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Auto China zwischen Plagiat und Aufbruch

Autor / Redakteur: Benjamin Bessinger/SP-X / Andreas Grimm

Derzeit dreht sich die automobile Welt mit zahlreichen Premieren um Peking. Die heimischen Hersteller präsentieren sich einmal mehr als Elektro-Spezialisten. Ob die Pkw aber alltagstauglich sind, bleibt im Dunkeln.

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In Peking läuft derzeit die Messe Auto China. Hersteller aus aller Welt präsentieren hier ihre Premieren, speziell Modelle für den schnell wachsenden chinesischen Markt.
In Peking läuft derzeit die Messe Auto China. Hersteller aus aller Welt präsentieren hier ihre Premieren, speziell Modelle für den schnell wachsenden chinesischen Markt.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Auto China in Peking gehört inzwischen zu den ersten Adressen im jährlichen automobilen Messereigen. Gradmesser für den Stellenwert ist, dass die Aussteller ihre Stände in der chinesischen Hauptstadt mit Modellneuheiten prominent beschicken. Der Markt ist riesig und er wächst. Schließlich leben in dem Land inzwischen über 300.000 Millionäre.

Dazu kommt, dass nicht allein die Schicht der Superreichen wächst, die sich natürlich neue Fahrzeuge und teure Marken leisten können. Auch die Mittelschicht und sogar die Landbevölkerung drängt im Automobil auf die Straße. Selbst in Zeiten der Krise bleibt China für die Hersteller eine wahre Goldgrube.

In der ersten Reihe fahren dort die deutschen Hersteller. Sie dominieren die Importwertung der prestigeträchtigen Oberklasse. Zwar ringen einheimische Modelle wie der staatstragende Hongqi ebenso um Aufmerksamkeit wie der protzige Geely GE, gegen den selbst die Front eines Audi Q7 brav und bieder aussieht. Doch wer etwas auf sich hält unter Maos Erben, der hat einen Stern, vier Ringe oder eine Niere im Kühlergrill.

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Deutsche punkten in der Oberklasse

Die deutschen Hersteller tragen dieser Verantwortung in Peking gleich mit einem halben Dutzend Premieren Rechnung: VW zeigt dort den ein weiteres Mal überarbeiteten Phaeton, Audi präsentiert in der „zweiten Heimat“ den neuen A8 in der Langversion und mit einem auf 500 PS erstarkten Zwölfzylinder, und bei BMW und Mercedes drehen sich die chinesischen Stretch-Varianten von 5er und E-Klasse im Rampenlicht. Außerdem haben die Schwaben den Maybach noch einmal aufgefrischt und sich so ein wenig Zeit verschafft, um irgendwann doch noch einmal über die Zukunft der Nobelmarke zu entscheiden.

Weil das alles nur Überarbeitungen und Modellvarianten sind, haben Mercedes und BMW auch noch zwei richtig neue Autos mitgebracht: So zeigen die Stuttgarter als Vorboten des nächsten CLS den bereits ziemlich seriennahen Shooting Break, der etwa zwei Jahre nach dem viertürigen Coupé auch auf der Straße die Brücke zwischen Lust und Last schlagen will. Die Münchner kontern darauf mit dem überraschenden Gastspiel einer „Gran Coupé“-Studie, die allerdings nur im Rahmenprogramm einen kurzen Auftritt hatte. Der knapp fünf Meter lange Luxusliner ist mit einer Höhe von 1,40 Metern etwa zehn Zentimeter flacher als 5er und 7er und geht als dritte Spielart des 6ers vermutlich im Jahr 2012 nach Cabrio und Coupé tatsächlich in Serie, raunen die Vorstände am Rande der Sneak Preview.

US-Hersteller zeigen Kleinwagen

Während sich Japaner und Koreaner in ihrem Nachbarland vornehm zurückhalten, kommen auch aus Amerika ein paar attraktive Neuheiten: So hat Ford in der chinesischen Hauptstadt das „Start“-Konzept enthüllt, das mit 3,70 Metern Länge und vier Sitzen eigentlich das Zeug zum coolen Ka-Nachfolger hätte. Doch leider ist der schmissige Zweitürer nur die Verpackung für einen neuen EcoBoost-Motor mit drei Zylindern, einem Liter Hubraum und etwa 120 PS, der mit einem CO2-Ausstoß von weniger als 100 g/km bereits im nächsten Jahr an den Start geht.

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