Autobauer verschlafen SUV-Trend in China
Wachstum ohne SUV-Modelle ist derzeit kaum denkbar. Speziell Volkswagen hat in diesem Segment Probleme. Nach den USA laufen dem Autobauer auch in China die Käufer davon.

Limousinen mit Uralt-Technik und klapprige Mini-Vans reichen Chinas Autokäufern nicht mehr. Sie wollen es mittlerweile eine Nummer größer und schicker – und das zeigt sich an den Zulassungszahlen. Der Kleinbus Wuling Hongguang, ein Produkt des GM-Konzerns, und die Kompakt-Limousine VW Lavida sind zwar noch immer die meistverkauften Modelle, doch ihre marktbeherrschenden Tage scheinen gezählt.
Mit knapp 280.000 Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten bleibt zwar der Wuling Hongguang laut Zahlen der Marktbeobachter von „Focus 2 Move“ Chinas meistverkaufter Pkw, doch gegenüber dem Vorjahr brachen die Verkäufe um knapp 30 Prozent ein. Etwas weniger dramatisch sieht die Sache beim VW Lavida aus: Die für den chinesischen Markt entwickelte Kompakt-Limousine verlor rund elf Prozent, hält mit rund 206.000 Neuzulassungen aber nur noch relativ knapp Rang zwei. Klassische Limousinen-Bestseller wie Buick Excelle, Hyundai Elantra und VW Jetta leiden ebenfalls unter der nachlassenden Kaufbereitschaft der chinesischen Kundschaft.
Warum das so ist, zeigt sich beim Blick auf den dritten Platz der aktuellen Bestsellerliste: Mit knapp 150.000 verkauften Einheiten rangiert dort der Haval H6 von Great Wall. Das Kompakt-SUV im Stil der VW Tiguan ist so etwas wie der Shooting-Star in China. Nicht nur, weil er sich innerhalb weniger Monate zum Bestseller entwickelt hat, sondern weil er auch zeigt, dass die Dominanz westlicher Hersteller nicht ewig halten muss. Denn der H6 ist – anders etwa als Lavida (VW) und Wuling Hongguang (GM) – ohne direkte Hilfe eines westlichen Herstellers entstanden.
VW, GM und Co. scheinen den SUV-Trend in China dagegen verschlafen zu haben. Zwar gibt es auch dort Modelle wie VW Tiguan, Ford Kuga oder Nissan X-Trail – doch die Preise sind hoch. Deutlich höher zumindest als bei H6 und Co. Von den zehn meistverkauften SUV in China stammen mittlerweile sieben von chinesischen Marken. Sie profitieren am meisten von dem starken Wachstum im Segment. Denn während die Limousinen-Neuzulassungen sinken, gehen die SUV durch die Decke. Rund jeder dritte Stadtbewohner wählt beim Neuwagenkauf einen der Softroader.
Und auch auf dem Land ist der Markt in Bewegung. Waren dort jahrelang Minibusse wie der Wuling Hongguang beliebt, weil sie für wenig Geld gleichzeitig als Familienauto und als gewerblicher Transporter dienen konnten, wählt man dort nun verstärkt die etwas größeren und komfortableren Kompakt-Vans. Das sogenannte MPV-Segment (Multi Purpose Vehicle) wächst noch schneller als die SUV-Klasse: 2014 um knapp 50 Prozent auf fast zwei Millionen Neuzulassungen. Aus westlicher Sicht ist in diesem Segment zumindest General Motors ordentlich vertreten: Die Amerikaner bauen gemeinsam mit SAIC und Wuling nicht nur den Hongguang, sondern auch den größeren und edleren Baojun 730, der es auf Anhieb auf den sechsten Rang der Verkaufs-Charts gebracht hat.
Mit Uralt-Limousinen und klapprigen Kleintransportern ist auf lange Sicht in China wohl nicht mehr viel Staat zu machen. Und selbst wenn das Premium-Geschäft für die deutschen Hersteller dank des guten Namens wohl noch lange laufen wird – die Massenmobilisierung der chinesischen Bevölkerung nehmen zunehmend die heimischen Marken in die Hand.
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