Autohaus Anders: Nachhilfe vom Profi
Das Autohaus Anders in Vechta beschäftigt einen ehemaligen Berufsschullehrer, der die Azubis individuell fördert. Dieses Engagement belohnte die Jury des Bundesbildungspreises mit dem dritten Platz.

Vor einiger Zeit hatten viele Betriebsinhaber und Ausbilder den Eindruck, die Qualität der Schulabgänger ließe nach. Darauf reagierten die einen mit Klagen über die Schulen und die Jugendlichen, die sie mit dem Prädikat „nicht ausbildungsreif“ versahen. Andere entschlossen sich, selbst etwas zu tun: Das Mercedes-Autohaus Anders in Vechta stellte einen pensionierten Berufsschullehrer ein. Seit 2011 unterstützt Wolfgang Holst die Nachwuchskräfte des Unternehmens während der Ausbildung.
„Ich versuche die Jugendlichen so individuell wie möglich zu fördern“, berichtet Holst. Dazu zählt die Vorbereitung auf die Gesellenprüfung ebenso wie Nachhilfe-Unterricht in einzelnen Fächern. Regelmäßig pendelt er zwischen den verschiedenen Anders-Standorten, um alle seine Zöglinge zu betreuen. Mit ihren Berufsschullehrern sowie den betrieblichen und überbetrieblichen Ausbildern steht er ebenfalls in ständigem Kontakt.
Auch die Projektarbeiten der Anders-Azubis begleitet Holst. Derzeit baut eine Gruppe angehender Kfz-Mechatroniker einen Dreizylinder-Motor zu einem Schnittmodell um. Unterstützung erhalten sie dabei auch vom Kundendienstleiter und den Werkstattmeistern des Betriebs. Anhand des fertigen Modells sollen die Nachwuchskräfte später Schülern und anderen Azubis die Funktionsweise eines Motors erklären.
Mit seinen verschiedenen Projekten verfolge das Autohaus mehrere Lernziele, erläutert der Ausbildungsverantwortliche Eduard Denk: Die jungen Leute sollten lernen, selbstständig Arbeitsabläufe zu planen, den Zeitbedarf zu kalkulieren, sich technische Informationen zu beschaffen und im Team zusammenzuarbeiten.
Chancen für benachteiligte Jugendliche
Die professionelle Unterstützung durch einen Pädagogen erleichtert es dem Autohaus auch, Jugendlichen mit schwierigeren Startbedingungen eine Chance zu bieten. Im Rahmen des Programms „Einstiegsqualifizierung Jugendlicher“, das die Caritas organisiert, können solche Schüler ein mehrmonatiges Betriebspraktikum absolvieren und – wenn das Engagement stimmt – im Anschluss einen Ausbildungsvertrag unterzeichnen.
Ein Highlight für alle Anders-Azubis ist der jährliche „Tag der Auszubildenden“. Bei gemeinsamen Aktionen und Wettkämpfen in Kleingruppen lernen die Azubis ihre Kollegen von anderen Standorten, aber auch die Geschäftsführung des Unternehmens näher kennen. „Für uns besteht da Anwesenheitspflicht“, berichtet Geschäftsführer Hauke Anders. Den Abschluss bildet dann der Besuch eines Basketballspiels oder einer Kartbahn. Ein solch ereignisreicher Tag sollte den Azubis zusätzliche Motivation für die weitere Lehrzeit bieten.
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