Gekappte Verkehrswende: Immer wieder erschweren beschädigte Ladesäulen E-Autofahrern das Stromtanken. Doch die Branche hat gute Aussichten, das Problem in den Griff zu bekommen.
Ladekabel werden immer häufiger wegen ihres Kupfergehaltes gestohlen.
Ladesäulen für Elektroautos gibt es in Deutschland aktuell eigentlich in ausreichender Zahl. Doch immer wieder herrscht vor Ort Stromausfall: Seit einiger Zeit häufen sich Fälle von Vandalismus und Kabeldiebstahl an öffentlichen Schnellladesäulen. Die Hersteller steuern nun gegen.
Die wohl häufigste Form der Beschädigung ist der Kabelklau. Die Täter schneiden oder flexen die fest installierten Ladekabel kurzerhand ab, nehmen sie mit oder schmeißen sie in das nächste Gebüsch. Der finanzielle Schaden geht in jedem Einzelfall in die tausende Euro. Hinzu kommen Kosten für die Ausfallzeiten, die bei ein bis zwei Wochen liegen können.
Aussagekräftige bundesweite Zahlen zu Fällen von Kabelklau gibt es nicht, doch regelmäßig ploppen einschlägige Polizeimeldungen, Pressemitteilungen oder Beschwerde-Posts in Internetforen auf. Wie das E-Mobilitäts-Portal „Electrive“ recherchiert hat, kann beinahe jeder Ladesäulenbetreiber mittlerweile von entsprechenden Fällen berichten. Noch größer scheint das Problem in den USA zu sein; einzelne Quellen sprechen davon, dass bis zu 20 Prozent aller Ladesäulen bereits mindestens einmal betroffen waren.
Kupferdiebstahl in 40 Fällen
Einen besonders spektakulären Fall gab es zuletzt in Leipzig. Dort läuft zurzeit der Prozess gegen einen mutmaßlichen Kabeldieb, dem 40 Straftaten im Zusammenhang mit der Entwendung von Ladekabeln zur Last gelegt werden. Betroffen waren Ladeparks diverser Betreiber, darunter etwa Tesla und EWE Go. Mögliches Motiv: Kupferdiebstahl. Vier bis zehn Kilogramm des edlen Metalls enthält ein Kabel, abhängig von Dicke und Leistungsfähigkeit. Die Ankaufspreise für Kupferkabel ohne Isolierung liegen beim Schrotthändler aktuell bei rund 8 Euro pro Kilo. Mit Material aus dubioser Quelle dürfte deutlich weniger zu erzielen sein. Ein besonders einträgliches Geschäft ist der Kabeldiebstahl also eher nicht, selbst in den heutigen Zeiten mit tendenziell hohen Weltmarktpreisen für reines Kupfer.
Neben der Gewinnabsicht kommen daher noch weitere Motive in Frage. Zum einen natürlich reiner Vandalismus. Dass sich simple, alkoholgeschwängerte Zerstörungslust besonders häufig an Ladekabeln abarbeitet, ist aber zweifelhaft. Die potenzielle Gefahren der Hochspannung, der Werkzeugbedarf und die meist abseits vom Ausgehviertel gelagerten Standorte sprechen eher gegen spontane Aktionen. Nicht selten dürfte es sich daher um ideologisch begründete Taten handeln – ob aus speziellem E-Autohass oder aus einer generellen Ablehnung von „grüner“ Technologie. Egal wie das Motiv gelagert ist: Die Anklage läuft in der Regel auf Sachbeschädigung oder gemeinschädliche Sachbeschädigung hinaus. Im Leipziger Fall drohen dem mutmaßlichen Täter 20 Monate Haft, ein rechtskräftiges Urteil ist aber noch nicht gefallen.
Die Ladesäulenbetreiber reagieren bereits mit technischen Maßnahmen auf die Zerstörungen. Gängigstes Mittel dürfte die Videoüberwachung von Säulen an besonders gefährdeten Standorten sein, oft kombiniert mit Bewegungsmeldern. Ebenfalls beliebt: GPS-Tracker, die einige Hersteller mittlerweile in ihre Kabel integrieren. Oder die Umstellung auf Aluminium als Leiter-Material. Dessen physikalische Eigenschaften sind zwar schlechter als die von Kupfer, dafür ist der Gewinn bei einem Verkauf an einen Hehler deutlich geringer. Gerade einmal 40 Cent gibt es beim seriösen Schrotthändler für das Kilogramm.
Alarm-Software gibt laut
Mit schnittfesten Kabeln und Alarmanlagen will etwa der US-Ladesäulenhersteller Chargepoint Vandalismus und Metall-Diebstahl verhindern. Die Schnellladekabel sind zu diesem Zweck laut Hersteller mit speziellen, nicht näher bezeichneten Materialien ummantelt, die das Durchtrennen deutlich erschweren sollen. Die Kabel können nicht nur bei den Säulen des Herstellers selbst zum Einsatz kommen, sondern sollen sich auch für andere Fabrikate eignen. Nur für die eigenen Produkte vorgesehen ist hingegen eine andere Entwicklung der Amerikaner: eine Alarm-Software, die Manipulationen am Ladekabel in Echtzeit erkennen und per Warnton und Blinklicht Alarm schlagen soll.
E-Autobauer und Ladesäulenbetreiber Tesla hat sich offenbar vom Kampf der Banken gegen Raubüberfälle oder Geldautomatensprengungen inspirieren lassen und nutzt eine spezielle Tinte, um Diebe abzuschrecken oder zumindest zu markieren. Die nicht abwaschbare „Dye Defender“-Flüssigkeit spritzt beim Anschneiden der Kabelhülle heraus und färbt Hände und Kleidung der Täter ein. Zusätzlich wird in die Kupferkörper der Kabel „Eigentum von Tesla“ graviert, um den Verkauf zu erschweren.
Stand: 08.12.2025
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Die Ladesäulenbetreiber haben im Kampf gegen Vandalismus und Kabeldiebstahl viele Ideen und auch gute Karten; und angesichts der hohen Kosten von Beschädigungen einen hohen Verfolgungs-Ehrgeiz. Auf der Gegenseite sind die Gewinnaussichten mäßig: Finanziell lohnt sich das Risiko kaum. Und auch ideologisch getriebene Täter müssten schon sehr viel sägen und schneiden, um wirklich Lücken in die Infrastruktur zu schlagen. Schließlich gibt es in Deutschland mittlerweile 30.000 Schnellladepunkte, Tendenz schnell steigend.