 21 Prozent deutlich über dem schwachen Vorjahresniveau. Insgesamt liegt das Bestellniveau aber weiterhin deutlich unter den Januar-Ergebnissen der Vorkrisenjahre.

Eine wirkliche Trendwende erwartet auch Constantin Gall nicht. Der Leiter Mobility für die Region Westeuropa von der Unternehmensberatung EY sieht selbst im Falle eines kontinuierlich anziehenden Elektrosegments im laufenden Jahr nur einen bedingten Gesamtmarkt-Aufschwung. „Das Wachstum bei Elektroautos wird teuer erkauft sein und auf Kosten anderer Antriebstechnologien gehen“, erwartet Gall. Der Gesamtmarkt werde kaum wachsen, die Stimmung in der deutschen Wirtschaft sei einfach zu schlecht. Die Endverbraucher bremse zusätzlich das Thema Arbeitslosigkeit, das wieder an Bedeutung gewinnt. Mehr als ein leichtes Plus sei für den Neuwagenmarkt 2025 nicht zu erwarten, prognostiziert Gall.

Die aktuellen BEV-Zahlen hält auch er vorerst für ein Strohfeuer. Im Jahresverlauf werde diese Antriebsart allerdings aufgrund sinkender Preise zulegen. „Wenn die Verkäufe von E-Autos nicht bald deutlich steigen, werden wir eine Welle an Preissenkungen sehen, vor allem in der zweiten Jahreshälfte“, erwartet er. Denn die Hersteller würden versuchen, imageschädigende Strafzahlungen möglichst zu vermeiden. Dazu kommt, dass in anderen europäischen Ländern die Elektro-Verkäufe deutlich zulegen oder in stagnierenden Märkten die Verkaufszahlen zumindest stabil bleiben. Die Vertriebsoffensiven der Hersteller zeigten woanders also bereits Wirkung, ist Gall überzeugt.

Tesla-Absatz crasht komplett

Größter Verlierer unter den relevanten Marken war im Januar trotz des Elektrobooms der US-Hersteller Tesla. Das Fabrikat von Elon Musk verlor 59,5 Prozent seiner Kunden und kommt nur noch auf einen Marktanteil von 0,6 Prozent. Ob das nun an einer alternden Modell-Palette, stärkerer Konkurrenz im Elektromarkt oder schlicht an Elon Musk liegt, lässt sich dabei schwer beantworten. Sicher ist, dass noch schlimmere Rückgänge nur Fabrikate mit speziellen Herausforderungen verbuchen mussten: Fisker (ist pleite), Jaguar (wird als Marke komplett neu konzipiert), Ineos (hatte Zulieferprobleme) und Smart (muss sich ebenfalls erst neu finden).

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Neben Tesla gibt es allerdings drei weitere (mehr oder weniger) Volumenmarken mit heftigen Zulassungsrückgängen: allen voran Fiat (–46,7 %) sowie Opel (–45,1 %) und Porsche (–37,2 %).

Gleichzeitig gab es im Januar klare Gewinner, besonders die zuletzt arg gerupfte Marke MG (+83,6 %). Bei den Chinesen kann der Aufschwung nicht an befürchteten Strafzahlungen liegen, als Eigenzulassungs-Primus hat sich MG trotzdem in den letzten Monaten hervorgetan. Auch Renault (+38,1 %) hat im Januar an der Trendwende gearbeitet, während man bei Seat (+37,5 %) zumindest teilweise von einer echten Nachfrage ausgehen darf. Volvo (+33,0 %) und Suzuki (+19,0 %) komplettieren das Top-Fünf-Feld der Gewinnermarken.

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