Kaum ist in Sachen Corona das Schlimmste vorbei, schnellt die Zahl der Kfz-Diebstähle munter hoch. Doch gegen die kann man was tun. Was, speziell in Sachen Oldtimer, zeigt das Konzept „Microdot-ID“.
Winzig kleine, fürs menschliche Auge kaum sichtbare Punkte, eingebettet in einen UV-Lack: Mit Microdots lassen sie Oldtimer kodieren und somit Diebe abschrecken.
(Bild: Dominsky – VCG)
Gerade einmal – oder wie der Historiker sagen würde „schon wieder“ – fünf Jahre ist es her, da startete Micare PS. Jenes kleine Unternehmen, das einem brutalen Tabubruch den Kampf angesagt hat. Denn: Das Auto eines Mannes klaut man nicht – schon gar nicht, wenn es sich um einen Oldtimer handelt, den Mann im Schweiße seines Angesichts selbst restauriert, jahrelang gesucht oder sich das Geld dafür vom Munde abgespart hat (oder alles drei). Nein, von der Frau bzw. dem Oldie anderer haben Dritte gefälligst die Finger zu lassen – in der Theorie. In der Praxis halten sich aber leider nicht alle an diese Prämisse.
Doch zum Glück gibt es wie gesagt Micare PS und Antonia Stumpfernagel, die Geschäftsführerin und treibende Kraft der hessischen Ideenschmiede. Sie ist nicht nur stets auf der Suche nach Technologien und Techniken, die den Diebstahl eines klassischen Fahrzeugs verhindern oder zumindest deutlich erschweren. Nein, sie findet bzw. entwickelt diese auch und passt sie erfolgreich für Oldies an. Neben einem speziell für Oldtimer entwickelten Tracker gehört dazu auch das Prinzip der Microdots.
Denn mithilfe des Microdot-ID-Sets können Besitzer ihren Oldie kodieren, um ihn so im Fall der Fälle identifizieren zu können. Beziehungsweise können Dritte, beispielsweise Behörden, ein gestohlenes Fahrzeug seinem Halter zuordnen. Doch anders als im Fall NFC-Chips, in dem der Anwender Bauteile mit kleinen, passiv-elektronischen Plättchen versieht, „bepinselt“ er im Fall Microdots die Bauteile mit einer Flüssigkeit. Und die, eine UV-Indikatorflüssigkeit, hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich.
Geheime Kommandosache(n)
Erfunden hat die Mircodots (Mikropunkte) 1925 der russisch-deutsch-israelischer Chemiker, Techniker und Erfinder sowie Mitgründer von Zeiss Ikon Emanuel Goldberg. Die Mikropunkte sind ein Mittel der technischen Steganografie (verborgene Speicherung oder Übermittlung von Informationen), die als eine Form des Mikrofilms gilt. Vor allem Deutschland setzte die Technik im Zweiten Weltkrieg ein, um Briefe oder Lagepläne als i-Punkt bzw. Satzzeichen getarnt zu übermitteln.
Der Verkleinerungsprozess erfolgt mittels fotografischer Abbildung in zwei Stufen: Zuerst wird die Quelle (z. B. Schreibmaschinenseite) mit einer Präzisionskamera auf ein Negativ von der Größe einer Briefmarke abgebildet. Dann wird das entwickelte Negativ durch die Optik eines Mikroskops auf eine Fotoplatte aus dünnem Glas abgebildet. Die verkleinerte Abbildung ist mit circa 1 mm2 etwa so groß wie ein mit einer Schreibmaschine getippter Punkt. Nach dem Entwickeln wird die Glasplatte mit einer Kollodiumschicht überzogen, woraufhin der Punkt mit einer Injektionsnadel herausgestochen und mit Iod behandelt wird, um die durchsichtigen Stellen ebenfalls dunkel zu färben. Der Empfänger legt den Punkt in ein chemisches Bad, um das schwarz-violette Iod in farbloses zu reduzieren, und kann dann die Information unter einem Mikroskop betrachten. Später entwickelte die Stasi spezielle Mikropunkt-Kameras, die ein 1,4 mal 2 Millimeter großes Negativ erzeugten.
