Die Autos von Aston Martin bleiben irgendwie very british. Daran ändert die Neuauflage des Supersportlers DB12 Volante nichts. Für sein Geld bekommt der Käufer technisch und in der Verarbeitung endlich Premiumqualität.
Aston Martin hat im Rahmen seiner Modellverjüngung nun die Neuauflage des DB12 Volante vorgestellt.
(Bild: Marcus Werner)
Mit dem Aston Martin DB12 Volante setzen die Briten ein klares Lebenszeichen. Technisch basiert das Cabrio auf dem im Herbst gestarteten Coupé DB12 – aber ein Cabrio muss man sich im Portfolio erst einmal leisten wollen. Andererseits: Geht es ums Marketing, ist britisches Understatement nicht unbedingt angesagt. „Wenn wir demnächst den neuen DBX auf den Markt bringen, hat Aston Martin die jüngste Modellpalette aller Hersteller“, verkündet Europachef Andreas Bareis anlässlich der Vorstellung des Volante. Tatsächlich haben hat die Edelmarke nun binnen eines Jahres alle Modelle neu aufgelegt. Allerdings ist Aston Martin natürlich auch kein Vollsortimenter.
Jetzt aber zum DB12 Volante: Das Cabrio kostet 242.500 Euro und hat es technisch in sich. Schließlich will Aston Martin bei den Supersportwagen wieder ganz vorne mitspielen und sogar im Revier von Ferrari wildern. Also musste mehr Power unter die Haube, denn mit 535 PS fuhr der Vorgänger DB11 der Konkurrenz hinterher. Jetzt produziert der von Mercedes-AMG gelieferte Vierliter-V8 satte 680 PS und 800 Newtonmeter. Damit knackt der DB12 in 3,4 Sekunden aus dem Stand die 100-km/h-Marke und fährt Ferrari Roma (620 PS) oder Porsche 911 Turbo (650 PS) zumindest leistungsmäßig davon.
Beim DB12 haben die britischen Ingenieure die Alustruktur im Unterboden sowie die Lenkung nochmals versteift. Außerdem sollen adaptive Dämpfer die Bandbreite der Kraftverteilung um 500 Prozent erhöhen, lesen wir in der Pressemappe. Speziell die hintere Federrate und Dämpferabstimmung seien an die Anforderungen eines offenen Supersportwagens angepasst.
Aha. Da nähern wir uns dem 4,72 Meter langen Supersportler doch mit ein wenig Demut und bewundern erst einmal die gelungenen Proportionen. Einen Aston Martin zu fahren hat schließlich immer auch etwas mit Understatement zu tun. Tatsächlich verunstalten weder Spoiler noch Luftlöcher die klar gezeichnete Karosserie, die satt auf 21 Zoll großen Schmiederädern steht. Man sieht dem Auto seine Leistung an. Übertrieben aggressiv oder aufdringlich wirkt es aber nicht.
Technisch endlich auf der Höhe der Zeit
Auch im Innenraum ist zu sehen, welchen Sprung die Marke gemacht hat. Musste man im Vorgänger noch breite Spaltmaße oder die alte Infotainment-Technik weglächeln, fährt der DB12 jetzt in Sachen Bediensystem und digitalen Angeboten bis hin zu Over-the-Air-Updates auf der Höhe der Zeit. Das digitale Cockpit wirkt beim Fahren allerdings fast ein wenig zu reduziert. So dürften die eingeblendeten Tempolimits gerne etwas größer sein, denn natürlich ist man in einem Aston Martin immer zu schnell unterwegs. Auch der verhältnismäßig kleine zentrale Touchscreen wirkt ein wenig wie eine Verlegenheitslösung. Klar, das System beherrscht Apple Car Play oder Andoid Auto kabellos. Es nutzt 3D-Karten und berechnet Routen dynamisch nach Verkehrslage. Aber wer unterwegs mal eben schnell den nervigen Tempolimitwarner wegklicken oder einen anderen Menüpunkt sucht, muss schon sehr genau hinschauen.
Andererseits: Alle fürs Fahren wichtigen Funktionen lassen sich über acht Tasten darunter direkt einstellen. Der dreistufig einstellbare Auspuffsound etwa oder die diversen Fahrmodi. Außerdem ließen die Designer üppig feines Leder verlegen, und dass „Look and Feel“ in einem mindestens 242.500 Euro teuren Fahrzeug passen, versteht sich von selbst.
Hochvariables Fahrwerk: von komfortabel bis bretthart
Dann mal los: In nur 14 Sekunden faltet sich das Dach in ein 26 Zentimeter flaches Paket ins Heck und lässt dort zumindest so viel Platz, dass noch ein Golfbag quer hineinpasst. Das heißere Fauchen des V8 geht sofort nach dem Start in ein sozialverträglich sanftes Grummeln über, so dass sich die Abfahrt ohne nachbarschaftlichen Ärger gestalten lässt. Hinter dem Ortsschild zeigt der V8, was 680 PS bedeuten. Überbordende Leistung, die sich aber immer gut beherrschen lässt. Das Erstaunliche am Volante sind weniger seine unglaublichen Reserven oder das rasante Tempo, das man sowieso eher auf der Rennstrecke als auf öffentlichen Straßen erleben sollte. Vielmehr bietet sein Fahrwerk eine unglaubliche Bandbreite, von komfortabel bis bretthart.
Und wem die fünf vordefinierten Fahrmodi nicht genügen, stellt sich seine individuelle Mischung aus Agilität, Stabilität und Komfort selbst zusammen. Der DB12 verkneift sich die Aggressivität, mit der ein McLaren oder Lamborghini seinen Fahrer antreibt. So lässt sich die Fahrt ins Grüne ganz entspannt genießen, am besten untermalt vom Surround-Sound der Bower & Wilkins-Musikanlage. Und wenn doch einer von hinten drängelt? Lächeln und zurücklehnen. Man weiß ja, was man unter der Haube hat.
Stand: 08.12.2025
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