ADAC-Reifentest: Ökoreifen schlecht auf Nässe
Der Autofahrerclub hat rollwiderstandarme Produkte mit ihren konventionellen Pendants vergleichen. Sein Fazit: Der Vorteil beim Kraftstoffverbrauch wiegt den längeren Bremsweg nicht auf.
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Der ADAC-Sommerreifentest 2015 lässt mit einem interessanten Szenario aufhorchen: Erstmals hat der Club für die meistverkaufte Größe für Mittelklasseautos vier rollwiderstandsarme Produkte eines Herstellers mit ihren konventionellen Pendants vergleichen. Ergebnis: In den ökologischen und wirtschaftlichen Kriterien haben die sogenannten Eco-Modelle nur geringe Vorteile, bei Nässe jedoch überwiegend Nachteile.
Der Grund für das Missverhältnis ist klar: Die Reifenentwicklung ist von vielen Zielkonflikten geprägt – und besonders schwierig ist es, einen niedrigen Rollwiderstand und einen guten Nassgrip unter einen Hut zu bringen.

Am deutlichsten zeigte sich der Nachteil in Sachen Bremsweg bei den Michelin-Produkten Primacy 3 und Energy Saver Plus: Hier war der Ökoreifen fast eine Wagenlänge mehr unterwegs als der Klassiker. Ein Ausreißer ließ sich allerdings beim Bridgestone-Pärchen beobachten, weil der Ökoreifen Ecopia EP001S dem herkömmlichen Turanza T001 ganze 2,5 Meter abnahm. Dass er in der Gesamtbewertung der Nässeeigenschaften trotzdem schlechter abschnitt, ist seinen Schwächen beim Aquaplaning geschuldet.
Moderne Reifenkonstruktionen schaffen es allerdings immer besser, widerstreitende Anforderungen zu vereinen. Das zeigt sich etwa bei den Modellen Goodyear Efficient Grip Performance, Dunlop Sport Blu Response oder Pirelli Cinturato P7 Blue. Sie können trotz niedriger Rollwiderstandswerte mit ordentlicher Haftung und sicherem Fahrverhalten punkten. Nicht verschwiegen werden soll auch die Tatsache, dass die beiden Michelin-Reifen allen anderen Testkandidaten in Sachen Laufleistung weit überlegen sind.
Riesige Unterschiede zwischen Labelwerten und Testnoten

Erneut zeigten sich große Unterschiede zwischen den auf dem Reifenlabel angegebenen Leistungswerten und den ADAC-Testergebnissen. Die Reifen, die bei den Nasstests nur „befriedigend“ abschnitten, hatten in fünf Fällen den besten Labelwert A sowie in sechs Fällen ein B. Selbst der mit Testnote „Mangelhaft“ schlechteste Proband Nankang Econex Eco-2 trug auf dem Reifenlabel ein stolzes B. Damit sollte eindeutig ein Grund für behördliche Nachmessungen gegeben sein.
Der ADAC und die Stiftung Warentest haben für den aktuellen Sommerreifentest insgesamt 35 Modelle in zwei Reifengrößen getestet. Getestet wurden 19 Modelle in der Dimension 205/55 R 16 für Fahrzeuge der Mittelklasse und unteren Mittelklasse sowie 16 Modelle in der Dimension 185/60 R14 H für Kleinwagen. In der größeren Dimension bewegten sich die Kandidaten – abgesehen vom erwähnten Nankang – auf ordentlichem Niveau: Sechs Modelle erreichten das Urteil „gut“, zwölfmal wurde „befriedigend“ vergeben.

In der Reifendimension für Kleinwagen gab es sechsmal das Urteil „gut“, achtmal „befriedigend“ und je einmal „ausreichend“ und „mangelhaft“. Der Continental Premium-Contact 5 glänzt mit sehr guten Handling-Eigenschaften, der Goodyear Efficient Grip Performance mit den kürzesten Bremswegen. Das breite Mittelfeld zeigt leichte bis eindeutige Schwächen auf nasser Fahrbahn. Insgesamt jedoch gilt: Vor allem die mit „gut“ bewerteten Reifen unterscheiden sich nur geringfügig voneinander.
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