Anti-Diebstahlportal führt die Fäden zusammen
Genauer gesagt hat sie Tausende winzige Partikel („ausgestanzte Mikrofilme“) in sich, kleiner als ein Millimeter, sogenannte Microdots („Mirkopunkte“). Die sind mit einem einmaligen Zahlen-/Buchstabencode (PIN) versehen. Den Code kann im Fall der Fälle jede Polizei beziehungsweise jeder Zoll oder private Ermittler vor Ort mit einem einfachen Taschenmikroskop für ein paar Euro auslesen. Der individuellen PIN jedes einzelnen Microdots ist die Fahrgestellnummer (FIN) des zu kodierenden Oldtimers zugeordnet. Diese ist wiederum im „Missing Car Register“ hinterlegt, der Fahrzeugplattform von Micare PS. Sie ist eine Internet-Datenbank und Dreh- und Angelpunkt des Micare-Konzepts.
Auf der internationalen Plattform www.micare-ps.com kann 24/7 jeder sein Fahrzeug kostenlos und dauerhaft einstellen, egal ob es gestohlen wurde oder nicht. Diese Plattform möchte Fahrzeugbesitzer wie Ermittlungsbehörden auf die Spur gestohlener Klassiker bringen und so einerseits die Aufklärungsquoten bei Oldtimer-Diebstählen erhöhen und andererseits diese reduzieren. Und zwar durch Abschreckung. Findet jemand ein Fahrzeug bzw. ein Fahrzeugteil mit einer Microdot-Markierung, reicht es, wenn er den auf den Dots gedruckten Zahlen-/Buchstabencode bei Google eingibt und schon erscheint das dazugehörige und auf micare-ps.com hinterlegte Fahrzeug samt allen relevanten Informationen – kinderleicht!
Malen mit Zahlen – ganz einfach
Das Kodieren eines Fahrzeugs oder besser gesagt seiner Teile ist simpel: zu markierendes Bauteil an der entsprechenden Stelle reinigen, fettfrei machen (Silikonentferner) und Spezial-UV-Lack mit einem kleinen Pinsel auftragen. Nach wenigen Minuten ist dieser trocken beziehungsweise ausgehärtet. Egal ob Ledersitze, Targadach, Chromstoßstangen oder Motor: Der Eigentümer (oder die Werkstatt) entscheidet, wo die Markierungen platziert werden – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
„Die Anwendung ist ganz einfach. Um 1.000 Microdots anzubringen, benötigen Sie weniger als fünf Minuten“, beschreibt Antonia Stumpfernagel die Anwendung ihres Diebstahl-Vermiesers. Mit ihm können Anwender beliebig viele Stelle beziehungsweise Teile innen und außen am Fahrzeug kodieren. Kontrollieren, respektive später ausfindig machen, kann man die Stellen ganz einfach mit einer/der zum Set gehörenden UV-Taschenlampe.
Kodieren minimiert das Risiko eines Diebstahls
So wie einst in den Neunzigern Fahrzeughalter mithilfe spezieller Sets die FIN in sämtliche Fahrzeugscheiben ätzen konnten. Aber mit dem Unterschied, dass Diebe bei Micare PS nicht wissen und auch nur schwer herausfinden können, wo und welche Komponenten kodiert sind. So soll der Besitz derart kodierter Fahrzeuge (Fahrzeugteile) für sie risikoreicher und damit unattraktiver gemacht werden. Interessant zu wissen: Es gibt Versicherungen, die gewähren auf Anfrage einen Nachlass auf den Kaskobeitrag für markierte Fahrzeuge.
International kommen Microdots schon deutlich häufiger zum Einsatz als hierzulande, weiß Antonia Stumpfernagel zu berichten: „Da werden die Dots zum Teil mittels Lackierpistole großflächig im Motorraum etc. aufgebracht. Dies macht es für Diebe dann tatsächlich uninteressant, ein solches Fahrzeug zu stehlen. Lieferbar sind die streichbaren PIN-Schildchen in drei Sets mit 3.000, 5.000 und 10.000 Stück. Das 5.000er-Set für Pkw kostet 74,90 Euro (inkl. MwSt.). Es enthält neben der Flüssigkeit eine Schwarzlicht-Lampe sowie eine Autoplakette bzw. zwei Warnaufkleber als Hinweis, dass es sich um ein kodiertes Fahrzeug handelt.
Stand: 08.12.2025
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