Carsharing im Automobilhandel Auf dem absteigenden Mobilitätsast

Von Julia Mauritz 6 min Lesedauer

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Im Bestreben, sich zum ganzheitlichen Mobilitätsanbieter zu entwickeln, hatte sich in den vergangenen Jahren manch ein Autohaus ans Carsharing gewagt. Doch nun ziehen sich immer mehr wieder zurück. Vandalismus und Betrug sind nur zwei von mehreren Gründen.

Das Autohaus Südbeck hat sein Carsharing-Projekt beendet.(Bild:  Autohaus Südbeck)
Das Autohaus Südbeck hat sein Carsharing-Projekt beendet.
(Bild: Autohaus Südbeck)

Vor knapp fünf Jahren war das VW-, Seat- und Cupra-Autohaus Südbeck aus Cloppenburg mit einem stationsbasierten Carsharing gestartet. Die ländlich gelegene 40.000-Einwohner-Stadt hatte großes Interesse am neuen Mobilitätsangebot signalisiert und dem Autohaus drei kostenlose Parkplätze zur Verfügung gestellt. Im Kern ging es Geschäftsführer Andreas Raker damals weniger darum, gleich Geld mit seinen drei Carsharing-Fahrzeugen zu verdienen. „Wir sind angetreten, weil wir überzeugt sind, dass Carsharing auch im ländlichen Raum funktioniert und weil es eine perfekte Ergänzung zu einem multimodalen Mobilitätsangebot ist. Und wir haben uns zudem einen Marketingeffekt für unsere Mobilitätsmarke Alltimecars erhofft“, erläutert der Unternehmer.

Obgleich sich die Nachfrage nach dem Carsharingangebot in die richtige Richtung entwickelte, hat das Autohaus seinem Mobilitätsprojekt nun den Stecker gezogen. Raker erläutert seine Beweggründe: „Es gab insgesamt fünf Vorfälle, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Profitabilität hatten, und die auch die Lust und den Spaß an diesem Mobilitätsangebot getrübt haben.“ Einmal wurde ein Carsharing-Auto von Südbeck mutwillig zerstört und einmal wurde ein Fahrzeug unterschlagen. Gleich dreimal hatten Kunden bei der Buchung des Fahrzeugs gefälschte oder geklaute Personalien angegeben und konnten nicht ermittelt werden. Die Fahrzeuge wurden dann in verschiedenen Städten ausfindig gemacht. „Zwei Identitätsklau-Fälle haben innerhalb von zwei Monaten stattgefunden, ein Vorfall mit Tankbelegen führte zu einem Schaden von über 2.000 Euro“, schildert Raker. Dazu gesellten sich regelmäßige Zahlungsausfälle. „Hätte es die genannten Vorfälle nicht gegeben, hätten wir das Angebot vielleicht kostendeckend weiterlaufen lassen können“, bemerkt der Geschäftsführer. Nun will sich Südbeck unter dem Dach seiner Mobilitätsmarke Alltimecars voll auf die tage- und wochenweise Fahrzeugvermietung und Auto-Abos konzentrieren: Die Flotte von aktuell 35 Fahrzeugen will der Händler in Zukunft weiter ausbauen.