ADAC: Auch Benziner haben Abgas-Probleme

Autor Christoph Seyerlein

Diesel-Modelle kommen in Umwelttests derzeit fast immer schlecht weg. Doch auch für Benziner hagelt es jetzt von Seiten des ADAC Kritik. Modelle mit Direkteinspritzung liegen im Schnitt gut das Fünffache über den ab September 2017 gültigen Feinstaub-Grenzwerten.

(Bild: ADAC)

Der ADAC stellt den Autobauern in seinem aktuellen Eco-Test ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus. Von insgesamt 77 getesteten Fahrzeugen erhielten lediglich fünf die maximal möglichen fünf Sterne. Mit vier Sternen versah der Autofahrerclub neun Autos. Damit sind von allen getesteten Fahrzeugen nach Ansicht des ADAC gerade einmal 14 empfehlenswert.

Besonders schlecht kamen im Test wieder einmal die Diesel-Fahrzeuge weg. Hier konnten mit dem Mercedes E220 d 9G-Tronic (80 von 100 Punkten) und dem BMW 118D Urban Line (75 Punkte) gerade einmal zwei von 38 getesteten Autos mit vier Sternen überzeugen. Dabei bemängelten die Prüfer vor allem, dass einige Modelle die gesetzlichen Grenzwerte für Stickoxide teilweise deutlich überschreiten. Am dreckigsten war dabei der Renault Captur dCi 90 unterwegs, er stieß laut ADAC pro Kilometer 725 Milligramm an Stickoxid aus und lag damit mehr als 900 Prozent über dem erlaubten Rahmen.

Alle vom ADAC getesteten Modelle im Überblick. Zum Vergrößern bitte anklicken.
Alle vom ADAC getesteten Modelle im Überblick. Zum Vergrößern bitte anklicken.
(Bild: ADAC)

Ein weiteres Ergebnis der ADAC-Messungen an Dieseln ist erstaunlich: Laut dem Autofahrerclub wiesen in einigen Fällen moderne Autos mit Euro-6-Motoren höhere Emissionswerte auf als diejenigen der Klasse 5. Dieses Resultat ist vor allem vor dem Hintergrund drohender Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Innenstädten von Bedeutung. Stuttgart will ab 2018 Euro-5-Diesel teilweise aus der Stadt verbannen, auch in weiteren Städten wie München und Düsseldorf wird ein solches Verbot derzeit diskutiert.

Neben den Selbstzündern übt der ADAC auch an vielen Benzinern Kritik. Hier bemängelt der Club bei vielen Direkteinspritzern deutlich zu hohe Feinstaub-Emissionen. Auch Modelle mit kleinen Motoren, beispielsweise der VW Tiguan 1.4 TSI oder der Opel Corsa 1.0 Turbo Ecoflex Edition, seien auffällig geworden. Beim Opel hat der ADAC zudem erstmals erhöhte Stickoxid-Emissionen festgestellt, was bisher bei Benzinern kein Thema war. Im Durchschnitt liegen die Direkteinspritzer – und damit rund 90 Prozent der neuen Benziner – fast um das Fünffache über dem ab September 2017 gültigen Grenzwert, teilte der ADAC mit. Dem Autoclub zufolge werden die Hersteller die neuen Regelungen ohne zusätzliche Feinstaubfilter kaum einhalten können.

Aktuelle Abgassysteme nicht Stand der Technik

Egal ob Diesel oder Benziner, allgemein entsprechen nach Ansicht des ADAC die eingesetzten Abgassysteme der meisten Modelle nicht dem Stand des technisch Machbaren. Thomas Burkhardt, Vizepräsident für Technik beim ADAC, kritisiert die Hersteller deswegen. „Bedauerlich ist, dass die Hersteller weiterhin viel zu wenig unternehmen, um längst vorhandene Emissionstechnologien für einen effektiven Schutz der Umwelt in ihren Fahrzeugen einzusetzen.“

Die Spitzenplätze im aktuellen Eco-Test belegen übrigens ausschließlich Modelle mit alternativen Antrieben. Testsieger ist der BMW i3 mit bestmöglichen 100 Punkten und fünf Sternen, gefolgt vom Toyota Prius 1.8 Hybrid Executive (94 Punkte) und dem elektrischen Nissan Leaf Acenta (94 Punkte). Auf Platz vier liegt mit dem Toyota Mirai ein Wasserstoffauto. Ebenfalls fünf Sterne erhielt mit dem Skoda Octavia Combi 1.4 TSI G-Tec Style ein Erdgas-Fahrzeug. Bester Benziner ist der Suzuki Ignis 1.2 SHVS Comfort+ auf Platz 8 mit 84 Punkten und vier Sternen.

Der ADAC verspricht, für seinen Eco-Test realitätsnäher als Hersteller und staatliche Institutionen zu prüfen. Neben aktuellen Fahrzyklen und verschärften Bewertungsmaßstäben gibt es eine weitere Änderung: Autos, die der ADAC aufgrund ihrer Werte auf dem Prüfstand empfehlen würde – also vier oder fünf Umweltsterne erreichen – müssen sich zusätzlichen Abgasmessungen auf der Straße (Real Driving Emissions) stellen.

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