Auch Mädchen wollen schrauben
Den Mädchen-Zukunftstag begriffen viele Betrieben im Kfz-Gewerbe als Chance, Schülerinnen für Autoberufe zu interessieren.
Über 8.100 Veranstaltungen und mehr als 137.000 Plätze für Mädchen hatte der Girls Day 2007 im Angebot. Schülerinnen ab der fünften Klasse fanden eine bislang unerreichte Auswahl an Schnupperplätzen in technischen, naturwissenschaftlichen, handwerklichen und IT-Berufen vor. In diesem Jahr beteiligte sich auch das Kfz-Gewerbe intensiv an dem so genannten „Mädchen-Zukunftstag“, der Schülerinnen Mut machen will, sich für eine Karriere in einem klassischen Männerberuf zu entscheiden.
Als Männerdomäne müssen nach wie vor die technischen Berufe rund ums Auto gelten. Der Anteil junger Frauen beträgt in der Werkstatt nach Angaben von ZDK-Geschäftsführer Ingo Meyer momentan nur 1,4 Prozent. Jedoch entwickle sich der Ausbildungsberuf Kfz-Mechatroniker immer mehr zu einem „Kopf-Beruf“, den auch junge Frauen leicht ausüben könnten, während die körperlichen Anforderungen entsprechend geringer werden.
Im harten Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs werden die Chancen für Mädchen in „Männer-Berufen“ sogar weiter steigen, glaubt Meyer.
Das Renault-Autohaus Müller in Würzburg hat diesen Trend schon lange erkannt. Seit vielen Jahren leitet Inhaberin Margot Müller die Geschicke des Betriebes. Sie ist überzeugt, dass Frauen in einem Autohaus genauso gut arbeiten können wie Männer, wenn sie es nur wollen und das entsprechende Interesse für Technik und Autos mitbringen. Und diese Neigung scheinen viele junge Mädchen durchaus zu haben, nimmt man die Resonanz auf den Girls Day zum Maßstab.
Beruf Kfz-Mechatronikerin
Binnen kürzester Zeit waren die über das Internet angebotenen Plätze ausgebucht. Am Morgen des 26. April versammelten sich 15 Mädchen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren im Autohaus, um etwas über den Beruf des Kfz-Mechatronikers – oder in diesem Fall besser der Mechatronikerin – zu erfahren.
Genauere Vorstellungen, was sich hinter diesem Berufsbild verbergen könnte, hatten sie noch nicht, wie sie übereinstimmend erzählten. Aber das sollte sich im Laufe eines Vormittags ändern.
Informationen lieferten nicht nur ein Rundgang durch sämtliche Abteilungen des Betriebes sowie die DVD „Autoberufe – Chancen für Könner“. Am besten gefiel den Schülerinnen, den Mechanikern bei der Arbeit über die Schultern zu schauen und vor allem selbst Hand anzulegen. So entwickelte sich der eigentlich eher banale Vorgang eines Radwechsels zum echten Highlight, weil hier jede Tagespraktikantin eigenhändig eine Schraube lockern durfte.
Die professionelle Anleitung erteilte eine junge Autohaus-Mitarbeiterin, die zugleich ideale Ansprechpartnerin für Fragen der Mädchen war: Vanessa Holzinger, Auszubildende zur Kfz-Mechatronikerin im ersten Lehrjahr.
Ziel des Girls Day ist nicht in erster Linie, als Ausbildungsbörse unmittelbar Bewerberinnen zu rekrutieren. Vielmehr soll in der Öffentlichkeit und speziell bei Mädchen das Bewusstsein für Autoberufe geschärft werden.
Dieses Ziel hat der Aktionstag bei Renault Müller auf jeden Fall erreicht. Und immerhin über die Hälfte der Teilnehmerinnen gab am Ende in einem Fragebogen an, sich für die Zukunft ein Praktikum und eine Ausbildung in einem Kfz-Betrieb vorstellen zu können.
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