Ebenfalls als Verpackungskünstler erweisen sich die GM-Designer. Denn neben dem zum Buick Excelle umgemodelten Opel Astra zeigen sie auf der Auto China den Volt auch als Minivan. Länger, höher und breiter als die Limousine, beweist er, dass in einem Auto trotz Elektromotor, Range Extender und Lithium-Ionen-Akkus noch genügend Platz für Kind und Kegel bleibt.
Die wahren Verpackungskünstler allerdings kommen aus China. Denn was die heimischen Marken alles auf die Messestände rollen, sprengt vielfach die Vorstellungskraft – und zwar nicht nur wegen der schieren Anzahl der Premieren. So sind unter den allein etwa zwei Dutzend Neuheiten bei Geely neben der Weiterentwicklung des alten England-Taxis so schräge Konzepte wie der Emgrand GT, ein Geländewagen wie aus dem Lego-Baukasten, oder ein elektrischer Stadtflitzer mit Flügeltüren, den auch Daniel Düsentrieb hätte zeichnen können.
Studien werden Realität
Und bei BYD, BAIC oder Roewe und MG sieht es nicht viel anders aus. Allerdings sind unter all den verspielten Studien immer mehr seriennahe Modelle, die auf den ersten Blick auch im Westen eine gute Figur machen würden: Der MG Zero, der FAW E-coo oder der SAIC E-1 könnten es zumindest rein optisch leicht mit VW Polo oder Opel Corsa aufnehmen. Und wenn tatsächlich stimmt, was auf den bunten Aufklebern steht, fahren die Chinesen den Deutschen sogar meilenweit voraus. Denn jedes auch nur halbwegs interessante Auto auf der Messe will ein Elektro- oder wenigstens ein Hybrid-Modell sein und hat natürlich Lithium-Ionen-Akkus für schier endlose Reichweiten an Bord.
Dumm nur, dass man den Autos nur selten unter die Haube schauen kann, die Infotafeln jeder Langnase Rätsel aufgeben und das Standpersonal auf Nachfragen nur mit Unkenntnis und einem entwaffnenden Lächeln reagiert. Papier und die Folie für Aufkleber, so scheint es beim Messerundgang, ist in China vielleicht sogar noch geduldiger als bei uns.
Dreiste Plagiate an jeder Ecke
Während viele der Kleinwagen und manche der Elektroautos durchaus von ernsthaften Absichten zeugen, findet man auf der Messe nach wie vor auch ein paar echte Lachnummern – vor allem unter den dreisten Plagiaten. Dass Saab 9-5 und 9-3 jetzt chinesisch aussehen, ist nach dem Verkauf der Konstruktionsskizzen zwar völlig legal. Und an den Smart-Abklatsch Noble hat man sich längst gewöhnt. Doch dass der Mini auch als Lifan verkauft wird, man die M-Klasse bei den Chinesen sogar als Pick-Up bekommt, BAIC eine Imitation der gesamten Jeep-Palette auf den Stand stellt und Geely den Mitsubishi ASX nachbaut, bevor ihn die Japaner überhaupt auf den Markt gebracht haben – das ist schon ein starkes Stück.
Zwar geht es auf der Messe zu wie auf einem Volksfest, und wie draußen auf der Straße fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Denn noch ist die chinesische Autolandschaft ein kunterbunter Flickenteppich, auf dem die großen Importeure aus Japan, USA und Deutschland die einzigen Fixpunkte sind. Doch das wird sich bald ändern, glaubt Christian Kleinhans von der Managementberatung Oliver Wyman: „Wir rechnen mit einer deutlichen Konsolidierung des Marktes und gehen davon aus, dass nur zwei oder drei lokale Hersteller überleben. Alle anderen werden geschluckt oder aus dem Markt gedrängt.“
Spätestens dann wird es auf der Messe auch etwas übersichtlicher. Was noch helfen würde: Ein paar Englischstunden fürs Standpersonal. Denn die meistgehörte Antwort auf Nachfragen zu Details und Daten war mal wieder: „Sorry, english we not speek“.
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