ATU-Käufer zeichnet Vorvertrag
Dass es mit der angeschlagenen deutschen Werkstattkette nicht mehr lange so weitergehen konnte, war klar. Jetzt hat der europäische Marktführer zugeschlagen und will sich die rund 600 ATU-Betriebe einverleiben. Es gibt aber erst noch etwas zu klären.
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Die französische Mobivia-Gruppe, europäischer Marktführer unter den Werkstattketten, will Auto Teile Unger kaufen. Wie die Weidener Kette am Mittwoch bekannt gab, sei bereits eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet worden. Durch die geplante Transaktion würde Mobivia seine Marktstellung deutlich ausbauen und europaweit mit knapp 2.000 Werkstätten mehrerer freier Ketten und über 20.000 Mitarbeitern auf einen gemeinsamen Jahresumsatz von rund 2,7 Milliarden Euro kommen.
ATU befindet sich derzeit im Besitz einer internationalen Investorengruppe bestehend aus Centerbridge, Babson Capital und Goldman Sachs. Die geplante Transaktion, die bis zum Jahresende abgeschlossen sein soll, steht allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass sich ATU mit seinen größten Vermietern der Filialen auf die langfristige Reduzierung der Mietkosten auf marktübliche Niveaus einigt. Die hohen Mietkosten werden neben häufigen Wechseln an der Unternehmensspitze als eines der Kernprobleme von ATU angesehen, weswegen die Kette nicht auf einen profitablen Wachstumskurs zurückfindet. Der Unternehmensgründer Peter Unger hatte vor Jahren Immobilien an Hedgefonds mit Immobiliengesellschaften veräußert.
Neben einer Neuregelung der Mietverträge ist für die Transaktion auch noch die Zustimmung der Kartellbehörden erforderlich.
Die Mobivia-Gruppe ist derzeit mit rund 1.300 Service-Punkten in 16 Ländern Europas, Afrikas und Südamerikas aktiv. Mit ihren Marken Norauto, Midas, Carter-Cash, Auto 5, Synchro Diffusion, Bythjul und Skruvat betreut die Gruppe nach eigenen Angaben mehr als 30 Millionen Kunden. Die Gruppe mit Sitz im französischen Lille ist in Privatbesitz und wurde 1970 gegründet. Im Jahr 2015 erreichte sie mit rund 11.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,76 Milliarden Euro.
ATU betreibt 577 Werkstätten in Deutschland sowie 25 in Österreich und 6 in der Schweiz. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. Juni 2016 endete, erreichte das Unternehmen einen Umsatz von rund 1 Milliarde Euro. ATU soll innerhalb der Mobivia-Gruppe weiterhin unter der eigenen Marke als eigenständiges Unternehmen für den deutschen Markt agieren und den Sitz in Weiden i.d. Oberpfalz behalten.
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